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Great American Pin-Up: Pin-Ups  in  die  Pinakothek!

Charles Martignette und Louis Meisel treten mit ihrem Buch "The Great American Pin-Up" den Kampf für Pin-Ups als Kunstform an. Ob ihnen das gelungen ist?

Von Susanne Dickel

Pin-Up-Bilder in Buchform? Das verfehlt doch komplett den Sinn, die muss man an die Wand hängen und nicht in ein Regal stellen! Charles Martignette und Louis Meisel, die Autoren des Buches "The Great American Pin-Up" sehen das eigentlich auch so. Allerdings gehören die Bilder ihrer Meinung nach nicht an Spindtüren von Soldaten, sondern an die Wände von Galerien.

The Great American Pin-Up

Charles Martignette und Louis Meisel

Erscheinungsdatum: Januar 2012

Beschreibung: Format: 25 x 32 cm, 32,1 x 24,5 x 3,3 cm, 280 Seiten. Text in Deutsch, Englisch und Französisch

Preis: 14,99 Euro

Verlag: Taschen

ISBN: 978-3-8327-9586-3


Das Pin-Up als wahre Kunst

Sie finden nämlich, dass Pin-Ups eine Kunstform sind und gebührend gewürdigt werden sollten. Entsprechend beginnen sie das dreisprachige Buch (deutsch, englisch, französisch) mit einem Plädoyer für die Schöpfer dieser Werke. Die werden oft nur Illustratoren genannt, dabei hätten sie doch eigentlich den Titel Künstler verdient. Mehr noch: Die Besten unter ihnen, wie zum Beispiel Gil Elvgren, feiern die Autoren als innovative Genies - was aber die moderne Kunstszene nicht beachte. Über die ziehen Martignette und Meisel ausgiebig her: Den meisten Kunstwerken der letzten 20 Jahre fehle "jeglicher Respekt vor den Grundlagen, den Fertigkeiten und dem fundierten Sachverstand". Außerdem würden sie nicht wirklich auf intellektueller Ebene provozieren: "Nein, es geht darum, noch widerlicher, noch schockierender, noch zerstörerischer zu sein als der Künstler, der drei Monate vorher ‚in‘ war."

Um die Würdigung der Pin-Ups voranzutreiben, haben sie dutzende von Bildern gesammelt und Informationen über die Schöpfer der Werke zusammengetragen. Was sich als schwierige Aufgabe herausstellte, denn da Pin-Ups eben (noch) nicht als Kunst gelten, ist das Wissen über sie rar. Jahr der Fertigstellung, verwendete Materialien, Name der Modelle... - all das bleibt in vielen Fällen unbekannt. Nicht wenige Bilder verschwanden, weil die Verlage sie einfach wegwarfen, vermutlich in den nächsten Mülleimer. Andere wurden einfach übermalt, um sie mehrfach nutzen zu können.

Girls beliebt bei Männern - und bei Frauen

Trotzdem haben es Martignette und Meisel geschafft, die Geschichte der Pin-Ups auf elf Seiten auszubreiten: Sie erläutern die Entstehung der Bilder zur Illustration von Zeitschriften und Groschenromanen und den Beginn des Erfolges als Teil von Kalendern, die man einfach an die Wand pinnen konnte. Einerseits warten die Autoren mit Binsenweisheiten auf, beispielsweise dass Kriege Blütezeiten für die Pin-Ups bedeuteten. Andererseits halten sie auch überraschende Informationen parat: Pin-Up-Girls kamen nämlich nicht nur bei harten Männern gut an. Auch Frauen schätzten die selbstbewusst-kess dargestellten Models, besonders das Gibson-Girl von Charles Dana Gibson, und die wenigen Pin-Up-Men, distinguierte Gentlemen im Smoking. Die Chronik endet in den 1970er Jahren, als Fotografen die gemalten Pin-Ups verdrängten. An sie schließen sich 22 Künstlerportraits an, darunter auch Frauen wie Pearl Frush, Joyce Ballantyne und Zoë Mozert.

Überraschende Variation von Stilen und Ideen

Es zeigt sich, dass Pin-Up nicht gleich Pin-Up ist. Zwar lächelt auf jedem Bild eine Frau mit strahlend weißen Zähnen - gab es damals eigentlich schon Bleaching? - und überschlägt ihre langen Beine überaus elegant. Oder sie schaut naiv erschrocken bis überrascht den Betrachter an, während ein Windstoß unter ihren Rock fährt und ganz zufällig ihre Strapse freilegt. Doch die Art der Darstellung unterscheidet sich: Manchmal ist nur die Frau selbst zu sehen, andere Bilder erzählen eine kleine Geschichte. So bei Art Frahm, dessen Protagonistin gerade versucht, einen Reifen zu wechseln, als ein besagter Windstoß sie nötigt, den Rock - natürlich unzureichend - festzuhalten. Die meisten Frauen sind mehr oder weniger vollständig bekleidet. Gerade die Sparte der "Glamour-Girls" zeigt die Frauen in eleganten Abendkleidern. Aber einige Zeichnungen überlassen nur sehr wenig der Fantasie. Das berühmte Feigenblatt bildet manchmal nur eine Haarsträhne, die sich über die Brustwarze kringelt, oder der Rauchfaden einer Zigarette, der wenig realistische Haken über Brüste schlägt. Auch die Art der Malerei unterscheidet sich: Mal sind es nur wenige Striche, andere Künstler hingegen tragen die Farbe dick auf.

Können Martignette und Meisel ihre Mission mit diesem Buch erfüllen? Populäre Kunst hat es meistens schwer gegenüber l'art pour l'art, der Kunst zum Selbstzweck, die nicht gefallen will oder soll. Aber zumindest holt "The Great American Pin-Up" die Bilder aus der Schmuddelecke und zeigt ihre Vielfalt und ja, auch die künstlerischen Fähigkeiten der Schöpfer.

Eine Auswahl der Pin-Up-Kunstwerke sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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