Assassin's Creed: Konzeptkunst zum Computerspiel
Ein Videospiel, das daddelt man in der Ecke beim Fernseher, das gehört doch nicht an die Wand! Die Ausstellung "Assassin's Creed Concept Art" belehrt uns eines Besseren.
Von Martin Haldenmair
Durch eine dunkle Wasserstraße Venedigs rudert eine Figur in langer Robe, über einen Bergpass rumpelt ein mittelalterlicher Panzer, in Florenz legen Arbeiter letzte Hand an der Kuppel des Domes an. Die Bilder, die in der Galerie Weltraum in München hängen, erinnern ein wenig an die Rennaissance: Satte Farben, zarte Lichter und leicht idealisierte menschliche Figuren und die Tiefe entsteht hauptsächlich über Schattierungen. Der Blick, den vielen Figuren in den Bildern in die Ferne schweifen lassen scheint mehr aus der Romantik zu stammen.
Digitaler Pinselstrich
Bilder von zehn unterschiedlichen Künstlern, zu einem Thema, hängen in dier Galerie. Die individuellen Stile sind erkennbar, ebenso wie von der Nähe sind die Pinselstriche. Doch die Bilder entstanden nicht an der Leinwand, sondern am Computer für den Computer. Es ist sogenannte "Concept Art" für ein Videospiel. Die Pinselstriche sind ebenfalls nur digital erzeugt. Zu sehen sind die Werke im Rahmen der "Assassin's Creed Kunstausstellung".
Bevor ein aufwendiges Videospiel programmiert und animiert wird, beginnen die Konzept-Künstler die Welt zu zeichnen: die Städte, die Häuser, die Gewölbe und natürlich auch die Figuren. Zwei Tage dauert es durchschnittlich, bis ein Bild fertig ist. Und es kann länger dauern, wenn das Team mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist. Die Hauptfigur für das Spiel "Assassin's Creed II" wurde zum Beispiel sechs Mal überarbeitet, bis alle der Meinung waren, nun endlich den Charakter des geheimnisvollen Meuchelmörders getroffen zu haben.
Vom Archiv an die Wand
Sind es einfach nur Konzeptionen, die in diesem Arbeitsschritt entstehen? Vorstufen vor der eigentlichen Arbeit der Animatoren? Oder ist es eigenständige Kunst, wie die Bezeichnung "Concept Art" nahelegt? Tatsächlich strahlen die Bilder etwas aus, rufen Emotionen wach, wirken wie Fenster in eine etwas traurige Welt voller schattenhafter Gestalten. Sie zeugen von der Mühe und der Hingabe, die die Künstler in die Entwicklung von etwas gesteckt haben, das man gern "nur ein Spiel nennt". So bietet die Ausstellung einen interessanten Einblick in einen wenig bekannten Aspekt der Spieleindustrie - Concept Art landet normalerweise einfach im Archiv. Für die Ausstellung aber wurden sie auf Leinwand ausgdruckt und auf einen Rahmen gespannt. Wie richtige Gemälde eben.
Lesen Sie im Interview mit dem Leiter des Concept-Art-Teams mehr darüber, wie ein Spiel entwickelt wird.
In unserer Bildergalerie können Sie gleich in die künstlerische Welt des Spiels einsteigen.
Mehr zur Ausstellung erfahren Sie in unserem Eventkalender.
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