Arne Quinze: Quinze & Milan
Das beste Design kommt nicht immer aus London, Tokio oder Berlin, sondern immer öfter aus Kortrijk, einem Nest im belgischen Flandern. Hier produziert Arne Quinze schräge Kunststoffmöbel - und stattet damit weltweit Hotels, Clubs und Lounges aus
Hinter einer Garagentür in einem Industriegebiet des belgischen Städtchens Kortrijk steht eine verstaubte Maschine und spuckt Schaumgummiwürfel in Bonbonfarben aus. Nebenan hat Arne Quinze sein Atelier. Wobei Atelier eine sehr wohlwollende Bezeichnung ist für einen Kellerraum, in dem eine Handvoll internationaler Jungdesigner vor Bildschirmen sitzt, unter mit Glaswolle isolierten Heizungsrohren und Neonröhren, an denen DIN-A4-Zettel hängen, damit sie nicht so blenden.
Ein bisschen Pornostar
Vor fünf Jahren kannte niemand Arne Quinze. Heute gestaltet er die coolsten Räume der Welt. Seine schrillen Polyurethanschaum-Sitze stehen in der Lobby des superhippen Kopenhagener "Hotel Fox" und in Rem Koolhaas' gefeierter Public Library in Seattle. Quinze gestaltete alles vom Stundenhotel bis zu Luxusyachten. Quinze ist ein bisschen Punk, ein bisschen Prada und ein bisschen Pornostar.
Heute empfängt der 34-Jährige uns in einer stylischen Trainingshose, einem babyblauen Pullover und mit Ringen unter den Augen. Die haben ihre Berechtigung: Vergangene Woche war er in China, um die Produktion seiner ersten Kindermöbelkollektion einzutüten. Mittwoch musste er nach Mailand, um neue Projekte mit den Chefdesignern von Moroso zu besprechen. Freitag in Cannes das altehrwürdige "Hotel Martinez" will den Sprung ins 21. Jahrhundert wagen und hat Quinze gebeten, den hölzernen Steg mit seinen bunten Kunststoffliegen aufzupeppen.
Alle wollen Arne Quinze. Im Mai gestaltet er mit dem britischen Künstler Khashayar Naimanan eine Sonderausstellung auf der Frankfurter Design Annual. Thema: "Graffiti-Kunst im Stadtraum". Die Turnschuhfirma Onitsuka Tiger will im kommenden Jahr Sneakers, Armbanduhren und T-Shirts von Quinze auf den Markt bringen. Für das Burning Man Festival, das jährliche Freak-Treffen in der Wüste von Nevada, hat Quinze eine gigantische begehbare Sperrholzskulptur entworfen. Mit 25 Leuten und diversen Lastwagen wird er im Sommer dort campieren, 150 Kilometer Holzlatten zusammentackern, die am Ende der verrückten Tage abgebrannt werden.
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