Haeftling: Knast-Kreationen
Tüten kleben oder Schachfiguren schnitzen war gestern. Heute produzieren Gefängnisinsassen Mode - für die Marke "Haeftling".
Von Andreas Buchmann
Meterhohe Mauern, auf denen Stacheldraht liegt. Dahinter sitzen Verbrecher ihre Strafen ab. Einige davon dürfen auch arbeiten und sich etwas Geld dazu verdienen. Bis zu 15 Euro lässt sich pro Stunde im Knast einnehmen, geregelter Tagesablauf inklusive. Und Stephan Bohle hat dafür gesorgt, dass hinter den unüberwindbaren Mauern angesagter Lifestyle produziert wird.
Stefan Bohle gehört die Agentur "Herr Ledesi". Als er 2003 den Produktionsraum einer deutschen Justizvollzugsanstalt besuchte, kam ihm eine Idee: Menschen mit verborgenen Biografien sollten Produkte herstellen, die jeder öffentlich über das Internet bestellen konnte. Er gründete das Label "Haeftling", lässt die Gefängnisinsassen Jailwear herstellen und traf genau den Zeitgeist. Zunächst gab es nur eine Herren-Kollektion, mittlerweile bietet der Katalog auch Kleidung für Frauen sowie Taschen und Zubehör - vom Schlüsselanhänger in Handschellen-Optik bis zur Grillschürze.
Schlicht und ehrlich
Der Stil der Kleidung geht in Richtung Workwear der 20er- und 30er-Jahre mit schlichten, ehrlichen Formen und hohem Nutzwert. Immer wieder taucht das Handschellenmotiv auf. Inzwischen hat Haeftling einen Vor-Ort-Shop in der Rosa-Luxemburg-Straße in Berlin aufgemacht, ein weiterer in Hamburg soll folgen. Die Idee der Modeproduktion im Knast hat auch international für Begeisterung gesorgt - zum Beispiel in den Gefängnissen von Sydney, Johannesburg oder Los Angeles. Auch dort produzieren Verbrecher mittlerweile Kleidung.
Getreu dem eigenen Motto "Be good. Do good" beteiligt sich Haeftling an Charity-Aktionen. So geht laut Bohle etwa ein Teil der Erlöse von Kleidungsteilen, die aus technischen Gründen außerhalb der Knastmauern hergestellt werden, an Organisationen, die sich für Haftverbesserungen einsetzen. Und im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts sollen Inhaftierte durch den Verkauf von T-Shirts Geld bekommen, um ihre Angehörigen draußen zu unterstützen.
Was die Knast-Kollektionen für Männer und Frauen bieten, sehen Sie in unserer Bildergalerie.
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Leser-Kommentare (1)
cool
Teilweise nicht schlecht die Sachen, wenn man mal in den Shop reinschaut. Die Schnitte sehen aber auch teilweise wie "schonmal gesehen" aus....











