Guggenheim-Museum: Zehn-Kunst
Zu teuer, zu modern hieß es zuerst. Heute finden auch die Kritiker, dass das Guggenheim-Museum Bilbao bereichert. Vor zehn Jahren stellte Frank Gehry sein Bauwerk fertig.
Von Kerstin Kotlar
Einige Schritte aus dem Stadtzentrum. Da erheben sich die ineinander verschachtelten Formen silbern glänzend vor dem Meer. Gleich scheint das Guggenheim-Museum abzulegen oder loszuschweben: eine Mischung aus überirdischer Struktur und Konstruktion in Schiffsgestalt. Schließlich liegt es direkt am Hafen von Bilbao.
Vor zehn Jahren, am 19. Oktober 1997, wurde das moderne Gebäude eröffnet. Damals nicht unumstritten - auch wegen der Kosten von etwa 140 Millionen Euro. Heute sind sich fast alle einig: Es hat den Geist der baskischen Stadt verändert. In Spanien sprechen nicht nur die Kunstliebhaber vom "efecto Guggenheim". Die Hauptstadt des Baskenlandes ist mehr als die Heimat vieler ETA-Terroristen. Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst hauchte der Industriestadt neues kulturelles Leben ein. Gleichermaßen strahlte das innovative Museum auf die wirtschaftliche und architektonische Situation Bilbaos aus. Mehr als neun Millionen Besucher kamen in der kurzen Zeit, davon rund die Hälfte aus dem Ausland.
Plastische Architektur
Angezogen wurden die Gäste auch durch den ungewöhnlichen Bau aus Stein, Titan und Kristall, der in der Bewegung erstarrt zu sein scheint. Entworfen hat das Konstrukt der aus Kanada stammende US-Architekt Frank Gehry. Inzwischen gehört der Stararchitekt zu den begehrtesten Baumeistern weltweit. Er schuf außerdem das Vitra Design Museum in Weil am Rhein und die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Das Guggenheim-Museum in Bilbao war neben dem internationalen Flughafen Kansai in Japan das erste bedeutende Gebäude, das mit Hilfe von CAD (Computer Aided Design) am Rechner konstruiert wurde. So entstanden ganz neue Möglichkeiten, die fließenden Formen ineinander aufgehen zu lassen.
Beim Betreten der Eingangshalle bietet sich ein fabelhafter Blick in die verschiedenen Ebenen der Architektur. Das Licht scheint durch die wellenförmigen Fenster, gebogene Gänge locken in alle Richtungen. Davon ließ sich auch der Regisseur Woody Allen schon faszinieren. Diesen Sommer sollen auch Brad Pitt und Angelina Jolie im Guggenheim-Museum ihrem Kunstsinn gefrönt haben.
Mode und Motorräder
Den Kunstfans bietet sich eine breite Palette moderner und zeitgenössischer Werke: 42 permanente Sammlungen und immer wechselnde Präsentationen. Pop Art trifft "5000 Jahre China" und "Russland!". Mit Ausrufezeichen. Es gab große Retrospektiven von Robert Rauschenberg, Andy Warhol oder James Rosenquist. Erst kürzlich erweiterte sich Gehrys Bau draußen um die schrill bunten "Tulpen" aus rostfreiem Stahl und Chrom von Jeff Koons. Metallicgrün, kupferorange und knallpink bricht sich die Sonne Nordspaniens in spiegelnden, überdimensionalen Blütenköpfen und -stängeln.
Auch die Mode hielt Einzug in den Kultur-Tempel. Dem Designer Giorgio Armani wurde eine Werkschau gewidmet. Der Italiener schaffte es damit in die Top Ten der beliebtesten Ausstellungen. Knapp 530 000 Interessierte besuchten sie. Ganz an der Spitze lagen die Exponate rund um die Motorrad-Kunst: "El arte de la motocicleta" lockte 870 000 Besucher ins Guggenheim-Museum.
Momentan ist in den großzügigen Räumen des Museums die bisher größte Sammlung nordamerikanischer Kunst in Europa zu bestaunen. "Kunst in den USA: 300 Jahre Innovation" vereint 120 Künstler. Kreative von Roy Lichtenstein über William Nelson Copley bis hin zu Cy Twombly lassen in ihren 200 Exponaten die Veränderung der Neuen Welt vorüberziehen. Drei Jahrhunderte schufen eine unvergleichliche Vielfalt.
Die Ausstellung "Kunst in den USA: 300 Jahre Innovation" ist noch bis zum 27. April im Guggenheim-Museum zu sehen.
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