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AP Prügel-Parade im Fußball

 

Prügel-Parade: Voll  draufgehalten

In Wolfsburg flogen gerade zwischen zwei Spielern die Fetzen. Ein Blick auf andere Trainingsplätze zeigt: Fußballer sind im Umgang mit den Fäusten mindestens genauso phantasievoll wie bei der Ballbehandlung.

Von Andreas Buchmann

Trainingsgelände des VfL Wolfsburg, milde lächelt die Sonne an diesem Frühlingstag. Dann tritt der Brasilianer Alvim dem Bosnier Misimovic von hinten in die Beine. Der Gefoulte dreht sich wütend um, die beiden stehen sich Kopf an Kopf gegenüber, schreien sich an. Doch Adrenalin lässt sich nicht so schnell abbauen. Drum gibt es ein Geschubse, dann treten sich die beiden. Danach fasst Misimovic seinem Mannschaftskollegen ins Gesicht und drückt dessen Kopf nach hinten. Zum Schluss versucht der Bosnier den Brasilianer anzuspucken, trifft aber nicht.

Outsider-Bashing

In Bremen haben es besonders Outsider schwer. Bestes Beispiel: der Brasilianer Carlos Eduardo. Mit ihm können seine Mitmenschen viel Spaß haben. Er feiert und isst gern, seine Partys waren legendär. Dummerweise stehen Mannschaftskollegen mit professionellerer Lebensführung nicht so sehr darauf. Und so wurde Carlos Alberto 2007 Ziel einer Gesichtsberührung durch seinen Mitspieler Boubacar Sanogo, Rückschlag inklusive. Immerhin wurde danach nicht nur der Outsider suspendiert und zu Lauftraining verdonnert, sondern auch der Mitschläger.

Abwehr-Aktion

Die Variante "Einer wird geschlagen" lieferten die Spieler Jens Keller und Jean-Clotaire Tsoumou-Madza im Jahr 2003. Nach einem Foul von Keller deckte der Kongolese seinen Kollegen mit einer Schlagserie ein, die Profi-Boxern alle Ehre gemacht hätte. Keller kam gar nicht zu einer Gegenreaktion, er war zu sehr mit seiner Verteidigung beschäftigt. Dass die Aktion bei einem Verein namens "Eintracht" Frankfurt stattfand, macht die Sache perfekt.

Ungewöhnlicher Ort

Warum auf dem Trainingsplatz prügeln? Dass es auch andere Orte für ein Aufeinandertreffen zweier frustrierter Kicker gibt, zeigten Keith Gillespie und George McCartney 2007. Die beiden nordirischen Nationalspieler gingen während des Rückfluges von einer Niederlage bei Fußball-Riese Island aufeinander los. Pikant: In dem Flieger befanden sich auch ganz normale Passagiere, die den körperlichen Argument-Austausch geschockt verfolgten. Immerhin hatte die Sache einen Vorteil: Die beiden wurden zu Strafen zwischen 75 000 und 150 000 Euro verdonnert, die für einen gemeinnützigen Zweck gespendet wurden.

Konkurrenzkampf

Torhüter müssen mit einem Nachteil klarkommen: Es kann immer nur einer pro Mannschaft spielen. Da liegen schon mal die Nerven blank. Beim spanischen Erstligisten La Coruna bekam 2008 der Stammkeeper Aouate von seinem Ersatzmann Munua nach dem Duschen in der Kabine einen Schlag ins Gesicht und musste mit acht Stichen genäht werden. Dummerweise brachte die Auseinandersetzung keinem der beiden Profis etwas: Munua wurde suspendiert und Aouate fiel wegen der Verletzung aus.

Kein Spaß mehr

Der Streit zwischen den Teammitgliedern Ousmane Dabo und Joey Barton ging 2007 sogar bis vor ein ordentliches Gericht. Dabo hatte auch allen Grund für die Anzeige. Manchester-City-Spieler Barton hatte ihm eine blutige Nase, einen Riss in der Lippe und einen Satz blaue Augen verpasst. Barton wurde daraufhin von seinem Verein gekündigt.

Ein Schlag, zwei Sprachen

Vergleichsweise beschaulich geht es da beim großen FC Bayern München zu. Der zeigt sogar während eines Streits, dass Fußball völkerverbindend ist. 1999 waren an einer Handgreiflichkeit zwei überzeugte Muttersprachler beteiligt: Bixente Lizarazu (französisch) und Lothar Matthäus (mittelfränkisch). Trotz der Sprachenvielfalt schien Bundes-Loddar den Basken Lizarazu in seinem Stolz verletzt zu haben. Der revanchierte sich mit einem Wischer über das Gesicht des Rekordnationalspielers. Matthäus litt danach anscheinend unter Amnesie. Er stritt die Ohrfeige ab, obwohl sie ein Amateur-Video deutlich zeigte. Auch die Zuschauer beim Training hörten ein deutliches Klatschen. Lizarazu musste 10 000 Euro blechen.

Fast alle Prügeleien unter Teamkollegen gehen übrigens gleich aus. Hinterher stellt sich ein Vereinsoffizieller vor die Mikrofone und behauptet: "In der Kabine haben sie sich die Hand gegeben. Die Sache ist vollkommen ausgeräumt." Bis zur nächsten Handgreiflichkeit.

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