Pfefferspray-Cop: Ikone des Protests
Eigentlich müsste man John Pike - den Künstler - fragen, wie er sich fühlt, wenn er neuerdings nach seinem Namen googlet. Noch verweisen erste Treffer auf seine Homepage, alle übrigen Ergebnisse aber auf eine absurd gut dokumentierte Form der Polizeigewalt.
Von Hakan Tanriverdi
Denn sein Namensvetter John Pike, ein Polizist, ist der "Pfefferspray-Cop". Jener Polizist entdeckte im November 2011 das Pfefferspray als legitimes Konversationsmittel für sich und nebelte methodisch eine Reihe friedlich demonstrierender Studenten der Universität UC Davis damit ein. Doch Pike hat eines übersehen - und das gleich dutzendfach: die Handykameras der übrigen Demonstranten, die nicht im Bereich seiner Distanzwaffe standen. Und wer jetzt nach John Pike sucht (oder nach "UC Davis"), landet immer wieder auf Videos wie diesem.
Pfefferspray für alle
Und so gibt es zwei Geschichten zu erzählen. Erstens die der normalen medialen Aufregung über Polizeigewalt, die als illegitime Grenzüberschreitung neuerdings gehäuft im Alltag auftritt, gefolgt von Rechtfertigungen der Beteiligten, weiteren Vorwürfen und Untersuchungen. Und zweitens ist da eine subtilere Form der Rache: Humor. Denn direkt im Anschluss an das Auftauchen des Videos haben sich unzählige Menschen daran gemacht, John Pike ins Internet zu hieven - als Meme. Und so sieht man ihn in Fotomontagen sein Pfefferspray gegen alles Mögliche einsetzen: Gegen Gandhi, gegen Materazzi, gegen Bob Ross, gegen Gott und gegen John Lennon sowie gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten.
Festhalten lässt sich folgendes: Kurzfristig hat John Pike möglicherweise gewonnen. Vielleicht wird er disziplinarische Maßnahmen erleiden, doch das öffentliche Interesse an der Geschichte wird nachlassen. Auf lange Sicht hingegen bleibt die Geschichte an John Pike hängen. Er ist zu einer Kunstfigur des Protests geworden und findet über die zahllosen Fotomontagen Eingang ins kulturelle Gedächtnis - unabhängig davon, welchen Platz die Proteste in der Zeitgeschichte einnehmen werden. Die Suchmaschinen werden die Kunstfigur John Pike noch eine ganze Weile ausspucken. Vielleicht ruft das ja den anderen John Pike, den Künstler, auf den Plan.
Ein Rückblick auf den Vorfall und eine Galerie der Cop-Collagen finden Sie in unserer Bildergalerie.
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.





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