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Warner Argo

 

Argo: Star  Wars  im  Dienste  der  CIA

Ben Afflecks verfilmt als dritte Regiearbeit eine geniale, verzweifelte Aktion der CIA, sechs Amerikaner aus Teheran 1979 zu retten. Der Thriller ist spanned bis, er sich am Schluss verstolpert.

Von Martin Haldenmair

Sechs Amerikaner sind im November 1979 dem Sturm auf die Botschaft in Teheran entkommen und verstecken sich in der Residenz des kanadischen Botschafters. Ewig können sie dort nicht bleiben, denn auch die Kanadier bereiten sich auf die Evakuierung vor. Aus der Verzweilfung heraus ersinnt die CIA die Operation "Argo": Die sechs Botschaftsmitarbeiter werden zu einem kanadischen Filmteam umetikettiert, die für den Film "Argo" Drehorte in Iran auskundschaften soll.

Film: Thriller

Argo

Ben Affleck

Kinostart: 8. November 2012

Länge: 120 Minuten

Mit: Ben Affleck, John Goodman, Bryan Cranston, Alan Arkin
FSK: ab 12

Bewertung:


Eine unmögliche Geschichte aus einer CIA-Akte

Ein falsches Studio, Pressematerial, Promo-Events und verdächtig nach "Star Wars" aussehendes Artwork wird generiert, um eine glaubhafte Fassade zu generieren. Jetzt müssen nur noch die Sechs von ihrer neuen Identität erfahren und sie erlernen. CIA-Mann Tony Mendez (Ben Affleck) reist als angeblicher Fahrer in den Iran, um sie unter den Augen der iranischen Polizei zu Set-Scoutings zu führen und am Ende - hoffentlich - außer Landes zu bringen. Doch nicht nur, dass die Sechs an dem Plan zweifeln, auch die amerikanische Regierung bekommt kalte Füße und will die laufende Aktion am liebsten abbrechen.

Wer hat sich denn diese unmögliche Geschichte ausgedacht? So wie es aussieht, tatsächlich die CIA. Die Akte zum "Canadian Caper" wurde unter Bill Clinton veröffentlicht. Ben Affleck verfilmte sie und ließ sich dazu Details vom echten Mendez erklären, sowie von Hollywood-Make-Up-Verteran John Chambers, der für die Promo-Aktionen zum potemkinschen Film "Argo" verantwortlich war. Wenn wir dem Film Glauben schenken können, war die Argo-Geschichte noch die vernünftigste Idee, neben einigen aus gänzlicher Unkenntnis des Landes geborener Ideen (darunter eine gemütliche, winterliche Radtour zur ja nur 800 Kilometer entfernten türkischen Grenze). Die Welt ist eben ein merkwürdiger Ort.

Affleck nimmt sich in seiner dritten Regiearbeit Zeit. Kühl und unterspielt, ruhig und actionarm und voller Spannung ist der Film. Denn die mit heißer Nadel zusammengstrickte Aktion droht ständig, durch schlaue Fragen von Bürokraten und misstrausichen Schergen und neugierigen Journalisten aus den Angeln gehoben zu werden. Meist hilft nur die Flucht immer dreistere Gegenbehauptungen über das schillernde Filmprojekt. So beantwortet der "Produzent" (Alan Arkin) des Films die insistierende Frage eines kulturbeflissenen Journalisten nach der Argonautensaga: "Arr... go fuck yourself".

Flucht nach Vorn

Der Spruch, eine Flucht nach Vorn in die Verwegenheit wird zum geheimen Motto der Beteiligten an der Operation. Komisch und verzweifelt zugleich, denn würde auch nur einer die Dreistigkeit nicht hinnehmen, stünden sieben Menschenleben auf dem Spiel. John Goodmann, der John Chambers spielt - endlich wieder eine gute Rolle für ihn - sowie Alan Arkin halten auf der Hollywood-Seite die ideale Balance zwischen Komik und Drama, während die Schauspieler, die die sechs Flüchtlinge spielen die kaum unterdrückte Panik gut rüberbringen.

Im Vergleich dazu etwas schwach wirkt Ben Affleck als Tony Mendez. Ein Pokerface auch in hoffnungslosen Situationen wollte er ihm wohl verleihen, doch leider wirkt Agent Tony oft eher, als würde er sich erst mal auf die Matratze hauen und sich morgen erst wieder um die Sache kümmern wollen. Hier hilft Realismus nicht weiter, im Film muss ein Agent mehr Präsenz ausstrahlen als im Beruf.

Dokumentarischer Stil, theatrale Brüche

Spannend sind die Bilder in Teheran, die in dokumentarischem Stil gehalten sind, wie zufällig Details einfangen, die seinerzeit durch die Nachrichten gingen, wie ein über einer Kreuzung schwebender, an einem Kran gehenkter vermutlicher Konterrevolutionär. Leider hatte Affleck nicht ganz den Mut, diesen Stil ganz durchzuhalten und so müssen wir durch ein paar unnötig theatralische Szenen durch: Mendez, der voller Zweifel im Hotelzimmer eine Nacht lang einer Whisky-Flasche Gesellschaft leistet, um am nächsten Morgen ganz amerikanisch (und nüchtern) zu entscheiden, gegen alle Widrigkeiten weiterzumachen. Oder endlosen Danksagungen an die Adresse der Kanadier gegen Ende, wohl um zu verhindern, dass der Film als zu USA-zentrisch erscheint. Und natürlich Mendez, der seine Tochter vor einer sich stolz bauschenden Flagge umarmt.

Von solchen Schnitzern abgesehen ist "Argo" ein staubtrockener, hochspannender Politthriller, der mit ganz kleinen und einfachen Mitteln den Zuschauer an den Sitz fesselt.

Mehr von der raffinierten Rettungsaktion sehen Sie in der Bildergalerie zu "Argo", den Trailer zum Film können Sie hier ansehen.

Weiterführender Link: Offizielle Seite zum Film "Argo"
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