Unterwasserhockey: Atemlos im Piranhabecken
Hockey auf Rasen oder auf Eis, das ist anstrengend. Wie fühlt es sich erst an, Hockey am Boden eines zwei Meter tiefen Schwimmbeckens zu spielen, ohne Sauerstoff im Kampf um den Puck? MAX-Autor Johannes hat es ausprobiert.
Von Johannes Knuth
Meine Nase ist verstopft wie bei einer kolossalen Erkältung, zugeschnürt von der Tauchermaske. Ich will meine Füße bewegen, doch die sind umschlossen von zwei langen Schwimmflossen, als würde ich zwei Eisklötze tragen. Mein Puls hämmert gegen mein Trommelfell wie bei einem Paukensolo. Dabei habe ich mich gerade einmal in meine Ausrüstung gezwängt. Wie soll das erst im Wasser werden? Unter Wasser?
"Hey, auf geht's, Einschwimmen, ihr seid viel zu spät dran", brüllt ein Trainer. Während ich unnötig lange an meiner Taucherbrille herumspiele, schlurft die Münchner Unterwasserhockey-Mannschaft Richtung Becken. Viele spielen seit Jahren dabei. Manche waren vorher Taucher, andere Leistungs- oder Rettungsschwimmer, habe ich auf der Internetseite des Vereins gelesen. Auf den Badekappen einiger Spieler prangt eine Deutschland-Fahne. Ich habe Sport studiert, war Zehnkämpfer, spiele Baseball. Aber Schwimmen und Tauchen habe ich nie so richtig gemocht. Mit acht Jahren wäre ich im Familienurlab beinahe in der Nordsee ersoffen. Wie bin ich eigentlich auf die blödsinnige Idee gekommen, Unterwasserhockey auszuprobieren?
Dampflock mit Flossen
Während sich die Könner einschwimmen, steuer ich die Anfänger-Gruppe an. Dort warten Franck Brunie, unser Trainer, und eine Handvoll Erasmus-Studenten. Während Franck eine Vorübung auf Englisch erklärt, rudere ich mit meinen Flossen auf der Stelle und versuche, nicht unterzugehen. "OK, you start and we watch", sagt Franck. Er blickt in meine Richtung. Ich lege mich aufs Wasser und schaue auf den Beckenboden. Mein Atem rasselt im Schnorchel, ich schnaufe wie eine Dampflock. Zwei Atemzüge, ich halte die Luft an...
Als ich nach zwei Metern am Boden ankomme, fühle ich mich, als würde jemand mit aller Kraft seinen Finger auf mein Trommelfell drücken. Ich versuche, wie ein Unterwasserhockey-Spieler zu manövrieren: Bauchnabel am Boden, Kopf und Füße leicht über dem Boden. Stattdessen ramme ich meine Stirn fast in den Boden, während der Rest meines Körpers im Wasser treibt. Nach zwei Sekunden wird mir schwindelig, ich schieße nach oben und puste das Wasser aus dem Schnorchel.
"Let's play!"
Beim zweiten Mal schmerzt mein Trommelfell nicht mehr ganz so stark. Ich schaffe es sogar, den 1,5 Kilo schweren Puck mit dem Hockeyschläger, ein dünner Holzknüppel so lang wie ein Küchenmesser, am Boden vor mir herzutreiben, auch wenn der schwere Puck in jeder Rille des Beckens hängenbleibt. "Not bad for a beginner", ruft Franck. Er zieht ein großes Stück Metall durchs Wasser und versenkt es am Beckenrand. Das Metall ist angewinkelt wie eine Rampe, an deren Ende eine Rille eingeebnet ist. Wer den Puck dort im Spiel hineintreibt, hat ein Tor erzielt. "Let's play", ruft Franck.
Bevor es beim Unterwasserhockey zur Sache geht, reihen sich die Mannschaften an jeder Beckenseite auf und starren sich an. Sechs gegen sechs, oder in unserem Fall: drei gegen drei. In der Mitte des Beckens liegt der Puck. Ich bin in einem Team mit Max und Christoph und fühle mich wie ein Krieger vor einer monumentalen Schlacht. Max ist etwas jünger als ich, hat schon ein paar Mal beim Training vorbeigeschaut. Christoph schätze ich auf 50, er heckt den Schlachtplan aus "Willst du in den Sturm?", fragt er mich. Ich hege starke Zweifel an seinem Schachzug, wage es aber nicht, zu widersprechen. "3, 2, 1,...", schallt es von anderen Seite.
Wie es unserem Autor bei seiner ersten Partie Unterwasserhockey ergeht, lesen Sie im zweiten Teil des Selbstversuchs.
Einen visuellen Einblick in das Training unserer Autors sehen Sie in unserer Bildergalerie.
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