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Musik Online: "Keiner  will  die  Künstler  arm  machen"

Musik im Internet - fast alle Songs sind online. Der Markt ist heiß umkämpft, erst kürzlich machte Grooveshark zu. Wie können da neue Anbieter bestehen? Wir fragen bei RDIO nach, die gerade auf den deutschen Markt drängen.

Von Hakan Tanriverdi

Das neue Geschäftsmodell heißt Musik-Flatrates. Das bedeutet, die Kunden zahlen nicht mehr dafür, dass sie einen bestimmten Song kaufen, sondern sie zahlen einen Pauschalbetrag und dürfen im Gegenzug eine unbegrenzte Anzahl an Songs hören. Mehr und mehr Anbieter drängen auf einen heißt umkämpften Markt. Einer davon ist RDIO.com, die nun auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen wollen. Hinter RDIO stecken die Gründer von Skype, die hoffen, mit ihren Erfahrungen in Sachen Internet-Community einen entscheidenden Vorteil zu haben. Wir haben uns mit dem Vize-Präsidenten für strategische Partnerschaften, Scott Bagby getroffen, um über die Zukunft des Musikhörens zu diskutieren.

MAX Oline: Wie viele Songs gibt es auf RDIO?

Scott Bagby: Circa zwölf Millionen.

Wer soll sich das alles anhören?

Das kann niemand, das ist auch nicht zu schaffen. Worum es uns bei RDIO geht, ist aber eher die Art und Weise zu verändern, wie wir Musik hören.

Beschreiben Sie diese Änderung bitte in einem Satz.

Man soll jederzeit und an jedem Ort seine gesamte Musiksammlung bei sich haben.

Nun gibt es ja bereits andere Dienste, die genau das versuchen. In Deutschland wäre so ein Anbieter zum Beispiel Simfy. Wie unterscheidet sich RDIO von der Konkurrenz?

Es ist offensichtlich, dass alle Anbieter in ihrer Ausrichtung ähnlich sind. Der Beyoncé-Song hört sich ja nicht unterschiedlich an. Das heißt, was uns unterscheidet, ist das Produkt RDIO an sich.

Wie meinen Sie das?

Zum einen ist das unser Team. Da wir bereits mit dem Internet-Telefonie-Dienst Skype ein erfolgreiches Unternehmen gegründet haben und uns deren Expertise auch zur Verfügung steht, sieht RDIO dementsprechend schick aus und funktioniert userfreundlich. Zum anderen ist es ja so, dass die einzige Möglichkeit, neue Musik zu entdecken, darin besteht, sich von seinem Computer ähnliche Songs empfehlen zu lassen. Ein technisches Gerät erkennt also die Frequenzmuster und empfiehlt mir dann ausgehend davon neue Songs. Aber Musik sollte man nicht so entdecken.

Sondern?

Früher ist man zu einem Freund in die Wohnung gegangen und hat sich seine Plattensammlung angeschaut oder in Clubs mit fremden Menschen geredet und sich da neue Tipps geholt. Musik ist ein soziales Erlebnis. Gute Musik teilt man. Und zwar nicht mit einem Computer.

Und wie soll dieses soziale Erlebnis online funktionieren?

Wenn man 12 Millionen Songs hat, muss man natürlich irgendwo anfangen. Am besten bei den eigenen Freunden, bei Leuten, deren Musikgeschmack man vertraut. Man meldet sich an und bekommt angezeigt, was die eigenen Freunde hören, was sie in ihrer Musiksammlung haben.

Aber die Freunde findet man ja, in dem man schaut, welche meiner Facebook- oder Twitterfreunde bei euch angemeldet sind

Richtig.

Ich bin mir sicher, dass viele meiner Facebookfreunde Schrott hören.

Ja, nur weil ich mit einem Mädchen in der Highschool war, heißt es noch lange nicht, dass ich ihren Musikgeschmack gut finde. Aber du hast die Möglichkeit, durch gesamte Kollektionen zu stöbern und gemeinsame Interessen zu finden und so neue Künstler zu entdecken. Bei uns sind auch Musikzeitschriften und Meinungsführer aktiv, auch deren Musiklisten kann man sich anschauen. Es gibt auch "Top-Hörer" und Playlisten. Wenn du zum Beispiel gerne "Deep House" hörst, findest du über die Suchfunktion direkt Leute mit gemeinsamen Interessen. Und direkt auf der Startseite steht auch, was gerade in deinem Netzwerk besonders oft gehört wird.

Wie haben Sie die GEMA dazu bekommen, mitzumachen? Andere Anbieter, die in Deutschland starten wollen, haben da größere Probleme. Erst jüngst ist Grooveshark ausgestiegen.

Die GEMA konnte sich mit unserem Geschäftsmodell anfreunden. Der GEMA geht es darum, dass alle Rechteinhaber angemessen entlohnt werden. Bei Youtube ist das, zumindest in den Augen der GEMA, momentan nicht der Fall. Und wir achten darauf, dass genau das passiert.

Warum sollte man als Label bei Ihrem Dienst mitmachen?

Naja, es ist nicht so, dass die Label einfach so mitmachen. Wir zahlen denen schon ordentliches Geld.

In den USA hat Ihr Konkurrent Spotify damit u kämpfen gehabt, dass 200 Label aus dem Vertrag ausgestiegen sind. Inwiefern nutzt man seine Position als Anbieter aus?

Ich würde gerne noch mal betonen, dass die Labels wirklich viel Geld bekommen. Um genau zu sein ist der Deal für sie lukrativer als für uns. Zum zweiten Teil: Die Musikindustrie hat den Trend verschlafen ja. Piraterie war und ist ein großes Problem, weil sich niemand die Songs kaufte. Aber die Leute wollen doch nicht, dass die Künstler arm werden. Ich bin mir sicher, dass die Leute zahlen werden, sobald das Produkt einfach zu bedienen ist. Und wir füllen diese Lücke.

In Deutschland kostet RDIO Geld, in den USA nicht.

Ja, beides komplett ohne Werbeanzeigen. Wir sind gerade in Gesprächen und hoffen, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. In den USA ist es so, dass die Nutzer jeweils einen Vorrat an Songs haben, den sie hören können. Ist dieser Vorrat aufgebraucht, müssen sie bis zum nächsten Monat warten.

Und wie genau verdienen Sie Geld, wenn das kostenlos wird?

Die Leute wollen ihre Songs überall dabei haben, nicht nur zu Hause auf dem PC, sondern auch, wenn sie unterwegs sind auf ihren Smartphones Dieser Zugang kostet dann Geld.

Aber ich kann dann immer noch nicht alle Songs hören. Es gibt zum Beispiel keinen Wu-Tang-Clan auf RDIO

Es gibt auch kein Metallica.

Ich finde sie allerdings in der Suchfunktion. Das ist irreführend.

Man findet sie, die Songst sind aber nicht erhältlich. Wir hoffen, dass sich auch das eines Tages ändert.

In den USA gibt es mit turntable.fm die Möglichkeit, dass man in "Räume" gehen kann, wo andere Menschen ihre Musik auflegen können? Was sind Ihre nächsten Schritte?

Also in nächster Zeit kommt auf jeden Fall noch viel. Die nächste große Änderung wird sich damit befassen, wie man noch einfacher gute Musik finden kann.

Wie soll das genau aussehen?

Das darf ich leider nicht sagen.

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