Facebook als Buch: "Gestern hatte ich drei Promille und wollte Sex"
Skurril, witzig - oder doch nur peinlich? Zwei junge Geschäftsmänner schließen sich zusammen und veröffentlichen ein Buch voll von außergewöhnlichen Facebook-Posts. Wir schauen uns das Ergebnis genauer an.
Von Julia Flüs
Wie viel ungefährlicher die Welt doch war ohne SMS, ohne Twitter, ohne Facebook. Früher haben wir vielleicht mal einen peinlichen Liebesbrief geschrieben - und mit ein bisschen Glück nicht sofort verschickt. Heute reichen schon wenige Tastenanschläge und die Katastrophe ist perfekt. Und dafür, dass die Schmach auch ja nicht im Verborgenen bleibt, sorgen Menschen wie Manuel Iber und Nenad Marjanovic. Die beiden 26-Jährigen haben sich vor einem Jahr - wie soll es anders sein - im Internet kennengelernt und die Seite webfail.at gegründet. Hier können schadenfrohe Facebook-Nutzer die zum Teil verhängnisvollen Statusmeldungen ihrer Freunde einschicken. Der beste "Fail" des Tages geht online.
Geaddet, gepostet, Webfail!
Nenad Marjanovic & Manuel Iber
Erscheinungsdatum: 2011
Beschreibung: 208 Seiten, Broschur
Preis: 8,99 Euro
Verlag: riva
ISBN: 978-3-86883-202-0
Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es den Spaß jetzt auch in Buchform. Mit "geaddet, gepostet, Webfail" konzentrieren Iber und Marjanovic auf gut 200 Seiten die peinlichsten, dümmsten, tragischsten oder einfach nur komischsten Facebook-Posts. Beim Durchblättern bekommt man schnell das Gefühl, dass die gute alte analoge Welt den einen oder anderen vor seiner eigenen Dummheit beschützt hat.
Facebook über das Leben, die Liebe und andere Rätsel
Die Themen der Posts sind überschaubar: meist geht es um die Beziehung zwischen Mann und Frau - egal ob Liebe, Sex oder Vorurteile dem anderen Geschlecht gegenüber. Auch wenn der Leser ab und zu lachen muss und ab und zu Mitleid hat, ist das vorherrschende Gefühl: Fremdschämen.
Autor Nenad Marjanovic sieht das weniger kritisch. "Oft kennt man ja die Zusammenhänge gar nicht und eben dadurch entstehen diese witzigen Missverständnisse." Digitale Selbstentblößung? Nein. Aber was soll er auch anderes sagen? Schließlich lebt der studierte Informatiker von Missverständnissen wie denen in seinem Buch.
Nichts neues - aber das Konzept funktioniert.
Bereits vor einem Jahr erschien "Du hast mich auf dem Balkon vergessen" von Axel Lilienblum und Anna Koch - eine Sammlung von peinlichen SMS, die ihren Ursprung ebenfalls auf einer Homepage hat. Dass webfail.at dieser Idee sehr ähnlich ist, scheint die Besucher der Seite nicht weiter zu stören. Waren es anfangs noch 5.000 am Tag, klicken heute rund 600.000 auf die Sammlung der beiden jungen Männer. Über sechs Millionen Mal wurde die Seite seit ihrem Start vor rund einem Jahr aufgerufen.
Aber funktioniert das auch in Buchform? Nur bedingt. Sicher, zwischen dem peinlichen Einheitsbrei aus 477 Posts findet man auch wirklich lustiges. Das herauszufiltern verlangt aber ein gewisses Durchhaltevermögen - das Lesen wird mit der Zeit lästig. Das liegt sicher auch an der Gestaltung. Die Anonymisierung der Fotos und Namen mit dicken schwarzen Balken ist zwar rechtlich notwendig, grafisch aber nicht besonders schick. Alles in allem ist "geaddet, gepostet, Webfail" kein Buch, mit dem man es sich vor dem Kamin gemütlich macht. Dafür hat man nach gelegentlichem Durchblättern bei den Kollegen oder auf der nächsten Party immer eine witzige Anekdote parat.
Unsere fünf Lieblingsseiten aus dem Buch sehen Sie in unserer Webfail-Galerie.
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.





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