Handy-Kunst: Funkwerk
Mobile Art und User Generated Art - durch moderne Multimedia-Handys haben Künstler die Möglichkeit, den sonst passiven Betrachter ins Kunstwerk einzubinden. Oder ihn sogar zum Co-Künstler zu machen.
Von Sven Schulte-Rummel
Bisher war Kunst meist ein Monolog. Ob vor Gemälden, Fotos oder Installationen - der Betrachter war sprichwörtlich außen vor. Er hatte die Rolle des Zuschauers, lediglich ein Wechsel der Perspektive brachte Abwechslung. Doch nun entdecken Galeristen, Street Artists und Konzeptkünstler die Möglichkeit, über das Mobiltelefon direkt mit dem Kunst-Konsumenten zu kommunizieren und ihn einzubinden.
"Da zu unserer Alltagskommunikation das Mobiltelefon gehört wie zum Essen Messer und Gabel, entstehen zurzeit viele Projekte, bei denen durch das Handy der sonst passive Kunstkonsument zum Mitwirkenden wird. Und zu einem Teil des Kunstwerks", so Wolfgang Strauss von Netzspannung.org, einer Plattform für mediale Inszenierung, künstlerische Produktion und intermediale Forschung des Fraunhofer-Instituts IAIS.
User Generated Art als Videoclip
Moderne Mobiltelefone sind die ideale Schnittstelle zwischen Betrachter, Kunstwerk und Künstler: Die neueste Generation der Handys verfügt zum Beispiel über sehr gute Kameras, schnelle Datenverbindungen (UMTS), die Möglichkeit, Multimedia Messages (MMS) zu senden, die Funktechnologie Bluetooth oder sogar Handy-TV. Und alle diese Kommunikationswege nutzen Künstler für ihre Projekte. Das neueste Projekt des Medienwissenschaftlers Strauss ist eines der fortschrittlichsten Media-Art-Projekte zurzeit, denn bei "Deine-Story.de" arbeiten Künstler und normale Handy-Besitzer über Handy und Internet zusammen an einem Werk.
Bevor es losgeht, muss man sich auf der Web-Seite des Projekts mit seiner Handy-Nummer anmelden. Im zweiten Schritt bekommt man Textnachrichten mit jeweils einem Begriff geschickt, und zu diesem Wort knipst der Handy-Besitzer ein Foto, das er via MMS an eine zentrale Nummer sendet. "Das, was die Mitspieler zurückschicken, wird per Software in Bewegung gesetzt und im Rhythmus eines bestimmten Sounds geschnitten. Es entsteht ein Sound-Bild-Clip nach ganz neuen, eigenen Regeln", so Strauss.
Das Resultat: User Generated Art in Form eines Videoclips. "Wir experimentieren im mobilen Umfeld. Es ist ein interessantes Wahrnehmungsspiel, und als Künstler schaut man genau hin und fragt sich: Welche Reaktionen finden statt? Welche Assoziationen findet man in den eingesandten Bildern?" Denn alle angemeldeten Handy-Künstler erhalten per SMS dieselben Begriffe - die Ergebnisse sind jedoch höchst unterschiedlich und auf der Web-Seite zu sehen.
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