Kurzgeschichten: Sechs mal Zehn
Teil Drei
Sie hatten zehn Sätze, um eine Geschichte voller Liebe, Spannung oder Dramatik zu erzählen. MAX rief zum Kurzgeschichten-Wettbewerb auf. Hier sind die acht bisher besten Einsendungen.
In der Dämmerung
Er verlässt das Haus, leise und auf der Hut, beinahe schleichend. Er überquert die vom Morgentau noch nasse Wiese, der nahe Wald ist sein Ziel. Da, eine Bewegung im Unterholz. Er spannt sich, stürzt los, springt, kommt auf, fasst zu, doch nichts. Verdammt, das war wohl nichts denkt er sich. Er bleibt ganz still und spitzt die Ohren. Plötzlich dringen bekannte Rufe zu ihm durch. Er wendet sich um und springt mit schnellen Sätzen zurück zum Haus. Die Tür steht offen, der Rufer bückt sich, streichelt ihn und nimmt ich hoch: "Da bist du ja mein Stromer"! Er beginnt zu schnurren.
Daniel Tretter
Kein Weg zurück
Wie die Lichter der Stadt im Morgennebel verblassten auch die Bilder in seinem Kopf bereits. Das satte Rot des Blutes, die süßen Schreie, der Geruch nach Chloroform und Angst. Er versuchte nicht einmal mehr, das Gesehene festzuhalten, Gehörtes zu erinnern, das Erlebte zu bewahren. Es war die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens, die ihn von Mal zu Mal verrückter werden ließ. Er konnte es schon wieder spüren, dieses Zittern, das ihm die Kontrolle über sich entziehen würde. Deshalb hielt der Mann Ausschau. Er suchte nach einem dieser engelsgleichen Gesichter, die nach Unschuld rochen und noch besser schmeckten, die seinem Leiden Milderung verschafften. Er lief über den überfüllten Platz. Als sein Schritt sich verlangsamte, er seinen Blick nicht mehr aus den Fesseln des Gegenübers zu lösen vermochte, wusste der Mann, dass es erneut geschehen würde. Ruhig und aufgeregt zugleich folgte er der zarten Gestalt in die aufgehende Morgensonne.
Sabine Arnold, Australien
INHALT
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.





...mehr





