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Online-Sex-Studie: Die  Logik  schmutziger  Gedanken

Hintern, Brüste, MILFS, jung - und schwul. Das sind die wichtigsten Suchbegriffe im Bereich Erotik. Zwei Neurowissenschaftler analysieren, was wir so alles Schmutziges im Netz suchen und sie finden überraschende und witzige Erklärungen dafür.

Von Martin Haldenmair

"Internet-Regel Nr 34: Wenn etwas existiert, gibt es dazu einen Porno - ohne Ausnahme". Die Herkunft dieser Weisheit, ist nicht restlos geklärt, aber wahrscheinlich stammt sie aus der Feder von Peter Morley-Souter, Autor des mittlerweile eingeschlafenen Web-Comics "Zoom-Out", auf dessen Seite zumindest dieses eine Comic zur Regel 34 noch zu finden ist. Egal von wem, sie ist, sie stimmt. Das fanden auch die Neurowissenschaftler Sai Gaddam und Ogi Ogas der Universität Boston heraus. Die Ergebnisse kann man im Buch "Klick! Mich! An!" nachlesen

Klick! Mich! An!

Sai Gaddam, Ogi Ogas


Verlag: blanvalet (Random House)

Erscheinungsdatum: 23. April 2012

Preis: 16,99 Euro

ISBN: 978-3764504311

Beschreibung: 448 Seiten


50 Millionen Beispiele für Regel Nr 34

Psychologie und Sexualwissenschaft sind im Grunde nicht ihr Fachgebiet, wohl aber Datenverarbeitung. Und da über Suchmaschinen ein gigantischer Schatz an Daten angehäuft wurde, kamen sie auf die Idee, diesen zu heben. 50 Millionen sexuell motivierte Suchtexte wurden für ihre Studie analysiert. Hinzu kamen Anfragen bei Pornoseiten über deren Nutzer und Auswertung alter Studien.

Die Gedanken sind schmutzig, aber einheitlich

"Eine Milliarde schmutziger Gedanken", so der englische Originaltitel des Buchs haben die Forscher analysiert. So sehr Regel 34 bei jedem einzelnen gilt, unsere schmutzigen Gedanken sind in der Masse ziemlich einheitlich. So konnten die Forscher mit nur 20 Kategorien 80% der Suchabfragen abdecken. In diesen 20 Kategorien sind die ganz normalen, fast schon päpstlichen Sexsehnsüchte nach schönen Körpern sowie einige häufige Fetische wie die für alte Frauen und für kleine Füße (wahrscheinlich auf für alte Frauen mit kleinen Füßen) enthalten.

Womit wir schon beim ersten interessanten Ergebnis wären: Die häufigsten Suchanfragen von Männern kommen aus der Kategorie "jung", doch schon auf Platz drei landen Suchanfragen nach reiferen Frauen (MILFs - Mother I‘d like to fuck) und der Suchbegriff "Oma" landet immerhin noch auf Platz 19. Männer wissen Erfahrung offenbar zu schätzen. Dürre Models sind übrigens out, leicht mollige Frauen in. Beim Busen findet jede Form und Größe ihre eigene Liebhabergruppe. Und die Füße? Wenn sie gesucht werden, dann sollen sie klein sein.

Der schießwütige Jäger

Die Gemeinsamkeit dieser Liste? Alles körperliche Eigenschaften. Männer reagieren auf visuelle Reize, also suchen sie auch nach Bildern und Videos, und für diese gezielt nach den Dingen, die sie sehen wollen. Die Forsche vergleichen Männer daher mit Elmar Fudd, dem Jäger aus der Looney Toons (den Cartoons mit Bugs Bunny), der auf so ziemlich alles anlegt, was sich bewegt, eine besondere Vorliebe (für Hasen) entwickelt hat - und sich durch noch so viele Fehlschüsse nicht entmutigen lässt.

Schwule Männer suchen übrigens genauso männlich wie Heteros - nach Bildern, Videos und Körpern. Hierbei sind sie auch an Heteropornos interessiert - wenn sie den Mann dabei im Bild behalten. Für diese speziellen Videos haben sich - wie könnte es anders sein - Spezialseiten herausgebildet.

Alphamännchen und andere Projektmänner

Was ist nun mit den Frauen? Enthalten sie sich etwa engelsgleich dem Pornogeschäft? Tatsächlich scheinen die sexuellen Suchanfragen mehr von Männern gestellt werden, doch auch Frauen suchen nach erotischer Zerstreuung. Es geht nur nicht primär um den Körper. Und schon gar nicht um den Penis. Ein besonders großes Organ ist zwar Stolz des Mannes (und interessanterweise finden auch Heteros bei den Pornos einen stolzen Krieger interessant, vermutlich weil er aus Konkurrenzdenken die eigene Libido anregt) - doch für Frauen nicht im Suchfokus. Wenn ein Körperteil schön sein soll, dann der Hintern. Hier endlich stimmen einmal Frauen und Männer überein. Entsprechend wenig video- oder bildlastige Sexseiten für Frauen gibt es.

Der Renner bei Frauen sind die Erotikgeschichten und auch dort blühen die merkwürdigen Fetische. "Twilight Slash Edward und Jacob" geistert beispiesweise häufig durch die Maschinen, gesucht sind dabei erotische Geschichten, in denen Edward und Jacob (der Funkelvampir und der immer gute gekämmte Werwolf) aus "Twilight" zusammenkommen. Der soziale Status der Protagonisten der Geschichten spielt ebenfalls eine Rolle: Frauen finden Alphamännchen, die sich dann aber ihren Gefühlen ganz hingeben außerordentlich erotisch. Miss Marple nennen die Autoren daher das Suchverhalten der Frauen: Einer Detektivin, der es auf persönliche Details ankommt gleicht demnach das weibliche Gehirn.

Ein Modell für die Sexualität

Mit diesem Modell, Elmar Fudd vs Miss Marple, erklären die Autoren alle weiteren Phänomene und ziehen ältere Offlinestudien zur Unterstützungen hinzu. Beispielsweise die von Hatfield und Clark, bei der auf einem Universitätscampus männliche und weibliche Studenten von attraktiven Frauen und Männern angesprochen und auf entweder ein Date, ein Besuch zu Hause oder ganz unverblümt zum Sex eingeladen wurden. Während sich 50% der Männer zu einem Date breitschlagen ließen, waren 75% gleich zum Sex mit einer Wildfremden bereit. Die Frauen hingegen wären zu 56% auf ein Date mitgegangen. Keine einzige dagegen war gleich zum Sprung in die Kiste bereit. Klingt wie eine Binsenweisheit, erklärt aber einiges.

Mit diesem Modell versuchen die Autoren fast das gesamte Sexualverhalten zu erklären - erst am Schluss widmen sie sich in einem Kapitel der Faszination von Dominanz und Unterwerfung (in dem wir erfahren, dass BDSM-Seiten die treuesten Abo-Kunden haben) und in einem dem Reiz des Verbotenen und Extraordinären. Im Mittelteil des Buchs wird durch die ausufernde Beschreibung von Elmar Fudd und Miss Marple, ergänzt durch eher anekdotische Beweisführung die anfangs sehr übersichtlich aufgebaute Studie etwas wolkig. Im Anhang gibt es keinen Apparat, der die Zahlen überprüfbar machen würden, das Buch ist in erster Linie populärwissenschaftlich.

Ogas und Gaddam schreiben leichtfüßig, und mit trockenem Humor und machen so die Studie - auch den etwas ausufernden Mittelteil - zu einer unterhaltsamen Lektüre, zu einer vereinfachenden, jedoch klugen Betrachtung über unsere Lüste und Gelüste und wie sie eine ganze Industrie im Netz antreiben.

Mehr vonm den Autoren und ihren Ergebnissen sehen Sie in unserer Bildergalerie zu "Klick! Mich! An!".

Weiterführender Link: Leseprobe auf der Seite des Verlags (deutsch)
Homepage des Buchs "A Billion Wicked Thoughts" (englisch)
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