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Gästeaustreibung: Wie  werde  ich  sie  los?

Exorzismus leicht gemacht - wie ich lernte, ungeliebte Gäste loszuwerden. Ein Buch gibt Hilfestellung, wenn auch (hoffentlich) nicht ganz ernst gemeinte.

Von Lara Wiedeking

Das Buch "Gäste-Austreibung" von Martin Lagoda aus dem Schardt Verlag ist ein kurzweiliges Vergnügen für alle, die schon mal einen ungebetenen Gast am Tisch hatten. Trotzdem stellt sich bei der Lektüre die Frage, ob der Autor nicht lieber neue Freunde statt neuer Gästevertreibungstipps braucht. Ich bin gerne Gastgeber, so viel sollte ich vorab sagen. Aber auch mir gefror schon mal das Lächeln an der Tür, als meine beste Freundin ihre neue - schreckliche - Bekanntschaft von der letzten Party mitbrachte. Oder ein guter Freund seine neue Lebensgefährtin mitbrachte, deren IQ ungefähr der Kalorienzahl des Vorspeisen-Salates entsprach.

Gäste-Austreibung. Ein Crashkurs für gequälte Gastgeber

Martin Lagoda

Erscheinungsdatum: November 2011

Beschreibung: 113 Seiten, Broschur
Preis: 8,00 Euro

Verlag: Schardt

ISBN: 978-3-89841-622-1


Tipp 1: Der "russische Abend"

Somit verspreche ich mir von der Lektüre von "Gäste-Austreibung" solide handwerkliche Kenntnisse, mit solchen Gästen umzugehen. In 6 Lektionen erhalte ich den versprochenen "Crash-Kurs" der Gäste-Austreibung, dazu passende Rezepte, die in Deutschland nicht unbedingt massenkonform sind. Weiß man, dass bald eine Schar ungewollter Gäste vor der Tür steht, empfiehlt der Autor - hoffentlich mit einem Augenzwinkern - zum Beispiel einen russischen Abend zu veranstalten. Es muss vorab für sibirische Kälte gesorgt werden (daher eignet sich das Motto eher im Winter), eine ungewaschene Pferdedecke sorgt für Gemütlichkeit und reichlich Wodka wärmt von Innen. Auf dem Menü stehen Murmeltiere, Lammhoden und Wolfsspinnen. Wie authentisch russisch das ist, steht erst mal an zweiter Stelle, aber den Gästen wird es sicherlich spontane Verpflichtungen ins Gedächtnis rufen, weswegen sie früher das Haus verlassen müssen. Und es wird ihnen sicherlich wieder präsent, wenn die ungebetenen Gäste sich das nächste Mal selbst einladen wollen.

Tipp 2: Grässliche Deko, langweilige Videos und fiese Fallen in der Wohnung

Auch weniger drastische, einfache Tipps finden sich in dem Buch. Hin und wieder ein Stimmungskiller bei Tisch macht den Abend ungemütlicher für die Gäste. Ein Video vom Garagenumbau zu zeigen schlägt der Autor vor, oder vom Kacheln des Badezimmers, natürlich in epischer Länge. Opulenter Tischschmuck, natürlich immer passend zum Gericht, der den Weg zu Schüsseln, Saucieren und Servierplatten erschwert. Missgeschicke auf Seiten der Gäste sind vom Gastgeber unbedingt zu forcieren. Ein Vase mit hohem Schwerpunkt in den toten Winkel im Flur aufstellen, oder eine Lampe dicht an der Kante eines Sideboards oder Schränkchens aufstellen. Eine Erbse unter dem Fuß der Lampe hilft nach, wenn man nicht allein auf Gast und Schwerkraft vertrauen möchte. Aber ob die entstandenen Scherben - im Zweifelsfall auf dem Wohnzimmerteppich - wirklich das kleinere Übel sind muss jeder selbst entscheiden. Der Autor jedenfalls scheint überzeugt von der Idee.

Unser Tipp: Facebook aufräumen

Im Buch finden sich noch viele weitere Tipps und Tricks, fragwürdige Rezepte und gewöhnungsbedürftige Deko-Empfehlungen. Alles tendenziell eher aufwendig und hoffentlich nicht ganz ernst gemeint. Wer hat schon Lust, einen 90-minütigen Film über den Garagenumbau anzufertigen, für den Fall der Fälle das eine Schar ungewollter Gäste vertrieben werden muss? Das Buch ist ein kurzweiliges Vergnügen, auch geeignet als Gäste-WC-Lektüre (diesem Raum ist übrigens ebenfalls ein Kapitel gewidmet). Im Zweifelsfall sollte man die Facebook-Freundesliste einfach mal durchsortieren, das ist weniger aufwendig als Lammhoden zuzubereiten und kann ebenso vor ungewollten Gästen schützen.

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