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Warner Bros. J. Edgar

 

J. Edgar: Der  Mann  über  dem  Präsidenten

Wer ist der Mann, der das FBI während der Amtszeit von acht US-Präsidenten leitete und dem die Aussage zugeschrieben wird: "Mir ist es egal, welcher Präsident unter mir dient"? Der Film J. Edgar schafft es mit Bravour uns diese undurchsichtige Person näher zu bringen.

Von Simon Heinrich

J. Edgar Hoover ist eine der schillerndsten und zugleich mächtigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Clint Eastwood als Regisseur und Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle als J. Edgar Hoover haben sich dessen Lebensgeschichte bedient und einen Film mit dem bewährten "Ich erzähle aus meinem Leben"-Muster gedreht.

Film: Drama

J. Edgar

Clint Eastwood

Kinostart: 19. Januar 2012

Beschreibung: Ruhiges und doch spannendes Porträt des Gründers des FBI
Mit: Leonardo DiCaprio, Josh Hamilton, Geoff Pierson


Die Rote Angst

Die größte Angst der Amerikaner nach dem 1. Weltkrieg gilt den Kommunisten. Nach mehreren Anschlägen auf hohe Vertreter der Politik und der Gerichte durch kommunistische Vereinigungen, macht sich der junge J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) als Mitarbeiter einer amerikanischen Behörde durch sein hartes Vorgehen gegen die "Rote Macht" einen Namen. Er bringt es im Jahre 1920 zur größten Massenverhaftung von Kommunisten in der US-Geschichte.

Im Jahr 1921 wird er mit gerade einmal 26 Jahren Vizedirektor des Bureau of Investigation (BOI). Drei Jahre später wird er Direktor. Er modernisiert die unterbesetzte Behörde, erstreitet vor Gericht neue Mittel und Befugnisse, führt eine landesweite Kartei für Fingerabdrücke ein und eröffnet ein kriminaltechnisches Labor: Aus dem BOI wird das allseits bekannte FBI. Bis zu seinem Tod im Jahre 1972 leitet Hoover diese Behörde. Nicht schlecht für einen Mann Mitte des 20. Jahrhunderts, der homosexuell war, teilweise stotterte und bis zum Tode seiner Mutter zu Hause wohnte - immerhin während den ersten 14 Jahren als Direktor.

Der zahnlose Tiger wird zum Löwen

Das FBI wird unter Hoover zur wichtigsten inneramerikanischen Sicherheitsbehörde. Von Jahr zu Jahr wird Hoover mächtiger - und herrischer. Zwar diente die Behörde der Sicherheit der Bevölkerung, doch nicht denjenigen, die ihm nicht passen. Ob Martin Luther King, Präsident Roosevelt samt Gattin oder die Kennedy-Brüder. Für jeden ließ er geheime Dossiers anfertigen und in sein Geheimarchiv bringen. Die Mächtigsten waren nun in seiner Hand.

DiCaprio und Eastwood - eine gute Kombination

Clint Eastwood setzt die biographische Geschichte als Rückblick um. Das kling zunächst altbacken und wenig innovativ, ist jedoch die große Stärke des Films. J. Edgar Hoover diktiert Ende der 60er Jahre einem FBI-Agenten seine Memoiren, sodass in dem Film immer wieder zwischen der Gegenwart und seiner früheren Zeit beim FBI gewechselt wird. Sowohl der junge, als auch der alte J. Edgar Hoover werden von Leonardo DiCaprio gespielt, wobei für den Visagisten der älteren Ausgabe des FBI-Chefs eine Oscar-Nominierung wohl sicher ist.

Durch den ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart schafft es Eastwood, die ambivalenten Seiten des FBI-Chefs dem Zuschauer ungezwungen und informativ näher zu bringen. J. Edgar Hoovers Stimme leitet den Zuschauer durch die verschiedenen Jahre seines Lebens - aber ohne dabei den Film in eine Dokumentation zu verwandeln.

Rente mit 67? Fehlanzeige!

J. Edgar Hoover starb 1972 - als Direktor des FBI - im Alter von 77 Jahren. Am Ende zeichnet ihn das Alter und er kann den Tag erst mit Vitaminspritzen seines Arztes beginnen. Wer einmal so viel Macht besitzt, gibt sie freiwillig nicht mehr ab. Er stirbt als einer der mächtigsten Männer, die die USA je gesehen hat. Und kaum einer hat seine Macht dermaßen ausgenutzt.

Eastwood hat mit J. Edgar einen informativen, ruhigen Film geschaffen, der es trotzdem schafft, die Impulsivität des FBI-Chefs und seine Ambivalenz dem Zuschauer nahe zu bringen. Und Leonardo DiCaprio beweist wieder einmal, dass er zu einer Klasse von Charakterdarstellern gehört, die in Hollywood nur ganz schwer zu finden sind.

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