Mega-Wege: Mega-Wege
Sie verbinden Menschen, Länder, ja sogar Kontinente und üben eine ganz besondere Faszination aus. Ein Ausflug in die Welt der Brücken-Rekorde.
Von Andrea Ege
Wer hat die Schönste? Wer hat die Längste? Die Jagd nach Rekorden grassiert auch unter den besten Brückenbauern der Welt. Doch Schönheit ist subjektiv. Also gilt für die meisten nach wie vor die Länge als das überragende Maß. Aber auch hier gibt es Differenzen. Für Bogenbrücken, Schrägseilbrücken, Hängebrücken oder solchen, die schweben, gelten immer andere technische Voraussetzungen, die eingehalten werden müssen. Je nach Bauweise variiert die mögliche Länge. Und selbst dann herrscht oft noch Ratlosigkeit. Die große Frage, über die sich viele streiten, lautet: Wo genau beginnt eine Brücke? Ein Standardverfahren zur Vermessung von Brücken gibt es nämlich nicht.
Nichtsdestotrotz gibt es die überaus beliebten Rekordlisten. Und diese wiederum führen (meistens) die Lake-Pontchartrain-Brücke als Rekordhalterin an. Auf rund 38 Kilometern (hinter dem Komma sind die Angaben unterschiedlich) zieht sie sich nördlich von New Orleans (Louisiana, USA) über den Pontchartrain-See. Gebaut ist sie aus zwei parallel verlaufenden, voneinander getrennten Fahrspuren. 9000 Betonpfeiler geben ihnen im schlickigen Seegrund Halt. Wie ein Lineal durchschneidet die Mega-Brücke das dunkle Wasser in der Satellitenansicht von Google Earth (siehe Bildergalerie).
Die chinesische Donghai Bridge gilt dagegen als die längste Brücke der Welt, die über eine Meeresoberfläche führt. 2005 wurde sie fertiggestellt. Sie misst 32,5 Kilometer und verbindet Shanghai mit dem Offshore-Hafen Yangshan. Ebenfalls in Shanghai steht die derzeit längste Bogenbrücke der Welt, die Lupu Bridge. In einem 550 Meter langen Schwung bahnt sie seit ihrer Eröffnung im Jahr 2003 den Weg über den Huangpu-Fluss.
Das Besondere an der Confederation Bridge in Kanada ist, dass sie über eine Wasseroberfläche verläuft, die gefriert. Eine technische Meisterleistung, bedenkt man, welche Kräfte auf die 12,9 Kilometer lange Brücke einwirken. Entsprechend teuer war ihr Bau: Eine Milliarde US-Dollar verschlangen die dreieinhalb Jahre Konstruktionszeit. Wo immer Brücken entstanden, florierte der Fortschritt, dienten sie doch dazu unmögliche Wege begehbar zu machen. Manche von ihnen entfalten sogar politische Wirkung. So wie die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam, auf der zahlreiche Spione ausgetauscht wurden. Oder die Bosporus-Brücke, die den europäischen und asiatischen Kontinent verbindet.
Andere wiederum dienen einfach nur als Bindeglied auf dem Weg von A nach B. Weltweit am dringendsten scheint so ein Weg im indischen Bundesstaat Westbengalen gebraucht zu werden. Denn dort steht die am meisten genutzte Brücke der Welt. Rund 150 000 Fahrzeuge, vier Millionen Menschen und unzählige Kühe passieren sie täglich. Nicht auszudenken, was wäre, sollte sie eines Tages nicht mehr existieren.
Lassen Sie sich in unserer Bildergalerie in die faszinierende Welt der Brücken entführen.
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