Dame König As Spion: Verfolgungsjagd in Zeitlupe
Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson wagt mit der Verfilmung des berühmten Romans von John Le Carré ein Experiment. Er zeigt einen Agentenfilm ohne Action. Kann das funktionieren?
Von Alexandra Reinsberg
London, Oktober 1972. Tristes Grau zieht sich durch die Stadt, in der blasse Briten in Trenchcoats gehüllt im Bunker des Geheimdienstes MI6 verschwinden. In diesem abgeschotteten System, das sie selbst Circus nennen, herrscht trotz reger Geschäftigkeit eine unheimliche Ruhe. Mittelpunkt des Circus ist ein schallisolierter Raum, in dem der Rauch steht und MI6 Leiter Control (John Hurt) regelmäßig seine Abteilungsleiter versammelt. Hier werden die Fäden der Weltpolitik gezogen. Wir befinden uns in der Zeit des Kalten Kriegs und hinter den Kulissen brodelt es. Eine Geheimdienstoperation in Budapest läuft tödlich schief und Agent George Smiley (Gary Oldman) muss seinen Hut nehmen. Kurz darauf wird er jedoch wieder vom Staatssekretär rekrutiert. Dieses Mal soll er jedoch nicht mit, sondern gegen seine Kollegen ermitteln.
Ein Maulwurf im Circus
Ein Maulwurf des russischen KGB sitzt in der Führungsspitze des Circus und Smiley soll ihn unter seinen vier langjährigen Kollegen und Freunden ausmachen. Jeder ist verdächtig: Der ambitionierte Percy Alleline (Toby Jones), der selbstsichere Bill Haydon (Colin Firth), der unerschütterliche Roy Bland (Ciarán Hinds) und der bürokratische Toby Esterhase (David Dencik). Ohne direkten Zugang zum Circus, muss der melancholische Kopfmensch Smiley mit seinem jungen Kollegen Peter Guillam (Benedict Cumberbatch) ermitteln. Was simpel klingt, entpuppt sich als unglaublich komplexes Puzzle mit fast unüberschaubaren Akteuren, Zeit- und Ortswechseln. Eine tödliche Verfolgungsjagd in Zeitlupe entwickelt sich und der Doppelagent kennt Smileys Schwäche.
Der Stoff aus dem Agenten sind
John le Carrés Romanvorlage "Tinker, Tailor, Soldier, Spy" von 1974 gilt als Meisterwerk der Spionageliteratur. Als ehemaliger MI6 Mitarbeiter wusste er das Leben eines Geheimdienstagenten zwischen den Extremen ständiger Anspannung und unendliche Einsamkeit zu beschreiben. 1979 wurde der Stoff schon einmal für eine BBC-Serie aufgegriffen, die mit Alec Guiness in der Rolle des Agenten George Smiley zu einem Klassiker wurde. Nun traut sich der schwedische Regisseur Tomas Alfredson an die Romanverfilmung und kassiert für "Dame, König, As, Spion" gleich drei Oscarnominierungen: Gary Oldman als "Bester Schauspieler", "Bestes adaptiertes Drehbuch" und die "Beste Filmmusik" von Alberto Iglesias.
Schach statt Schießerei
Trotz fehlender Action hält Alfredson den gesamten Film über eine subtile Spannung aufrecht. Dabei fällt die entschleunigte Erzählweise auf. Die brillanten Akteure, allen voran der verschlossene Gary Oldman, schleichen förmlich umeinander, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Alfredson setzt auf Schach statt Schießerei. Dabei legt er detailverliebt Wert auf jeden Knopf am Anzug, was den Zuschauer umso mehr in die Zeitgeschichte zieht. Mehr Wert hätte er jedoch auf die Nachvollziehbarkeit der Geschichte legen sollen. Zu viele Charaktere, die falsche Spuren legen, lenken vom eigentlichen Plot ab. Der Zuschauer muss sich sehr anstrengen, um nicht selbst auf die falsche Fährte zu gelangen oder sie gar ganz zu verlieren. John le Carré, der die komplexen Handlungsstränge erdacht hat, ist hingegen begeistert von der filmischen Umsetzung. So begeistert, dass er sogar eine Statistenrolle im Film übernahm. Der 80-Jährige spielt die einzige Figur, die sich in diesem Film einmal gehen lassen kann - einen betrunkenen Gast auf einer Weihnachtsfeier.
Mehr von der eiskalten Agentengeschichte sehen Sie in unserer Bildergalerie.
Den Trailer zu "Dame, König, As, Spion" sehen Sie hier.
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