The Clinic: Krank feiern
Ein Nachtclub ist ein besonderer Platz. Je ungewöhnlicher, desto besser. Die Architekten des niederländischen Büros Concrete hatten den Auftrag, den skurrilsten Club der Welt zu entwerfen. In Singapur entstand "The Clinic". Echt krass oder echt krank?
Von Dorothea Sundergeld
Clement Lee, malayischer Geschäftsmann, wollte auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Singapur einen Club eröffnen. Und zwar einen völlig verrückten. Er schickte eine E-Mail an das niederländische Architekturbüro Concrete, das bereits die legendären Supperclubs in Amsterdam eingerichtet hatte, und schrieb: "Erfindet ein einzigartiges Clubkonzept für Asien!"
Weil Lee ein großer Fan des britischen Künstlers Damien Hirst ist (und Hirst im schicken Notting Hill mal "The Pharmacy", ein Restaurant im Stil einer Apotheke, hatte), wurde man sich zwischen Singapur und Amsterdam schnell einig: Das Clubdesign sollte rund um das Thema Krankenhaus gestaltet werden.
"The Clinic" besteht aus 13 Räumen, die unterschiedlichen Krankheiten, Krankheitsstadien und Medikamenten gewidmet sind - und ist mehr ein Gesamtkunstwerk als ein Club. Im Restaurant "Aurum" sitzen Gäste in goldenen Rollstühlen an einem Operationstisch, finden Messer und Gabel wie Operationsinstrumente in einer Schublade vor sich und halten eine Speisekarte mit Röntgenbildern in den Händen.
Das 13-Gänge-Menü des preisgekrönten Starkochs Edward Voon ist im Stil der molekularen Küche von Ferran Adrià zubereitet. Bei Voon sieht ein Schinken-Käse-Omelett aus wie ein Cappuccino im Martiniglas, und "Nitro-Sangria" ist ein essbarer Aperitif. Wer danach noch nicht entgiften muss, geht an eine der Bars und genehmigt sich einen Cocktail, die hier "Sex on a drip" ("Sex am Tropf") oder Margarita Spray heißen. Je nach Stimmung kann man sich thematisch auf Koffein, Anthrax oder Sarin einstellen.
Zum Tanzen geht es auf die kapselförmigen Dancefloors von "Delirium/Insanity" oder "Morphine", wo auf LED-Bildschirmen an Decke und Wänden große rote Blutstropfen auf den Boden fallen. Chillen kann man auf der Terrasse, die mit Krankenhausbetten, silbernen Kissen und weißen Paravents möbliert ist. Nur für Damen ist ein ganz in Rot gehaltener Raum, dessen Decke voller Parabolspiegel hängt, die an rote Blutkörperchen erinnern. Und im oberen Stockwerk hängen - kleine Reminiszenz an die legendäre "Pharmacy" - zwölf Reproduktionen von Hirsts Bildern.







