HomeCityguidePopkulturLifestyleShop
dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH 'Baron Münchhausen'

 

TV-News: «Baron  Münchhausen»  in  der  ARD

Hamburg (dpa) - Jan Josef Liefers packt sich in den Nacken, ergreift seinen Zopf und zieht sich samt Ross aus dem alles verschlingenden Treibsand heraus. Lebensrettung auf Münchhausen-Art. Und TV-Produzent Jochen Laube kommentiert mit Erleichterung: «Das war der entschieden schwierigste Trick unseres gesamten Projekts. Der Ritt auf der Kanonenkugel war dagegen ziemlich einfach.»

Laube gehörte zu dem Produzentenkreis, an den vor einigen Jahren die ARD-Bitte ergangen war, sich mal den Kopf über einen möglichen Münchhausen-Film den Kopf zu zerbrechen und Vorschläge fürs Konzept einzureichen. Laube gewann den Wettbewerb. Das Ergebnis ist an den Weihnachtsnachmittagen des 25. und 26. Dezember jeweils um 17.45 Uhr in der ARD zu besichtigen als Zweiteiler «Baron Münchhausen» - bunt verpackt, üppig garniert und 4,7 Millionen teuer.

Andreas Linke inszenierte das Stück, Marc O. Seng schrieb das Buch. Und die ARD hofft, dass sich Vertreter aller Generationen vor dem Bildschirm versammeln, «um in eine andere Welt abzutauchen und zugleich auf schöne Weise zu sich selbst zu finden», wie die zuständige Redakteurin Margret Schepers vom Südwestrundfunk meint.

Wenigstens der älteren Generation dürfte dabei nicht ganz die Erinnerung an den klassischen «Münchhausen»-Film von 1942 entschwunden sein, mit Hans Albers in seiner größten und besten Rolle. Hier ist Jan Josef Liefers der Schwärmer und Schwätzer, der in seinen märchenhaft ausgeweiteten Erzählungen Traum von Wirklichkeit, Lüge und Wahrheit nicht zu unterscheiden weiß. Ein sehr anderer Typ als Albers, nicht so sieghaft sonnig, eher verschmitzt, ein bisschen schmierig. Aber gar so weit sieht Margret Schepers die beiden nicht auseinander: «In Charme und Sexappeal können sie es sehr wohl miteinander aufnehmen.» Und beides brauchen sie auch, sollen sie doch Russlands große männermordende Zarin Katharina betören.

Das war 1942 Brigitte Horney gewesen. Hier ist es Katja Riemann, eines der vielen Glanzlichter in der üppig funkelnden Besetzungsliste. Ein besonders Glanzlicht: das Zwillingspärchen Helen und Isabelle Ottmann, das im Wechsel Münchhausens angebliche Tochter Frieda zu sein vorgibt. Und das war der besondere dramaturgische Kniff, mit dem sich Produzent Laube um das Münchhausen-Projekt bewarb: Der Baron bekommt ein kleines Mädchen an die Hand, mit dem er nun loszieht, die Mutter der Kleinen zu suchen, von Deutschland nach St. Petersburg, durch die Wüste in den Orient und schließlich, jawohl, auf den Mond, wo ihnen, urkomisch, Tilo Prückner als Einsiedler entgegentritt.

Und unterwegs passieren eben alle Münchhausen-Abenteuer, wie man sie aus der (gar nicht vom Baron Münchhausen selbst, sondern von willfährig lauschenden Freunden aufgeschriebenen) Abenteuergeschichtensammlung kennt, vom versinkenden Pferd bis zur mit Münchhausen dahinbrausenden Kanonenkugel.

Tolle Schauplätze wie selten, aber das Filmteam blieb brav in Deutschland, fand die Wüste irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern, den Mond in einer Kalkabbaugrube, und nicht einmal der orientalisch üppige Palast des Sultans musste nachgebaut werden. In Bayern stieß man auf ein Schlösschen, das sich dort irgendein durchgeknallter Fürst des 18. Jahrhunderts hingestellt hatte. Nichts durfte schäbig, wie aus dem Fundus zusammengeklaubt aussehen. Das, meint Laube, ist auch gelungen: «Wir mussten dem Vergleich mit den größten amerikanischen Kostümfilmen standhalten. Die Kids haben schließlich alle ihren 'Fluch der Karibik' gesehen.»

PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN

Überschrift

Name


Ihr Kommentar 
AGB

Beitrag abschicken