South Park: Generation South Park
Eine neue Staffel "South Park" ist angelaufen. Nicht irgendeine, sondern Staffel Nummer 15. Wir stellen fest: Ohne es zu merken, sind wir mit der rüden Zeichentrickserie aufgewachsen. So sehr, dass wir schon zu South-Park-Figuren geworden sind ...
Von Max Biederbeck, Dima Romashkan, Martin Schneider, Hakan Tanriverdi
Max Biederbeck:
Als deutscher Staatsbürger findet man bei South Park oft Erwähnung. Angefangen mit Cartmans Halloween-Verkleidung als Hitler in der ersten Staffel, gefolgt von zahlreichen anderen Szenen, in denen klar wird: Deutsche haben keinen Humor, von dem sie wüssten. Die Figur Jimmy verleiht uns deshalb in einer Episode sogar den "Award for the least funny people". Unsere Kanzlerin spricht mit einer Männerstimme und ein von Deutschen programmierter Witzeroboter versucht kurz um die Menschheit auszulöschen. Von den hunderten Nazi-Anspielungen während der letzten 15 Jahre ganz zu schweigen. So sehen uns viele in der Welt und South Park schlachtet diese Klischees gnadenlos aus. Klar, die Serie überschreitet oft geschmackliche Grenzen, schießt dabei aber konstant gegen einfach alle. Das ist ein Ausrufezeichen gegen jeden, der sich zu ernst nimmt. Dazu gehören auch die Deutschen. South Park ist schlichtweg gesund, weil es uns zeigt: Ja, auch wir sind in der Lage, über unsere eigenen Fehler zu lachen.
Martin Schneider: Eine gute Satire-Sendung und ein guter Kabarettist haben eines gemeinsam. Sie bringen ihr Publikum zum Lachen, ohne einen Witz zu erzählen. Der Grund: Die Realität ist meistens lächerlich genug, um sich darüber zu amüsieren. Einfache Zusammenhänge auf den Punkt gebracht, und schon erkennt fast jeder den Wahnsinn, der täglich auf uns einprasselt. Genau in dieser Kunst sind die Macher von Southpark Meister.
Es gibt zum Beispiel eine Folge über die religiöse Sekte Scientology. Mit schlecht gezeichneten Trickfiguren, ohne talentierte Schauspieler, ohne subtilere Botschaft. Nur mit der knallharten Abbildung der Wirklichkeit. Danach war ich als Zuschauer nicht betroffen oder erschüttert sondern tatsächlich amüsiert über eine Gruppe, die Seelenheil gegen Dollars verkauft. Das ist der Kern des Ganzen und das reicht, um sie komplett ins Lächerliche zu ziehen.
Dima Romashkan: Ich habe in meinem Leben schon viele bitterböse und antisemitische Judenwitze gehört. Aber die heftigsten und menschenverachtendsten kamen immer von meinem jüdischen Vater. Vielleicht lache ich deshalb über keine der "South Park" Figuren so sehr wie über Eric Cartman. Der elfjährige Cartman findet Hitler "awesome", wahlweise "sweeeeet" und führt die Weltwirtschaftskrise auf die Gier der Juden zurück, da diese all das Geld in einer geheimen Judenhöhle verstecken würden. Generell ist Jude zu sein ein biologischer Makel, so wie Fettleibigkeit oder rote Haare. Ach ja außerdem tragen alle Juden ein Säckchen Gold um den Hals.
Ich habe noch nie Anstoß an den antisemitischen Äußerungen Cartmans genommen. Denn wie bei allen diskriminierenden Inhalten die von den South Park Charakteren transportiert werden gilt auch hier: Man lacht nicht über die Diskriminierten, sondern über die Diskriminierer und deren Armseligkeit sich dieser "Instrumente" bedienen zu müssen! South Park gelingt manchmal sogar das geniale Kunststück Vorurteile zu wiederlegen, indem man die abstrusesten von ihnen als richtig darstellt: Deshalb ist eine meiner Lieblingsszenen aller Zeiten die, in der der jüdische Junge Kyle Browlowski gezwungen ist Cartman tatsächlich sein Judensäckchen voll Gold zu geben. Selten so gelacht ...
Hakan Tanriverdi: South Park schert sich nicht um den Dschungel der Moral, sondern setzt ihn lieber komplett in Brand. Wer auf seinen Überzeugungen beharren will, nur zu, für den könnte es sehr schmerzhaft werden.
Aber ich fühle mich diskriminiert von South Park: Als Moslem fordere ich, öfter und vor allem heftiger verarscht zu werden. In der islamischen Welt wimmelt es nur von Rechtsgutachten, die so abstrus sind, dass Eric Cartman vor lauter Vorfreude die Backen vibrieren würden. Ein Mann darf zum Beispiel nur dann mit einer ihm nicht verwandten Frau arbeiten, wenn er vorher ihre Milch getrunken hat. Bin Laden als (am Ende erschossener) Retter der Stadt reicht nicht aus. Ich brauche mehr Hass. Aber nun gut, dann gehe ich halt den Umweg und schau, wie Moslems reagieren. Als zum Beispiel in der Folge "200" angedeutet wurde, der Prophet Mohammed könnte sich in einem Bärenkostüm verstecken, regten sich irgendwelche Gläubigen darüber auf. Aber wer steckte dann tatsächlich im Kostüm? Der Weihnachtsmann - Moslems protestierten also für eine christliche Symbolfigur. Sweet.
Die Serie selbst können Sie aktuell auf Comedy Central sehen. In der nächsten Folge, "Funnybot" am 18. Dezember ab 22.00 Uhr hat Angela Merkel einen Gastauftritt und sorgt dafür, dass die Welt endlich lernt, deutschen Humor zu würdigen. Avatare wie unsere gibt es auf southpark.de.
Unsere Avatare in groß sehen Sie in unserer Bildergalerie. Wie Angela Merkel die Schule von South Park stürmt, sehen Sie im Trailer zur Episode "Funnybot".
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN
Error 503 Service Unavailable
Service Unavailable
Guru Meditation:
XID: 1699362661
Varnish cache server










