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illustration: David Ho; www.davidho.com Körperwelten: Neue Lebewesen entstehen

 

Visuelle Kreativität: Visuelle  Faszination

Die Hand hat ein Gesicht, und die Frau wurde von einer Glühbirne erschlagen - klingt verrückt, ist aber das Ergebnis kreativer Höchstleistung. Das Buch "Visuelle Kreativität" hilft, alle Sinne neu zu schulen. Kreativ sein heißt nun, mit den Ohren zu sehen und mit den Händen zu hören. MAX zeigt zahlreiche Beispiele

Der Ansatz des Buches klingt, als sei er aus Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" entnommen, in dem es heißt: "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar". Doch Mario Pricken, Autor von "Visuelle Kreativität" schreibt: "Öffne die Augen, um zu träumen, und schließe sie, um zu sehen." Und ähnlich wie Saint-Exupérys kleiner Prinz erklärt auch Pricken seinen Satz nicht nur mit Worten, sondern anhand von Bildern. Mit neuen Denkweisen und Methoden sollen es Kreative schaffen, noch nie gesehene Bildwelten zu gestalten.

Die Kreativität steckt aber nicht nur im Inhalt - sondern ist bereits von außen am Design zu erkennen: Der Leser kann physisch mitten in das Buch hineingreifen, denn, so die Designerin, "es ist ein Handbuch für den praktischen Einsatz". Und habe dann seine volle Wirkung erzielt, wenn der Band abgegriffen wirke, und der Besitzer regelmäßig danach suchen müsse, weil es sich wieder ein Kollege ausgeliehen hat.

Zunächst bietet Prickens Werk einen neuen Blick auf die Realität und spielt mit den Blickwinkeln. Dann wird der Grundstoff der Bilder hinterfragt: Woraus entstehen Bilder? Beispiele zeigen, dass immer neue Materialien zur Verfügung stehen: Legosteine statt Pixel, Mäusenasen statt Rasterpunkte und Telefonkabel oder Rauch statt Linien. Eine andere Variante ist das Spiel mit den Ebenen. Hier sind die Materialien vertraut, doch werden Dinge oder Personen so miteinander verbunden, dass ein drittes Bild entsteht. (Beispiel Levi's oder Perrier)

Der nächste Schritt erweitert die Realität und fügt Illustrationen und Animationen hinzu. So sitzt in der inszenierte Realität eine von Picasso gemalte Dame auf einer Wohnzimmercouch. Oder hippe Mädchen mit Riesenköpfen bewegen sich in der realen Welt. Wird ein Mensch von einer überdimensionalen Glühbirne erschlagen, nennt Pricken dies manipulierte Realität . Der Röntgenblick durch die Tasse auf den Teebeutel und vom Sturm gebeugte Hochhäuser sind Beispiele für die Bildwelten ohne Grenzen. Die Devise heißt: Alles, was technisch möglich ist, kommt auch zur Anwendung. So wird für die Werbung einer Spiele-Konsole ein Menschenkopf zur Rührschüssel. Und eine Umweltorganisation lässt ein vollkommen veröltes Baby auf dem Wohnzimmerteppich krabbeln. Am Ende des Buches raucht der Kopf, Bilder und Eindrücke schwirren vor den Augen und es ist bewiesen: Der Kreative sieht nicht mit den Augen, sondern mit der Seele

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