Fleisch: Exquisiter Genuss
Mit dem ansprechenden Kochbuch "Fleisch - ein wertvolles Lebensmittel bewusst geniessen" folgt der GU-Verlag dem Trend des nachhaltigen und bewussten Nahrungsmittelsgenusses. Wir haben uns das Buch mal angeschaut und probegekocht ...
Von Verena Orth
Im August 2010 veröffentlichte der bekannte Romanautor Jonathan Safran Foer "Tiere Essen": Ein auf gut recherchierten Zahlen und Fakten basierendes Manifest gegen die unmenschliche und unhygienische Massentierhaltung. Er löste damit eine Lawine von Vegetarierbekennerlitertur und literarisch protokollierten Selbstversuchen (zum Beispiel Karen Duve mit "Anständig Essen" im Dezember 2010) aus.
Fleisch
Sabine Knappe, Sabine Schlimm, Monika Schuster, Stefan Ziemann
Erscheinungsdatum: September 2011
Beschreibung: 24,5 x 26,7 cm. Hardcover, geprägter Leineneinband, 240 Seiten, ca. 200 Farbfotos
Preis: 39,99 Euro (D), 41,20 Euro (A) / 64,90 sFr
Verlag: GU
ISBN: 978-3-8338-2306-0
"Quälfleisch" und vegetarische Bekennerliteratur
Foer überließ es jedem selber, ob er dem Fleischgenuss den Rücken kehrt oder weiterhin seine Zähne in die Muskeln anderer Spezies graben möchte. Der Autor selbst betont in seinem auflagenstarken Werk, dass er es durchaus vor sich verantworten kann, Fleisch zu essen. Nicht verantworten kann er aber, dass die fleischliefernden Tiere bis zum Zusammenbruch des Knochengerüstes überzüchtet, mit Hormonen und Antibiotika vollgepumpt in winzigen, dunklen, engen und feuchten Behausungen sich gegenseitig verletzend dahinvegetieren. Um nicht vor jeder Dinnereinladung und in jedem Restaurant inquisitorisch Herkunft, Haltung und Schlachtung des Hauptgerichtes zu erfragen und als "Quälfleisch" zu enttarnen, entschied sich Herr Foer für ein rein vegetarisches Leben.
Politisch korrektes Tiere Essen
Das Buch "Fleisch - ein wertvolles Lebensmittel bewusst genießen" richtet sich an ebenjene Gourmets, die sich ebenfalls gegen den Verzehr von misshandeltem Fleisch aussprechen, auf Fleischgenuss aber nicht verzichten möchten.
"Fleisch wächst nicht auf Bäumen"
Das Buch ist - wie das Produkt welchem es gewidmet ist - exquisit. Nicht nur sind die Bebilderungen der Gerichte und die Tierportraits in der ausführlichen Warenkunde eine Freude fürs Auge, sondern auch haptisch ist das in grobem Leinen eingeschlagene Werk ein Erlebnis. Es liegt gut in der Hand, ist übersichtlich in aufeinander aufbauende Kapitel eingeordnet und ein klassisches Lesezeichnen erleichtert einem das Wiederfinden des Lieblingsrezeptes.
Fast 40 Seiten des Buches beschäftigen sich mit der Herkunft des Fleisches, sprich; mit den Tieren. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf alte Rassen und natürliche Haltung gelegt. Dem Leser wird nahegelegt den Metzger des Vertrauens wohlbedacht zu wählen und keinerlei Mühen zu scheuen, die Qualität des Fleisches (gleichbedeutend mit der Lebensqualität des zu verspeisenden Tieres) zu verifizieren. Der Fleischliebhaber wird auch mit den grundlegenden Zubereitungsarten und Küchengerätschaften vertraut gemacht, damit dem politisch korrekten Fleischgenuss nichts mehr im Wege steht.
Freunde begrillen und die Schwiegermutter beeindrucken
Die Rezepte sind sehr vielfältig aber vor allem überraschend. Durch doch eher ungewöhnliche Zutatenkombinationen macht jedes Rezept Lust aufs Nachkochen und vor allem aufs Kosten. Ob Kurzgebratenes, Gegrilltes, Geschmortes oder Pochiertes - dem Genuss sind kaum Grenzen gesetzt. Jedem Rezept ist eine Doppelseite gewidmet: Eine ausführliche Beschreibung des Kochvorganges inklusive kleiner Variations- und Beilagentipps auf der linken, und das appetitanregende Foto der Gerichtes auf der rechten Seite. Hier ist für jeden etwas dabei!
Lecker: Rindergulasch mit Knoblauch und Zitrone
Mir persönlich hat das Gulaschrezept besonders gut gefallen. Das typische Freitags-Mensaessen in neuem Gewand. Allein durch die Zugabe von Knoblauch und Zitronenschale wird ein alter Klassiker modernisiert und kommt weg vom Gulaschkanonen-Image. Der erwünschte Nebeneffekt: durch die Auswahl qualitativ hochwertigen Fleisches ("Wade - bestes Gulaschfleisch"), ungewöhnlicher Zutatenkombinationen, die bei vielen Rezepten doch eher lange Zubereitungs- beziehungsweise Kochzeit, während der man in dem Buch schmökern kann, und die schon fast luxuriöse Optik (und Haptik) des Buches, stellt man einen ganz anderen, und wahrscheinlich korrekteren weil bewussteren, Bezug zu seinem Essen her. Da schmeckt' s gleich doppelt so gut!
Seltsam: Der Hackfleischgugelhupf
Ein Kuriosum des Buches soll allerdings nicht unerwähnt bleiben: Der Hackfleischgugelhupf mit Kartoffelsoße. Die Rezeptüberschrift meint blumig: "Bei dieser Traumhochzeit von Kuchen und Fleischpflanzerl gibt es nur eine richtige Antwort: Ja, ich will!". Und auch das Bild wäre recht ansprechend - handelte es sich um einen Früchtekranz. Das Zwängen von Hackfleisch mit Möhre und Lauch in eine Gugelhupfform, dargereicht mit an weiße Schokolade erinnernde Soße aus pürierten Kartoffeln erscheint mir dann doch zu gewagt. Aber ausprobieren muss ich es doch auf jeden Fall, vielleicht beim nächsten Besuch der Eltern ...
Wie die Rezepte aussehen, sehen Sie in unserer Bildergalerie.
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