HomeCityguidePopkulturLifestyleShop
Kehrer Verlag Kachalka Muscle Beach

 

Kachalka Muscle Beach: Männer  und  Maschinen  -  Workout  ohne  Luxus

Nichts für Weicheier - in der Kachalka wird im Freien trainiert, an Geräten aus Schrott und mit großer Hingabe. Fotograf Kirill Golovchenko dokumentiert, wie die Sportler und die Maschinen eins werden.

Von Martin Haldenmair

Jeder Jugendliche wünscht sich einen perfekten Körper. Kirill Golovchenko in seiner Jugend stellte sich vor, Arnold Schwarzenegger zu sein, komplett mit aufstehendem Haar und improvisierte in seinem Keller ein kleines Trainingsprogramm. An diese Zeit fühlte er sich erinnert, als er 20 Jahre später die Kachalka für seine Fotokamera entdeckte. Dort trainieren Menschen wie zu Sowjetzeiten. Keine Flachbildschirme, keine Energy-Drinks, ja nicht einmal ein Dach. Bei Wind und Wetter spannen sie ihre Körper in Maschinen, die alle im Eigenbau aus Altmetall entstanden. Ein Fotoband sammelt die von 2010 bis 2012 entstandenen Bilder

Buch: Bildband

Kachalka Muscle Beach. The Pumping Iron Revolution

Kirill Golovchenko

Verlag: Kehrer

Erscheinungsdatum: Oktober 2012

Preis: 28,00 Euro

Beschreibung: 22,8 x 17,2 x 1,4 cm, 96 Seiten

ISBN: 978-3-8682-8359-4


Die Geräte des Mathematikers

Der Hydropark ist das Naherholungsgebiet der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Dort befindet sich die Kachalka (sprich: Katschalka), die auf einer Fläche von einem Hektar über 200 Stationen bietet, an denen Sportler ihren Körper trainieren können. Wenn sie sich an die Geräte trauen, denn die sind alle selbst entworfen und selbst zusammengeschweißt. In den 1970ern entstand die Kachalka (der Name kommt vom Russischen "Kachat", was "pumpen" bedeutet), als inoffizieller Treffpunkt zwischen zwei Badestränden. Studios für Bodybuilding gab es in der Sowjetunion offiziell nämlich nicht - dafür eine ganze Menge Schwarzenegger-Fans. Sie trafen sich, um unter freuem Himmel zu trainieren, egal bei welchem Wetter.

Der Mathemaikier Juri Kuk war ursprünglich mehr an Yoga interessiert, das allerdings bis heute nicht auf der Kachalka praktiziert wird. Er jedenfalls stellte dort Anfang der 70er seine selbstkonstruierten Geräte auf. Auch noch heute noch hat der 70-Jährige ein Auge auf das Gelände und ist dessen (inoffizieller) Leiter. Die meisten Geräte sind immer noch von ihm, doch haben sich ein paar Ingenieursstudenten gefunden, die eigene Entwürfe vorlegen und zusammenschweißen. Die Kachalka ist auch heute eine Gemeinschaftsarbeit. Alles läuft ehrenamtlich.

Unverwüstliche Sportler

Golovchenko konnte die Hingabe der Sportler zu ihrem Areal beobachten: In einem der Baucontainer am Rande des Areals wohnt beispielsweise Pjotr. Er kümmert sich um die Maschinen, gibt Trainingstipps und sammelt Spenden von den Besuchern ein. Die Kachalka, vermutet Golocvhenko, finanziert sich allerdings hauptsächlich über Unterstützungen von ehemaligen Stammkunden, die aus Altersgründen nicht mehr kommen, ihrem Trainingsplatz aber weiter helfen wollen. Wobei schon viel passieren muss, dass ein Kachalka-Sportler nicht mehr dort trainiert: Golovchenkos Fotos zeigen - wenig überraschend - viele junge Männer, doch auch einige vollkommen zeitlose und unverwüstliche Gestalten, aufrecht stehende Sehnenbündel, die unbeeindruckt die Maschinen bearbeiten. Darunter im Hintergrund auch einmal einen Mann der ersten Stunde: den polnischen Sportler Kasimir Jagelski, der auch mit 80 Jahren noch am Kachalka-Reck die Riesenfelge dreht.

Der Band "Kachalkla Muscle Beach" trägt den Untertitel "The Pumping Iron Revolution" in schöner Referenz auf Arnold Schwarzenegger, über dessen Bodybuilder-Karriere 1977 die Doku "Pumping Iron" erschien. Die Fotos des Bandes zeigen allerdings ganz normale Menschen aller Altersstufen, die sich ohne großes Gewese in die Körperertüchtigung stürzen. Einen "demokratischen Wald" nennt Golocvhenko die Kachalka daher auch, denn hier kann jeder egal aus welcher Bevölkerungsschicht und egal mit welcher Ausrüstung mitmachen. Das Buch baut einen Spannungsbogen auf, zweigt Sportler zum Beginn ihrer Übung, am Höhepunkt ihrer Triumphe und bei der (wohlverdienten) Erschöpfung am Ende. Ein spannender Band über einen einmaligen Ort, an dem - so sieht es Golovchenko - Menschen und Maschinen eins werden.

Mehr vom Workout sehen Sie in der Bildergalerie zum Bildband "Kachalka Muscle Beach. The Pumping Iron Revolution".

Weiterführender Link: Facebook-Seite zum Buch
Seite des Verlags zum Buch
PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN

Überschrift

Name


Ihr Kommentar 
AGB

Beitrag abschicken