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Virale Werbung: Dich  steck  ich  an!

Jeder Kunde will sie, jeder User kennt sie, doch wie kommen die Virals ins Netz? Wo startet eine Werbe-Epidemie? Wer verdient daran? Sind Virals wirklich ein Wundermittel? Stirbt der Werbespot im Fernsehen?

Von Peter Heinlein

Schon gegen Grippe geimpft? Klar, wer will sich schon gern anstecken lassen mit so einem Virus? Und dann womöglich selbst zur Bazillenschleuder werden? Nur im Internet sehen wir damit kein Problem. Da helfen wir gern aktiv mit, eine Epidemie zu verbreiten. Sehr zur Freude von Werbern und ihren Kunden.

Denn hier geht es nicht um Computerviren. Denen rücken wir mit Schutz-Software zu Leibe. Hier aber geht es um Virals, um Filmchen, Clips und Botschaften, die sich virenartig um den ganzen Globus verbreiten. Sie sind die heute angesagteste Form der Werbung. TV-Spots erreichen immer weniger Konsumenten, da die Fernsehnutzung in der Primetime zurückgeht und Werbeblöcke gern übersprungen und ausgeblendet werden.

Woher kommen die Virals?

"Macht mal was Virales", fordern Kunden immer öfter von ihren Agenturen. So wie es der im Netz kursierende Clip "Todesstern Stuttgart" von Filmemacher Dominik Kuhn (YouTube-Name Viralman) darstellt, der eine Szene aus "Krieg der Sterne" mit schwäbischem Dialog unterlegt. Man könnte glauben, die Vorstandsetage von Mercedes unterhalte sich über virale Werbung. Zwar spielt die wirkliche Werbemusik noch immer bei den klassischen Mitteln wie Anzeige, Plakat und TV-Spot, aber auf die virusartige Verbreitung ihrer Botschaften, auf Virals, mag kaum einer verzichten. Und woher kommen diese Virals?

Die Tatorte

Aus Leipzig zum Beispiel. Dort sitzt Thomas Lange. Dass der 29-Jährige als Projektmanager für eine Firma arbeitet, die Webgames und Online-Werbemittel entwickelt, hat mit seinem Job als Einschleuser von Virals nichts zu tun. Das macht er privat und finanziert damit sein Hobby. Lange betreibt seit sieben Jahren das Funportal Chilloutzone.de. Pro Tag besuchen gut 10 000 User seine Site, um sich über die jeweils vier bis fünf neuen Clips zu amüsieren, die er vorstellt. Was gefällt, wird weiterempfohlen oder -gemailt - und weiter und weiter und weiter. Um im Geschäft zu bleiben und als erste Adresse anerkannt zu werden, braucht Lange jeden Tag frische Ware. Also nichts, was schon bei YouTube, Clipfish oder MyVideo gelaufen ist.

Genauso geht es Michael Hentschel aus Hamburg. Er ist kaufmännischer Angestellter. Der 30-jährige Familienvater betreibt sein Hobby seit vier Jahren. Cartoonland.de heißt es, versorgt täglich bis zu 20 000 User mit Witzigem aus aller Welt, neben Clips auch mit Fotos und Cartoons, und das kostet Hentschel jeden Tag gut eine Stunde Web-Suche und -Pflege.

Matthias Hester aus Brilon im Hochsauerland hat aus seinem Hobby sogar einen Fulltime-Job gemacht. Arbeitslos geworden, startete der 26-jährige Einzelhandelskaufmann vor drei Jahren aus Spaß und Langeweile das Portal Brainblog.to. Bei ihm gibt es außer Lustigem auch Liederliches, und das vermarktet er bei 50 000 täglichen Besuchern zum eigenen finanziellen Vorteil.

Auf das Seeding folgt das Tracking

Lange, Hentschel und Hester sind "Partner" von Martin Dräger und seiner Firma Dialog Solutions (DSG) in Hamburg. Dräger liefert frisches Material und bezahlt auch noch dafür, dass es verbreitet wird. "Seeding" heißt diese Dienstleistung, die Dräger und sein Team für Werbe- und Mediaagenturen sowie deren Kunden übernehmen.

"Seeding" bedeutet Samen setzen, und damit diese Saat aufgeht, analysiert Dräger vorher genau den Boden, in den gesät werden soll. Zielgruppen werden definiert, und dann müssen entsprechende Portale und Treffpunkte für die jeweiligen Communities im Netz geortet werden. Mit dem anschließenden "Tracking" kann dann verfolgt werden, wie oft Nachrichten weitergeleitet oder Filme angeklickt oder runtergeladen wurden.

Die Einschleuser viraler Werbung

  • www.chilloutzone.de
  • www.cartoonland.de
  • www.brainblog.to


    Den kompletten Artikel finden Sie in Ausgabe 11/07 der MAX.

  • PASSENDES IM NETZ
    Leser-Kommentare (2)
    Der Flashadhasser (01.12.07 - 14:39)
    Lachhaft!!!

    Hallo! Ich mein nurso: Die USER sind diejenigen die Seiten erfolgreich machen. Mit Brainblog geht es beispielsweise immer mehr bergab! Die User wenden sich WEGEN dieser Werbung ab. Für mich ist diese übertriebene Flashwerbung nur ein weiteres Armutszeugnis! Klar, das Arbeitslose sowas brauchen! Ich setz auch GoogleAds: Die nerven meine User wenigstens nicht! Weiter so Brainblog, Shutdown!

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