Kurzgeschichten: Sechs mal Zehn
Teil Eins
Sie hatten zehn Sätze, um eine Geschichte voller Liebe, Spannung oder Dramatik zu erzählen. MAX rief zum Kurzgeschichten-Wettbewerb auf. Hier sind die acht bisher besten Einsendungen.
Kurzer Weg zum Glück
Claire blickte auf den Strauß Rosen in ihrer Hand, ging durch den kleinen Torbogen und erschrak, denn um ein Haar wäre sie mit einer anderen Frau zusammengestoßen, die ebenfalls Blumen in der Hand hielt. "Oh, Romy, du auch hier, aber das hätte ich mir ja eigentlich denken können - na komm, dann gehen wir zusammen Rick besuchen." Sie spazierten den kleinen Weg entlang und wer die beiden sehr attraktiven Blondinen sah, wusste, da haben zwei die gleiche Wellenlänge, sie waren wie die besten Freundinnen . "Du hast ganz Recht, Claire, es stimmt, Rick war wirklich ein Filou, aber irgendwie auch so unwiderstehlich, ich konnte ihm einfach nie richtig böse sein, auch nicht, als ich dahinter gekommen bin, das du seine neue Eroberung warst. Ich hatte geahnt, das was nicht stimmte, folgte ihm an dem Abend und als ich euch beide Händchen haltend im dem Bistro sah - klar, das gab mir einen Stich, aber ich hatte es ja auch nicht besser gemacht, als ich ihm seiner Frau ausgespannt hatte. Leben und leben lassen, das war schon immer meine Devise." Die arme Mona, die hat eigentlich gar keine Chance gehabt gegen uns beide, sie ist eben mehr dieser fürsorgliche Typ, das Heimchen am Herd und so weiter, aber sie hat sicher gewusst, das ihr Richard - unser sexy Rick - mehr Spaß haben wollte." Sie kicherten beide wie Teenager. "Und stellt dir mal vor" meinte Romy "was wir zu viert für einen Spaß gehabt hätten, aber sie musste ja..." "Oh wir sind schon da" sagte Claire, beide bückten sich und legten ihre Sträuße auf Ricks Grab.
Venteduma, Bad Bentheim
Ich wache auf
Ich wache auf, der Motor stottert, es riecht verbrannt und mir fällt alles wieder ein. Wir hatten unseren zehnten Hochzeitstag mit viel Champagner und vielen Kerzen - ja, ich weiß, leichtsinnig auf unserem Holzboot - gefeiert und plötzlich hatte es gebrannt, Nicks Bein brannte, ich goss Champagner drüber und wir konnten uns gerade noch ins winzige Beiboot retten und von dort dem unheimlichen Schauspiel zusehen, als unser Boot umzüngelt von Flammen wahnsinnig schnell zischend im Meer versank - danach ist alles nur dunkel. Das Boot schaukelt, mir ist übel, Nick liegt neben mir und stöhnt. Keine Ahnung wie viel Minuten, Stunden oder Tage wir hier schon liegen und wie soll uns überhaupt jemand finden? Ich möchte am liebsten heulen vor Müdigkeit und Verzweiflung, drehe mich zum Rand unseres kleinen Beibootes, so kann ich über das Wasser schauen und von einer wundersamen Rettung träumen, die vermutlich nicht kommen wird, so dass Nick und ich hier elendig verdursten werden - umgeben von Wasser, was allein ja irgendwie schon lächerlich ist. Schon seltsam diese Erde - warum gibt es überhaupt Süßwasser und Salzwasser - denn wenn das nicht so wäre, wären viele Probleme auf der Welt leichter zu lösen und ich hätte jetzt keine Angst zu verdursten. Ich träume so vor mich hin und auf einmal ist er da, ein grauer Schatten direkt neben unserem Boot, mir bleibt vor Schreck fast das Herz stehen, Szenen aus der Weiße Hai und Deep Blue Sea schwirren durch meinen Kopf und mir wird eiskalt. Dann hebt die Kreatur den Kopf aus dem Wasser; ich erwarte rasiermesserscharfe spitze Zähne und ein riesiges Maul, aber statt dessen bläst das Geschöpf nur Luft aus und schaut mich fragend an - ein Delphin. Wie magisch angezogen strecke ich vorsichtig die Hand aus, er schwimmt nicht weg, schaut mich weiter unverwandt an und ich berühre seine graue glänzend schimmernde Haut, es ist ein Gefühl als wenn mich ein Strahl aus Glück und Urvertrauen durchbohrt, ich habe keine Angst mehr, ich weiß, alles wird gut - dann ist er weg, abgetaucht auf dem Weg zu einer anderen verzweifelten Person, um dort Zuversicht und Hoffnung zu geben. Ich wache auf, der Motor stottert, es riecht verbrannt..
schwoma, Gronau
INHALT
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