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Von Kerstin Kotlar

Politisch steht die Welt im Nahen Osten gerade Kopf. Revolutionen, die von der Straße aus die Regierungen erschüttern, haben zu großen Umbrüchen in Ägypten, Tunesien, Libanon und einigen Nachbarländern geführt. Politische Statements werden auch in Form von Graffiti gesetzt.

Während einer Massendemonstration in Beirut 2005 hinterließen Hunderte ihre Gedanken und Wünsche als gigantische Petition an den Holzwänden, die den Märtyrer-Platz umgaben. Zu diesem Zeitpunkt erkannte der Libanese Pascal Zoghbi die Macht der Worte und beschäftigte sich mit den Persönlichkeiten, die dahinter steckten. Er selbst entwickelte eine arabische Typographie auf Basis der libanesischen Handschrift. Jetzt nimmt der Autor von "Arabic Graffiti" den Leser mit auf die Reise zu den revolutionären Wandwerken. Blut tropft aus den Schriften, palästinensische Flaggen werden geschwungen und Totenköpfe gezeichnet.

Durch die Seiten zieht sich fein verschnörkelt die arabische Schrift. Sie ziert alte Läden im Libanon, schmale Gassen Bahrains, die von Einschusslöchern übersäten Mauern Palästinas. Auf Leinwand gebannt lässt Sun7 (gesprochen sunset) in "Silver Diary Skull" aus den Schriftzeichen den Totenkopf entstehen. Die Kalligrafie findet ihren Weg auch in westliche Metropolen. Die umgekehrte Richtung funktioniert ebenfalls. So lässt der legendäre Banksy in der West Bank eine Friedenstaube mit kugelsicherer Weste an einer Wand flattern.

Der Bildband "Arabic Graffiti" bringt Künstler, Graffiti-Writer und Typographen aus dem Nahen Osten zusammen mit denjenigen, die weltweit in arabischer Kalligrafie mit Graffiti und Urban Art arbeiten. Die beeindruckenden Fotografien begleiten Essays einiger Experten der Street Art, um die orientalische Graffiti-Szene zu erklären. Hier mischen sich Tradition und Moderne ebenso wie sozio-politische und kulturelle Gedanken.

Die Erklärung des arabischen Alphabets bringt dem westlichen Leser die Schrift näher. Vorgestellt werden außerdem die Künstler, die klangvolle Namen tragen wie "Mohammed Ali/ Aerosol Arabic", "Sair 4 aka Puya Bagheri oder "Monsieur Cana aka Askar".

Impressionen der Wandwerke bekommen Sie in unserer Bildergalerie.

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