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Tim Wessling Poledancing

 

Poledancing: Mal  an  der  Stange  schnuppern

Unter Ausschluss der männlichen Öffentlichkeit fanden an einem gewöhnlichen Mittwochabend neun junge Frauen zusammen, um sich von einem Sport anfixen zu lassen, dessen bloße Erwähnung Augenbrauen und Puls schnell in die Höhe schießen lässt: Poledance.

Von Verena Orth

Vorspann: Haftung bewahren!

"Wo gehst du hin? Zum Poledance-Schnupperkurs?! Ach, da wär ich gerne dabei! Was macht ihr denn da genau?" Das hat wohl jede der Anwesenden von männlichen Freunden im Vorspann dieses Abends gehört. Und so richtig wissen wir selber nicht, was uns erwartet. In der Anmeldebestätigung wurde darauf hingewiesen, dass wir in Vorbereitung auf den Kurs bitte keine Bodylotion oder Handcreme verwenden sollen, da dies "den Haft an der Stange vermindert". Wie bitte? Was haben wir uns da wohl eingebrockt?

Aufwärmen: Haltung bewahren!

Unsere Trainerinnen, Anke und Martina, zwei sportliche Erscheinungen mit Pferdeschwanz und veritabler Armmuskulatur, führen uns allerdings zuerst durch ein 30minütiges Aufwärmprogramm, das vor allem aus Dehnübungen, Hüpfen und Armkreisen besteht. Dazu typische Fitnessvideomusik.

So weit so gut. Als jemand, der den 10minütigen Radweg zur Arbeit beim Arzt schon als "regelmäßigen Sport" angibt, komme ich schnell außer Puste und leicht ins Keuchen, allerdings noch nicht in Verlegenheit. Das soll sich mit der ersten Bodenübung ändern. "Die Bodenarbeit ist wichtig, wenn man während einer Performance mal Luft schnappen muss und etwas ausruhen möchte", belehrt uns Anke. Und schon liegen neun junge Frauen auf neun fahlblauen Yogamatten um sich am "Bodenwischer" zu versuchen.

Bodenarbeit: Würde bewahren!

Unsere Trainerinnen sitzen elegant auf ihren Fersen und führen unisono die Übung vor: Mit eingerolltem Kopf tauchen sie anmutig in Richtung Boden ab, gleiten mit den Handflächen nach vorne, ohne den Hintern zu heben. Ziehen dann, bei gestreckten Armen, den Restkörper nach - Po in die Höhe, Brust dezent über den Boden wischend. Ein neckischer Kick mit gestreckter Fußspitze und das Ganze wird rückwärts zelebriert, bis sie wieder auf ihren Fersen ruhen. Sauber.

Jetzt sind wir dran. Ich komme mir vor wie eine gebärende Kuh und wische äußerst unelegant und so gar nicht dezent auf dem Boden rum. Außerdem hab ich einen Krampf im linken Fuß. Den meisten anderen scheint es nicht besser zu gehen. Jedenfalls ist diese Übung ein Eisbrecher und vorpubertäres Gekichere erfüllt die kleine Halle.

Ran an die Stange: Mut bewahren!

Nun sind wir so weit: wir werden "mit der Stange bekanntgemacht". Erste Lektion: Umschreiten. "Nicht die Füße nachziehen, und den Arm in 90-Grad-Winkel. Mit den Händen nachgreifen! Rumgehüpfe will ich nicht sehen!". Ups! Doch nicht so einfach. Nachdem alle diese Übung unter den strengen Augen unserer Trainerinnen absolviert haben, dürfen wir uns an dem ersten schwungvollen Move versuchen. Mittels eines großen Schrittes/Hüpfers sollen wir eine ganze Drehung um die Stange vollziehen. Wieder sieht es bei Martina und Anke mühelos-elegant aus, während mir die Füße durcheinanderkommen und die Drehung einfach nicht enden will.

Zum krönenenden Abschluss des anderthalbstündigen Schnupperkurses wird auch uns noch Mut abverlangt. Auf einem Bein neben der Stange stehend, diese mit beiden Händen und einer Armbeuge umgreifend, sollen wir mit dem anderen - ausgestreckten Bein - voran nach HINTEN (!) kippen, das andere Bein vom Boden lösen und uns um die Stange kreiseln bis wir SANFT (...) auf den Knien landen und von dort aus ELEGANT (?) das Publikum mit dem Bodenwischer verzücken.

Leider bin ich dieser Aufgabe nicht ganz gewachsen. Nach hinten kippen klappt hervorragend, allerdings vernachlässige ich "sanft" und "elegant" (weswegen hiervon auch keine Fotos existieren...). Naja, das Publikum, bestehend aus meinen Mitstreiterinnen, klatscht netterweise trotzdem. Wir sind ja unter uns.

Fazit

Meinen Freund könnte ich wohl mit dem Gelernten nicht beeindrucken. Wohl aber hatte ich eine Menge Spaß. Eigentlich hat Poledance alles, wonach die moderne post-"Sex and the City"-Frau sucht: Man macht sich fit, stärkt alle wichtigen Muskeln, ist unter Gleichgesinnten (Frauen), kommt sich etwas verrucht vor und kann schön damit bei den Jungs angeben. Man muss ja nicht sagen, dass die "Performance" - wenn man es denn schon so nennen darf - eher nach Bridget Jones als nach Magdalena Brzeska aussieht. Also: Stange, vielleicht siehst du mich wieder ...

Das Training sehen Sie in unserer Bildergalerie, wie das Ganze in "gekonnt" aussieht zeigt die Bilderstrecke zur Performance der PoleworkX-Chefin und Europameisterin (2010) Melanie Mosler. Das Interview dazu findet Sie auf der nächsten Seite.


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