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Reuters Spencer Tunick Totes Meer

 

Spencer Tunick: Nackt  auf  den  Wellen  schweben

Die Bibel hält nicht viel vom Nacktsein seit dieser peinlichen Geschichte mit dem Apfel und ihrer Folgen Mode, Lügen und Feigenblätter. Doch wenn Spencer Tunick biblischen Boden betritt, machen sich alle frei.

Von Martin Haldenmair

Es ist das wohl bisher ambitionierteste Projekt des Foto-Künstlers Spencer Tunick. Bisher ging es ihm hauptsächlich um die Ästhetik von Landschaft und Menschenkörpern, wenn er ganze Rudel Menschen in ihrem Geburtstagsgewand vor die strengsten Zeugnisse der Zivilisation wie Fußballstadien, Parkhäuser oder Schlösser stellte. Dass sich seine Fotografien der Massen-Nacktheit auch für gesellschaftliche Botschaften nutzen lassen, zeigte er 2007, als er 600 nackte Menschen auf die Schneefelder eines schrumpfenden Schweizer Gletschers stellte. Eine Botschaft war auch wieder bei seinem neuesten Projekt dabei.

1200 Freiwillge sammelten sich für die Installation "Dead Sea" am 17. September 2011 am Ufer des Toten Meeres. Das hat schon Zündstoff, denn am Ufer des großen Salzsees leben Israelis, Palästinenser aus den Autonomiegebieten und Jordanier. Es dauerte drei Jahre, bis die offiziellen Stellen überzeugt waren, das Projekt zu genehmigen - konservative Kräfte waren gegen ein "Sodom und Gomorrha" am Ufer eines ihrer wichtigsten Touristenziele. Zumindest Freiwillge waren schnell gefunden, hier rührten israelische Studenten kräftig die Werbetrommel und brachten so eine bunte Menschenmasse mit Teilnehmern zwischen 20 und 60 Jahren zusammen. Es wären wohl noch mehr geworden, hätten nicht ein paar der gecharterten Busse mehrere Stunden Verspätung gehabt. Auf biblischem Boden schlägt das Schicksal eben zu.

Und auch der Mensch: Wie die israelischen Zeitung Ha'aretz berichtet, beobachtete eine Reihe Spanner durch dicke Linsen und an Gleitschirmen hängend die Installation. Spencer Tunick und seine Fotomodels ließen sich dennoch nicht verdrießen. Am Ufer stehend, im Wasser liegend und sogar ganz mit Schlamm bedeckt, arrangierte er seine Schar der Nackten und schuf wieder einmal ein spannendes Kunstwerk. Spannend, weil es zeigt, wieviel Diskussionen auch in der heutigen Zeit Nacktheit immer noch auslösen kann. Spannend auch, weil es auf ein großes Problem aufmerksam macht, das die einzigartige Landschaft bedroht: Der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt seit Jahrzehnten - das Meer verschwindet.

Schön ist die Installation auf jeden Fall: Die Brauntöne der Landschaft verschmelzen mit den Hauttönen der Menschen, das metallisch glänzende Meer, in dem die nackten Körper schweben (dank des hohen Salzgehaltes kann niemand untergehen), lässt die nackten Schwimmer zu Schattenrissen machen. Dass in so einer Landschaft Wunder möglich sind - man möchte es fast glauben. Früher oder später, wenn sich nichts ändert, wären sie nötig.

Aufnahmen von Spencer Tunicks jüngstem Projekt in Israel sehen Sie in unserer riesigen Bildergalerie der Aktaufnahmen - und einen Rückblick auf seine spektakulären früheren Nackedei-Installationen.


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