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Versteckspieler: Bittere  Pille

Im Profifußball gibt es keine schwulen Spieler - zumindest offiziell. Auch Jugendnationalspieler Marcus Urban musste sich jahrelang verstecken. Jetzt packt er aus.

Von Andreas Buchmann

Kinder- und Jugendsportschule Erfurt, DDR, Mitte der 80er-Jahre. Ein Junge liegt auf seinem Bett und träumt von Pele und Maradona, seinen großen Idolen. So gut wie die beiden Weltstars des Fußballs will er mindestens werden. Mit diesen Ansprüchen steigt der Druck. Doch da ist noch etwas anderes. Etwas, das der Junge nicht erfassen kann. Heute ist Marcus Urban 36 Jahre alt und weiß, was ihn damals so sehr beschäftigt hat: Er ist schwul.

Fieses Stamm-Vokabular

Homosexualität und Profifußball gelten nach wie vor als unvereinbare Gegensätze. Hier das Spiel für "echte Männer", auf dessen Akteure ganz Deutschland schaut. Dort die Spieler, die bei einem Outing mit unabsehbaren Konsequenzen leben müssten. Bezeichnungen wie "Schwuchtel" oder "schwule Sau" gehören oft schon in den frühen Jugendmannschaften zum Stamm-Vokabular im Mannschaftskreis und auf der Fantribüne, um den Gegner zu provozieren und Dampf abzulassen.

Wissenschaftler nehmen an, dass es in der Fußball-Bundesliga etwa fünf bis zehn Prozent homosexuelle Spieler gibt. Bis heute hat sich kein aktiver Akteur zu seinen Neigungen bekannt. Zu bedrohlich wirkt das anschließende Spießrutenlaufen. Aktuelle Äußerungen von Trainern und Mitspielern tragen nicht gerade zur Ermutigung bei. So brachte Coach Christoph Daum vor einigen Monaten zum Beispiel in einer TV-Dokumentation Homosexuelle in Verbindung mit Kinderschändern.

Schwieriges Outing

Marcus Urban hat sich geoutet. Der Weg dorthin war jedoch sehr schwer. Während seiner Jugend in der DDR hielt er sich für einen Einzelfall, der schlicht krank oder verrückt war. Er verdrängte alles rund um seine Sexualität und bezahlte es mit Angstattacken, Gewaltgelüsten und Panikschüben. Erst viel später schaffte er Schritt für Schritt, seine eigenen Neigungen aufzuarbeiten und dazu zu stehen. Auch heute noch besucht er eine Psycho-Therapie und arbeitet langsam sein Leben auf.

Das Buch "Versteckspieler" von Journalist Ronny Blaschke gibt spannende Aufschlüsse über den Männlichkeitswahn einer Massensportart und die große Ignoranz eines Millionengeschäfts. Es zeigt den Fußball von einer unbequemen Seite, die im Alltag gerne ausgeblendet wird. Unbedingt lesenswert!

Bildergalerie

Versteckspieler

Von Ronny Blaschke

Verlag: Die Werkstatt
Erscheinungsdatum: 2008

Weitere Infos:
ISBN 978-3-89533-611-9,
144 Seiten, Paperback

Preis: 9,90 Euro


PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare (1)
Daniel (30.10.08 - 13:11)
Natürlich

Das war doch klar, nur hats bisher kaum einer getraut auszusprechen. Was heute in unserer Gesellschaft fast zur Normalität gehört, gehört beim Fussball noch lange nicht dazu. Werd mir das Buch auf jeden Fall kaufen.

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