SUCHE BEI MAX

HomeCityguidePopkulturLifestyleShop

 

Von Kerstin Kotlar

Demi Moore ist ein großer Fan seiner Kunst, Ashton Kutcher verwendete nicht nur ein Bild von ihm als Twitter-Hintergrund, sondern der Hollywood-Schauspieler taggte mit ihm zusammen sogar das Dach des Planet Hollywood Hotels in Los Angeles: Nomad. Doch der Berliner betrachtet das alles als ganz unspektakulär: "Das mit Ashton war eine reine Spaßaktion, komplett spontan und ungeplant." Darüber hinaus gilt der 40-Jährige als einer der am längsten aktiven Street-Art-Künstler Deutschlands. Ebensowenig ein Grund abzuheben.

MAX Online: Was bedeutet es für Sie Teil des Hollywood-Glamours zu sein?

Nomad: Es ist natürlich eine gewisse Anerkennung. Es gibt dort ein paar Leute, die sammeln, aber grundsätzlich hat es ja mit ihnen nicht angefangen. Sondern mit den ganz normalen Leuten auf der Straße. Durch den Hype um Street Art werden eben auch Menschen aufmerksam, gerade solche, die sich nicht so viel auf der Straße bewegen. Das drückt vielleicht auch eine gewisse Sehnsucht aus.

So entfernt sich die Kunst von der eigentlichen Street Art.

Street Art ist für mich eh ein leidiger Begriff, weil ich mich dieser Szene nicht zuordne. Ich bin nicht Teil einer Szene. Ich bin kein Street Artist, sondern ich bin jemand, der die Straße genutzt hat. Ich nutze immer wieder den öffentlichen Raum, um mich auszudrücken, um meine kleinen Botschaften an den Mann zu bringen.

Dann haben andere Sie in die Schublade der Street Art gesteckt?

Ich verstehe das schon. Um etwas zu verkaufen, muss man ein Label auf die Schublade kleben. Nur ich bleibe halt in der Schublade einfach nicht drin.

Wie beschreiben Sie dann Ihre Arbeit in den Galerien im Vergleich zur Straße?

Bei mir ist es letzten Endes so, dass ich in Galerien etwas anderes mache als auf der Straße. Entweder mache ich konzeptionelle Aktionen oder eben Malerei. Die Werke haben handwerklich eine ganz andere Herangehensweise. Ich sehe mich ja nicht als Street Artist, der irgendeinem Kodex treu bleiben muss, sondern eher als einen Künstler, der auch auf der Straße gearbeitet hat. In Galerien nutze ich das natürlich, ich lebe von dem Erfahrungsschatz, den ich dort gewonnen habe. Aber trotzdem ist die Arbeit an sich eine komplett andere.

Sie passen Ihre Arbeit demnach an den Ort an?

Ja genau, das versuche ich klar zu trennen. Andere Street Artists, die beispielsweise auf der Straße plakatieren gehen, präsentieren in der Galerie meist genau die gleichen Sachen wie vorher auf der Straße. Das finde ich langweilig. Ich mache lieber jedes Mal etwas Neues und versuche immer vor Ort zu arbeiten. Mein Credo ist: die Kreativität und die Inspiration der jeweiligen Ort zu nutzen. Das war auf der Straße schon so und das übertrage ich in die Galerie genauso.

Welche Rolle spielt da die Vergänglichkeit für Ihre Kunst?

Das ist sicher eines der Prinzipien, die mir wichtig sind. Das ist der Gedanke, sich immer wieder neu zu erfinden. Der Freestyle-Gedanke, das Jazz-Element, die freie Improvisation. Dadurch ist es ein Aufblühen von dem, was in dem Moment passiert und ist dann für den Moment kreiert. Und nicht für die Ewigkeit.

Andererseits ist mir auch das Spiel mit der Ewigkeit wichtig, mit den Dingen, die überdauern wie beispielsweise in dem Konzept, das ich auf der Escape 2010 in Wien präsentiert habe, bei dem ich 24 Stunden frei improvisiert einen Ort gestaltet habe. Teilweise tauchten hier Elemente, die ich vorher schon verwendet habe, wieder auf. Aber vor Ort entstanden doch wieder neue Assoziationen, die ich dann bildlich umgesetzt habe. Die konnten sich die Leute gleich tätowieren lassen. Deswegen der Titel "24 hours I a lifetime": Mit dem, was ich in 24 Stunden gemalt habe, laufen andere anschließend ein Leben lang herum (lacht).

Nicht immer ist Ihre Kunst so legal zu haben. Sie mussten ja auch schon eine Vandalismus-Strafe zahlen ...

Ja, diverse.

Inwiefern kalkulieren Sie das mit ein?

Das passiert. Bei manchen Sachen schramme ich halt am Rande der Legalität entlang. Manchmal geht es darüber hinaus, ist halt so. Aber ich bin niemand, der grundsätzlich Vandalismus propagiert. Es ist kein Grundelement von dem, was ich tue. Ich habe meine eigene Ethik, was Graffiti angeht. Ich habe nie Friedhöfe oder Grabsteine bemalt, genauso wenig wie Kunstwerke von anderen oder Denkmäler. Das ist meine Grenze.

Auf diese Weise lässt es sich gut leben von der Kunst?

Ich lebe nicht von der Kunst, ich lebe für die Kunst und mit der Kunst. Lebe ich gut oder schlecht? Mein Leben hat seine Höhen und Tiefen. Ich bin jetzt nicht reich geworden, darauf habe ich es auch nicht angelegt. Reichtum ist ohnehin relativ. Ich bin reich an Freunden, an guten Zeiten und Wissen. Das ist mir wichtiger. Freiheit interessiert mich mehr als Bindung.

Einige Eindrücke der freiheitsliebenden Werke bekommen Sie in unserer Bildergalerie.

Zurück zur Übersicht


1 | 2

PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN

Überschrift

Name


Ihr Kommentar 
AGB

Beitrag abschicken