Nik vs. Weihnachtsmann: Nikolaus vs. Weihnachtsmann
Roter Mantel, weißer Bart: Der Weihnachtsmann ist der Popstar dieser Tage. Aber wer ist der amerikanische Bierbäuchige mit der aggressiven PR eigentlich? Wir machen den Stylecheck und lassen ihn gegen seinen größten Konkurrenten Nikolaus antreten.
Von Laura Hertreiter
Friedliche Weihnachten? Von wegen! Der Kampf um Ruhm und Ansehen beginnt, sobald der erste Schoko-Nikolaus im Supermarkt steht: Meist verkauft sich bärtige Mann aus Schokolade nämlich unter falschem Namen. Der Weihnachtsmann (zu erkennen an der Zipfelmütze) ist eine amerikanische Marketingfigur, der Nikolaus hingegen (zu erkennen an der Bischofsmütze) ein waschechter Heiliger. Das sorgt für vorweihnachtliche Verwirrung. Wir schaffen Klarheit und prüfen, ob der gute alte Nikolaus Chancen auf ein Comeback hat.
Die Story
Der Mann mit der roten Zipfelmütze ist ein Märchen. Eine Konsumfigur. Ein Werbegag. Einziges überliefertes Zitat: "Ho ho ho". Laut Hollywood und Coca Cola soll der ungefähr 113-Jährige am Nordpol leben und dort als Chef einer Belegschaft von Wichteln und Elfen die Vorbereitung und Distribution von Weihnachtsgeschenken managen. Die Auslieferung erfolgt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember per Rentierschlitten und über den Schornstein. Im Zuge seiner weltweiten Expansion soll Santa Claus zudem eine Flotte rot-weißer Trucks ins Rennen um den Weihnachtskommerz geschickt haben. Am Weihnachtsmorgen, also am 25. Dezember, finden die Kinder dann vor dem Kamin unterm Weihnachtsbaum Geschenke. Die Konkurrenz hätte ein ganzes Buch voller Geschichten auf Lager. Allein Wikipedia erzählt 13 verschiedene.
Die wohl bekannteste Story vom mindestens 1400 Jahre alten Nikolaus hat so einiges zu bieten, was eine gute Geschichte haben muss: Girls, Crime, einen Goldschatz und ein Happy End. Der Legende nach konnte ein abgebrannter Vater seine drei Töchter nicht verheiraten - das Geld für die Mitgift fehlte. Den Mädels drohten Prostitution, kriminelles Milieu und Schande. Nikolaus rettete alle drei, indem er dem Vater während der Nacht heimlich Goldtaler schenkte. Deshalb bringt der Nikolaus auch heute noch Geschenke und legt sie am 6. Dezember bevorzugt in Stiefeln und Strümpfen ab. Das Beste: Die Geschichte basiert wohl auf einer realen Begebenheit. Ende des 3. Jahrhunderts soll Nikolaus tatsächlich als Bischof im heute türkischen Myra - ganz in der Nähe des beliebten Badeorts Antalya - gelebt haben. Dort richtete er der Legende nach Armen- und Waisenhäuser ein und versorgte alte Seefahrer.
Der Look
Rein optisch ist der Hype um den Weihnachtsmann ein Rätsel: Roter Strampelanzug, Rauschebart, Bierbauch. Und das, obwohl ein gigantisches Unternehmen für den Look des weltberühmten Präsentelogistikers verantwortlich ist. Bis ihn der Getränkegigant Coca Cola 1931 für eine Werbekampagne einspannte, war Santa Claus in den USA in verschiedenen Outfits bekannt: Er trug Fellklamotten oder Mäntel aller Farben, bis der Schwede Haddon Sundblom den neuen Jumpsuit-Look in den Cola-Firmenfarben designte - der Legende nach inspiriert von einem pensionierten Cola-Lieferanten mit langem, weißen Bart.
Der Rest ist Geschichte: Claus tritt seinen Siegeszug im Strampelanzug an. Einzige Gemeinsamkeit zu seinem Konkurrenten Nikolaus: Beide setzen auf den weißen Rauschebart. Ansonsten glänzt der Nikolaus als Bischof stilsicher in kirchlich-pompösem Ornat mit besticktem Mantel, Mitra (der spitzen Bischofsmütze), Bischofsstab und goldenem Buch.
Das Marketing
In Punkto PR schien Nikolaus seinem Konkurrenten in den letzten Jahrzehnten chancenlos unterlegen. Film, Fernsehen, Werbung und Weihnachtsindustrie kurbelten die Bekanntheit des Weihnachtsmanns so sehr an, dass Nik beinahe in Vergessenheit geriet. Sogar an bayerischen Schulen und Kindergärten wird mittlerweile die Geschichte vom Weihnachtsmann erzählt, traditionsbewusste Eltern und Nikolaus-Anhänger geraten zusehends in Erklärungsnot.
Aktuell scheint sich das Blatt jedoch zu wenden. Da momentan alles gefeiert wird, was ursprünglich und traditionell anmutet, erhält jetzt auch der Nikolaus prominente Unterstützung. Sängerin und "Let's Dance"-Gewinnerin Maite Kelly rief letzte Woche in der Münchner Innenstadt eine "weihnachtsmannfreie Zone" aus, sang Nikolauslieder und verteilte Schoko-Nikoläuse - natürlich die im Bischofsoutfit.
Hinter dem Event steckt eine Aktion des katholischen Bonifatiuswerkes, das seit Jahren gegen den Weihnachtsmann kämpft. Auf der Facebook-Seite hat die Aktion rund 1600 Anhänger.
Unser Fazit
Es herrscht nicht zum ersten Mal Zoff in der Weihnachtsbranche. Vor langer, langer Zeit war nämlich nicht das Christkind absoluter Star des heiligen Fests, sondern: Nikolaus. Der Höhepunkt des Advents war damals nicht am 24., sondern am 6. Dezember. Erst als die evangelische Kirche mitzumischen begann, wurde Nik vom himmlischen Thron gestoßen und das Christkind zum Geschenkelieferanten Nummer eins gehypt. Es sieht ganz so aus, als habe der Weihnachtsmann dem Bischof jetzt auch noch die Silbermedaille abgeknöpft. Obwohl Nikolaus für Nächstenliebe und Fürsorge steht, hat er also nicht gerade eine Aufsteigerstory hinter sich. Angesichts der Invasion von rauschebärtigen, Coca Cola-farbenen Weihnachtsmännern dieser Tage, muss sein Fanclub wohl noch deutlich wachsen, damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät. Ein ähnliches Schicksal droht inzwischen übrigens auch Sankt Martin: "Süßes oder Saures", Kürbisköpfe und Fledermäuse könnten über kurz oder lang den Heiligen verdrängen, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat.
Auf der ganzen Welt gibt es den Weihnachtsmann, den Nikolaus sehen wir selten. In unserer Bildergalerie der Geschenkebringer finden Sie die großartigsten Vertreter aus allen Kulturkreisen.
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