21 Jump Street: Nerd ist das neue Cool
Jonah Hill und Channing Tatum jagen undercover an einer Schule Drogendealer und erhaschen unzählige Möglichkeiten für pubertäre Witze und peinliche Situationen. "21 Jump Street" wird als Actionkomödie neu verfilmt.
Von Martin Haldenmair
Die 80er waren eine merkwürdige Zeit für Fernsehserien: Sie nahmen sich alle so ernst. Zum Beispiel die Serie "21 Jump Street". Darin gingen seriöse Polizisten mit jugendlichem Aussehen undercover an Schulen ihren guten Taten nach (und brachten gute Schauspieler mit jugendlichem Aussehen wie Johnny Depp und Peter DeLuise in Lohn und Brot). So etwas geht heute nicht mehr. Wird auch gar nicht erst versucht. Wie auch immer die Idee aufkam, die Serie ins Kino zu bringen, an einer Stelle bekam Jonah Hill das Drehbuch in die Finger und schrieb es um. Herausgekommen ist eine unbekümmert unflätige Actionkomödie, der jede Ausrede ist, Klischees zu kommentieren.
Film: Komödie
21 Jump Street
Phil Lord, Chris Miller
Kinostart: 10. Mai 2012
Länge: 109 Minuten
Mit:
Jonah Hill, Channing Tatum, Johnny Depp, Peter DeLuise
FSK:
Freigegeben ab 12 Jahren
Bewertung: ![]()
Zurück zur Schule - mit neuen Regeln der Coolness
Wird etwas frisch, wenn man nur laut genug darauf hinweist, wie alt es ist? Nach dieser Logik funktioniert "21 Jump Street". "Die da oben haben eben keine Ideen mehr" erklärt der Dienststellenleiter den beiden Polzisten Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum). Er hat sie gerade für das reanimierte Undercover-Projekt vorgeschlagen, das sein Hauptquartier in einer aufgegeben koreanisch-katholischen Kirche in der Jump Street Nummer 21 hat. Darin führt Captain Dickson (Ice Cube) ein strenges Regiment - und erklärt den Neuankömmlingen auch gleich, dass er das Klischees des wütenden schwarzen Captains ausleben wird. Über den Neuzugang ist er nicht besonders glücklich, dabei passen Schmidt und Jenko perfekt. Die beiden halfen sich gegenseitig durch die Polizeischule (Jenko als Muskel, Schmidt als - seien wir großzügig - Hirn), gingen gemeinsam als Parkpolizisten auf Streife, vermasselten ihre erste Verhaftung und blicken dumpf aus ihren alterslosen Gesichtern (Jonah Hill ist 30, Channing Tatum 32). Also erklärt er sie zu Brüdern und steckt sie in eine Highschool, in der sie einen Drogenring sprengen sollen.
Jenko ist zunächst zuversichtlich: Zu Schulzeiten war er der Coolste - das wird auch jetzt wieder klappen. Schmidt dagegen war ein hoffnungsloser Looser, den Jenko wohl nicht mal verprügelte, sondern nur auslachte. Doch die Zeiten haben sich geändert: die Rucksäcke tragen auch coole Kids mit beiden Riemen (denk an deinen Rücken!), bei den Autos zählen nicht nur die PS, sondern auch der sparsame Verbrauch (denk an die Umwelt!) und man schlägt keinen Mitschüler, nur weil er "schwule" Musik hört (was hast Du gegen Schwule?!). Ihren Steckbrief haben die beiden natürlich nicht gelernt und so kommen sie auch noch in die falschen Kurse: Jenko ist bei den Chemiegenies, Schmidt bei den Sportlern. Damit hat das Drehbuch die chaotischen Buddys nun genug um sich selbst gedreht, dass genug Chaos entstehen kann.
Drogen, Schusswechsel und unerwünschte Fellatio
Denn wie gewinnt man am besten das Vertrauen drogendealender Highschoolkids? Indem man sich zudreht, wilde Partys schmeißt. So stellen Schmidt und Jenko das Schulleben auf den Kopf, brechen jede Regel, die ihnen der Captain eingebläut hat und stolpern von einer Peinlichkeit in die Nächste. Die Peinlichkeiten sind das Destillat aus zwei Jahrzehnten Teeniefilmen und nur wegen der stoischen Ruhe der Schauspieler Jonah Hill und Channing Tatum zu ertragen. Gerade Tatums geradezu meditativ gelassenes Gesicht erweist sich als Entdeckung für das Komödienfach.
So zündem die Gags von "21 Jump Street" tatsächlich. Sie sind natürlich pubertär und - wir erinenrn uns: Jonah Hill schrieb am Drehbuch mit - voller mehr oder weniger geistreicher Anspielungen auf die männliche Weichengegend. Gegen Ende, als die Helden in einer Verfolgungsjagd in Limousinen nicht nur gefährlichen Kugeln als auch unerwünschter Fellatio entgehen müssen wird es auch zu dick. Und eine bis zur Unendlichkeit ausgewalzte Nummer um einen Rettungsschuss ins Gemächt ist in einem Satz zu lesen witziger, als sie minutenlang im Kino zu erleben. Ein Highlight ist ein Gastauftritt der ehemaligen Helden der alten Jump Street Johnny Depp und Peter DeLuise. Die beiden geistern in perfekter Verkleidung druch den Film (versuchen Sie mal, sie vorher zu erspähen!) und zeigen im Kugelhagel, wie man wahrhaft rührselige, männliche Freundschaftsbekundungen formuliert.
"21 Jump Street" ist eine Überraschung. Eine Überraschung, dass der Film überhaupt funktioniert kann - aber er funktioniert. Er ist definitv kein Stück raffinierter Unterhaltung, doch wer mal wieder Spaß daran haben möchte, sich über 90 Minuten grelle Witze ohne Niveaugefahr anzuhören (unser Liebling sind die quietschebunten Illustrationen zum Drogenrausch) ist an der Jump Street gut aufgehoben.
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