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Von Kerstin Kotlar

Verlassene Fabrikhalle, zerbrochene Scheibe, nackte Fliesen, Betonwand, plötzlich große Lettern: Busk in Blau, Kryot in Gelb-Rot, Kers verschnörkelt. Davor: huschende Gestalten. In unglaublich rasanten Flashes nimmt Markus Oberndorfer die Zuschauer mit auf seine Spurensuche. Auf der Escape 2010 in Wien ist der Fotograf mit sieben so genannten Fotofilmen vertreten. Die Bilder führen zu österreichischen Künstlern, die im urbanen Raum ihre Spuren hinterlassen.

MAX Online: Wie sind Sie auf diese Filme im Stopmotion-Prinzip gekommen?

Markus Oberndorfer: Eigentlich bin ich ja Fotograf. Das heißt ich arbeite sozusagen von Grund auf mit Einzelbildern. Ich habe die Künstler anfangs eigentlich nur zum Fotos machen begleitet. Als mir dann einmal die Batterie meiner Mittelformat-Kamera ausgegangen ist und ich nur noch meine digitale Spiegelreflex zum Fotografieren hatte, habe ich einfach begonnen damit Sequenzen zu machen. Die Bilder, die so entstanden, habe ich dann zu einem Film zuammengeschnitten, auch um die Arbeit zu dokumentieren. Außerdem interessiere ich mich für Graffiti und Verfall im weitesten Sinne, unter anderem für verfallende Gebäude. Sie verändern sich ständig durch Witterung und andere Einflüsse, das fasziniert mich.

Welcher Szene sind Sie genau auf der Spur?

Ich arbeite bewusst mit Künstlern der Graffiti-Szene aus Wien, da es auch hier viele gute Leute gibt, die es genauso verdient haben, dokumentiert zu werden wie diejenigen aus Berlin oder London. Das sehe ich auch ein bisschen als meine Aufgabe.

Mit der Ausstellung in Museen rücken Sie diese Subkultur ins Licht der Öffentlichkeit. Wie beurteilen Sie diesen Weg ins Legale?

Natürlich soll die Subkultur nicht vermainstreamt werden. Aber ich finde es gut, wenn die Leute sehen, wie - oft unter Zeitdruck - gearbeitet wird und wie öffentlicher Raum auch genutzt wird. Dass jemand auf seine Art und Weise versucht Messages zu verbreiten und den öffentlichen Raum für sich zu beanspruchen.

Was muss ein Künstler, den Sie begleiten, erfüllen?

Ich selbst differenziere da sehr stark. Der Gedanke drumherum, muss für mich Substanz haben. Es reicht mir nicht, dass jemand nur durch die Stadt läuft und jede Wand antaggt. Das ist natürlich ein wichtiger Teil des Graffiti und letztlich auch der Ursprung von Graffiti so wie wir es heute kennen, aber es ist nicht unbedingt der Teil, den ich am Spannendsten finde. Auch wenn mich einige der Tags immer wieder zum Schmunzeln bringen. Wie gesagt: Unter Zeitdruck fallen künstlerische Ausformungen dann zwangsläufig etwas geringer aus ...

Was ist dann faszinierend für Sie?

Wie mit Raum umgegangen wird. Ob es mit Dispersionsfarbe gemalt, plakatiert oder gesprüht ist, ist mir egal. Für mich müssen der Kontext und die Umgebung passen. Wirklich spannend finde ich es, wenn Künstler mit dem Raum, in dem sie sich bewegen, arbeiten. Das heißt, wenn sie den Rahmen, in dem sie arbeiten irgendwie in den Kontext zu ihrem Werk stellen und ihn nicht einfach nur als Wand nehmen.

So wie in den Filmen "untitled_in_case". Was charakterisiert Ihre Serie noch?

Für mich sind es Momentaufnahmen des urbanen und suburbanen Raums. Es geht um die Architektur, eine vom nächtlichen städtischen Raum ausgehende Mystik, Landschaft und wie der Mensch sie verändert. Dass ich Aktionen dokumentiere, die derjenige, der im 5. Stock fernschaut erst am nächsten Tag bemerkt. Es ist ein Einblick in eine Parallelwelt.

Also die Welt, die viele nicht selbst beobachten?

Genau. Es ist ein Einblick in eine Welt, die zumindest im Hinblick auf die Entstehung der Bilder nur wenigen zugänglich ist. Außerdem geht es mir immer um etwas Mystisches. Das versuche ich unter anderem mit dem Sound zu den einzelnen Filmen zu unterstützen. Deshalb kann man meine Filme eigentlich nicht mit einem Mal anschauen erfassen. Es sind einfach zu viele Eindrücke, die an einem vorbeirasen, wenn eine Nacht auf drei Minuten komprimiert ist.

Das heißt, wie oft sollten sich die Besucher Ihre Filme anschauen?

Unendlich oft (lacht). Sogar ich entdecke jedes Mal etwas Neues darin.

Impressionen der filmischen Werke bekommen Sie in unserer Bildergalerie.

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