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Iconic New York by Christopher Bliss, published by teNeues, www.teneues.com Iconic New York

 

Iconic New York: Lobhudelei  für  eine  Weltstadt

Der neue Bildband von Christopher Bliss, "Iconic New York", zeigt uns New York als schillernde Weltstadt. Das echte Leben enthält uns der Fotograf jedoch vor.

Von Philip Artelt

Udo Jürgens (oder neuerdings die Sportfreunde Stiller) darf sich freuen. Der Mann, der in skandalös eingängiger Melodie die Nachricht verpackt hat, er sei noch niemals in New York gewesen, hat mit Christopher Bliss‘ neuem Bildband die Gelegenheit, dieses Versäumnis aufzuholen. Dabei zeigt der Bildband auf den ersten Blick nicht viel Neues oder Spektakuläres. Bliss, ein gebürtiger New Yorker, zeigt die Stadt, wie wir sie von unzähligen Kalendern oder Postkarten kennen. Wolkenkratzer, belebte Parks, Wallstreet, Wolkenkratzer, belebte Parks, Brooklyn Bridge, Wolkenkratzer - keine Spur von Gotham City, vom düsteren Abgrund oder von den alternativen Vierteln, vom vielzitierten "Melting Pot" New York. Im Vorwort lobpreist denn auch der ehemalige New Yorker Bürgermeister Ed Koch die Stadt (wohlgemerkt, nicht die Fotos): Die Wolkenkratzer, die Wallstreet, die Parks und - man ahnt es - die Wolkenkratzer. Freilich lässt es sich der Bürgermeister auch nicht nehmen, die neuerdings nach ihm benannte Brücke zu erwähnen.

Pose im Helikopter

Überblättern wir die Lobhudelei auf die "elektrisierendste Stadt" der Welt auf Englisch, Deutsch, Spanisch und weiteren Sprachen, derer wir nicht mächtig sind, zeigen sich dann auch eher durchschnittliche Aufnahmen. Blassbraune Hochhäuser vor zart-weißem Himmel, zart-weiße Hochhäuser vor knallblauem Himmel, Luftaufnahmen der Halbinsel Manhattan (Bliss posiert nicht umsonst auf einer der letzten Seiten im Helikopter) und die obligatorische Nachtaufnahme der Brooklyn Bridge hauen den kosmopolitischen Bildbandbetrachter mit Fernflugerfahrung nicht unbedingt vom Hocker. Aber wir täten Christopher Bliss Unrecht, wenn wir seine Bilder allesamt als Postkartenmotive für die ewig Daheimgebliebenen abstempeln würden. Denn wo Bliss sich nicht mit Standardmotiven in blassen Farben abgibt, da macht er seine Arbeit richtig gut. Großformatige Schwarzweißfotos zeigen die Skyline von New York so, wie sie der Bauherr dereinst erdacht haben muss. Klare, geometrische Linien, die sich als scharfe Kontraste aus dem Grau des Wassers und des Himmels erheben. Das Woolworth Building, das sich mit seinen knapp 60 Stockwerken wie ein filigraner Elfenbeinturm vor den beschatteten Straßen erhebt. Enten, die als schwarze Flecken vor dem Grau der nebligen Skyline durch das Wasser im Central Park paddeln. Ein Mann, der zwischen den monumentalen Säulen des New York State Courthouse wandelt wie durch einen Vorhang, geschaffen durch Licht und Schatten.

Und plötzlich wird es bunt

Und plötzlich hat Bliss uns gefangen. Auf einmal leuchten selbst die Farbbilder mit der Schönheit einer Weltstadt. Die bunten Früchte in den Geschäften Chinatowns, die Neonreklame von "Katz‘s Frankfurters", das unscharfe Gesichtergewimmel eines geschäftigen Tages auf der 40. Straße - und immer wieder die krassen Kontraste der Schwarzweißfotos, Kontraste, die als Symbole für das New York der Gegensätze stehen, die Bliss uns in seinen Fotos vorenthält.Trotz dieses Versäumnisses wandeln wir am Ende mit ihm fröstelnd durch den verschneiten Central Park, riechen das Essen auf den Straßen in Chinatown und hören in der Ferne das Hupen der Taxis in der Rush Hour.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Bildband ausmacht und was er erreichen will: Er zieht uns hinein in ein New York unserer Träume, in eine von Hollywoodfilmen gespeiste Phantasiewelt und sagt uns gleichzeitig, dass genau dieses stereotype New York tatsächlich existiert. Zumindest wenn man durch das Fenster blickt, durch das Christopher Bliss uns blicken lässt.

"Iconic New York" ist bei teNeues erschienen und kostet 29,90 Euro.

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