SUCHE BEI MAX

HomeCityguidePopkulturLifestyleShop

 

Von Martin Haldenmair

Vergänglich ist jede Kunst. Vielleicht besonders die Kunst, die Urban Art oder Street-Art genannt wird: Bilder im öffentlichen Raum, oft illegal an eine Fassade gesprüht und daher schnell wieder übertüncht.

Kunst oder was?

Es fällt oft auch schwer, sie zu finden und als Kunst zu erkennen. Doch sie ist ein künstlerischer Ausdruck, sie blüht in den freien, übersehenen Flächen der Großstadt, kommentiert unsere Lebenswelt und nimmt sich selbst oft auf die Schippe. Was bitte ist denn Kunst, wenn nicht etwas, das uns die Welt anders sehen lässt - wenn auch nur für einen Moment? Die Erkenntnis setzt sich langsam durch und hat mittlerweile Nachrichtenwert, wenn, wie jüngst geschehen, ein Frühwerk des Künstlers Banksy als wertloses Graffiti abgetan und bei einer Sanierung übermalt wird.

Wie vergänglich Street-Art ist, fiel auch Carsten Popp und Christian Hildmann auf. Gerade in München, einer Stadt, die trotz - oder vielleicht auch wegen - ihres sehr reinlichen Selbstbildes eine erstaunlich aktive Street-Art-Szene hat. So entstand die Idee, die Kunstwerke abnehmbar zu machen, sie von den Mauern der Straße an die Wände von Wohnungen zu bringen. "Streeticons" nannten sie ihre Firma und richteten ihre Büros in der Nähe der Tumblinger Straße ein, in der die Münchner Street-Art-Künstler einen der wenigen Zufluchtsorte finden.

Auf den Umriss kommt es an

Wie wird nun ein Street-Art-Werk mobil und reproduzierbar? Auf jeden Fall nicht einfach durch Abfotografieren und Ausdrucken. "Wir wollten auf keinen Fall quadratische oder rechteckige Bilder, sondern wir wollten mit der Tagline arbeiten, der auch der Künstler folgt", erklärt Christian Hildmann. Das Kunstwerk wird abfotografiert und anschließend in Zusammenarbeit mit dem Künstler mit einem Umriss versehen, der auch Teile der Oberfläche umfassen kann, auf die das Kunstwerk gemalt wurde. "Wir machen Vorschläge und zurren die Feinheiten oft telefonisch mit den Künstlern fest", erklärt Popp. Das Bild wird dann auf festem Trägermaterial wie Alu Dibond, Hohlraumpappe oder Leichtbauholz gedruckt, das nach dem vorher definierten Umriss ausgefräst wird.

Wie aber reagieren Künstler auf diese Idee? Ist es denn nicht gerade der Kern der Street-Art, auf der Straße zu existieren? Gehört nicht auch der Kick dazu, sie oft nachts und nicht ganz legal angebracht zu haben? Während am Anfang die Resonanz bei den jungen Künstlern tatsächlich gering war, gingen die Größen der Szene freudig auf die Idee ein: Loomit, einer der ersten Graffiti-Künstler Münchens, stellte sogar ein Werk allein für Streeticons her. Seither strecken Hildmann und Popp ihre Fühler in viele Richtungen aus und können auch Künstler aus anderen Ländern wie Dänemark und Venezuela gewinnen. Kürzlich hat auch der Hamburger Künstler "Flying Förtress" zugesagt, dessen "Teddy Troopers" die Wände vieler Weltstädte zieren. Als nächstes größeres Projekt haben sich die beiden Unternehmer vorgenommen, die Werke der weiblichen Street-Art-Künstler zugänglich zu machen.

Neugierig geworden? In unserer Bildergalerie der Streeticons können Sie sich ein Bild machen, wie Street-Art in der Wohnung aussieht.

Zurück zur Übersicht

PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN

Überschrift

Name


Ihr Kommentar 
AGB

Beitrag abschicken