Kurzgeschichten: Sasa Stanisic &
Linus Volkmann
Zehn junge, deutsche Popautoren haben für MAX eine Geschichte in zehn Sätzen geschrieben - auf dieser Seite Sasa Stanisic und Linus Volkmann.
Idee: Alain Bieber
Sasa Stanisic: Ich bin allein, mache mir aber nichts aus
Ich bin aufgekommen. Ich bin statistisch präsent. Ich muss für immer mit WGs abschließen, alles juckt, der Hund kackt im Flur. Hast du auch manchmal das Gefühl, du bist dir deine eigene Garage geworden und stellst ab, stellst ab, stellst ab? Ich betrete im gutsitzenden Anzug einen Media Markt und biete meine Leistungen an, Fernsehbildschirme nämlich vom Staub zu befreien, es gibt keinen Euro die Stunde, ich halte ein halbes Jahr durch und lerne meine zukünftige Ehefrau im Pausenraum schätzen, es handelt sich um eine markante Zuneigung, wir lesen uns gegenseitig mit ironischen Stimmen Fön-Gebrauchsanleitungen vor und geben unserem dritten Sohn den Namen seines Großvaters. Ich wäre gern Erfinder von Schnursenkeln oder als Ding: Bühnenbeleuchtung. Ich bin mit mir ausgekommen. Ich bin meine eigene Konzeptkritik. Der Hund, der sonst im Flur kackt, geht mich spazieren - im Park zu den Birken und zum grauen Busch.
Lust auf mehr?
Sasa Stanisic:
Wie der Soldat das Grammofon repariert
Linus Volkmann:
Super-Lupo, Jeder Freund ist anders
Sasa Stanisic wurde 1978 in Visegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und kam als Vierzehnjähriger nach Heidelberg. Seit 2004 studiert er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Stanisic hat mehrere Stipendien und Preise erhalten, u.a. den Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. "Wie der Soldat das Grammofon repariert" ist sein Romandebüt. Mit diesem Debüt ist er auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2006 nominiert.
Linus Volkmann: Love don't cost a thing
Kuddel und Breiti kannten sich schon lange, seit der Fünften. Mittlerweile machten die beiden sensiblen Punks eine Art Abitur. Auf der großen Abschlussfahrt - es ging in die blöden Berge zum Skilaufen - saßen sie schön vorne direkt hinter dem Lehrer. Um sich von dem versteinerten Pennäler-Protest der Letzte-Bank-Huberei abzusetzen. Nach dem achten Alcopop schaute Kuddel traurig, als er stockend sagte: "Hör mal, ich kann nach der Schule nicht mit dir wegziehen und in Berlin Platte machen und mich dort in unsere Band Amnestie Für Polizistenmörder reinhängen, ich soll jetzt doch das Hotel-Imperium meines Vaters in Südtirol übernehmen." Breiti war so schrecklich überrascht davon, trotz arg Alkohol in seinem biergestählten Jungskörper klang er klar: "Dann war's das jetzt also?" Kuddel nickte, der Bus ruckelte. Zum ersten und letzten Mal küssten sich die beiden Punks.
Linus Volkmann, geboren 1973, lebt in Köln und ist zurzeit Redakteur des INTRO Magazins. 1998 veröffentlichte er seinen ersten Roman "super-lupo - jeder freund ist anders" im Ventil Verlag.
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