Kitesurfing: Drachenbändiger
Sie tanzen mit dem Wind, schanzen über Wellen, machen sich zum Spielball der Natur - und sind dabei immer unbeschreiblich cool. Kitesurfen ist mehr als ein Extremsport. Es ist ein Lebensstil. Tipps für Einsteiger.
Von Andrea Ege
Es begann vor über zehn Jahren. Die ersten Waghalsigen ließen sich auf ihrem Board von einem großen Drachen schleppen. Klappt nicht, dachten sich damals viele "normale" Surfer. Sie lagen falsch. Der Kick, am Ende eines Kites über die Wellen zu schießen, zieht immer mehr Freunde des Extremsports an. Spätestens seit Robby Naish, seines Zeichens Guru und Godfather der Surfbewegung, sein Segel ebenfalls gegen einen Drachen tauschte, wurde die ungewöhnliche Bewegung gesellschaftsfähig. Aktuell wird die Zahl der Kitesurfer auf 160 000 weltweit geschätzt. Allein in Deutschland sollen es schon etwa 10000 sein.
2000 Euro und ein bisschen Wind
Wer Teil der coolen Kite-Gemeinde werden will, hat reichlich Auswahl unter den Kite-Schulen Deutschlands - und im Ausland. Wichtig bei der Entscheidung ist, auf die Qualifikation der Lehrer zu achten. Zuerst lernt der Anfänger den Drachen zu fliegen, dann sich von ihm durch das Wasser ziehen zu lassen (der sogenannte Body Drag), danach erfolgt der erste Wasserstart und von da an heißt es: üben, üben, üben.
Erfahrungsgemäß überwältigt der "Kite-Virus" die meisten recht schnell. Ergo muss eine eigene Ausrüstung her. Die ist nicht ganz günstig. Für ein Kite mit Bar (also einen Drachen mit Lenkstange) fallen normalerweise zwischen 900 und 1500 Euro an. Kiteboards gibt es ab 400 Euro. Dazu kommen eventuell Neonprenanzug & Co. Schließlich kann nicht jeder in der Karibik surfen. Und will auch am Ufer gut aussehen.
Dann geht es los. Grundsätzlich darf man überall kiten. Bis auf ein paar Ausnahmen: Badezonen, Natur- und Vogelschutzgebiete und im Umkreis von fünf Kilometern von Flughäfen. Wie viel Wind zum Kiten minimal nötig ist, hängt vom Können, Körperbau und von der Kite-Größe ab. Als ungefährer Minimalwert werden normalerweise sechs Knoten genannt. Doch aufgepasst: Gerade als Anfänger unterschätzt man die Kraft des Windes leicht. Und wenn der erst mal richtig an den Seilen zerrt, rasen sie schneller über die Wellen als ihnen vielleicht lieb ist. Daher raten Profis, nicht alleine kiten zu gehen. Als Anfänger sowieso nicht, aber auch erfahrene Kiter überlassen sich normalerweise nie alleine der Kraft von Wasser und Wind.
Hotspots
Gesellig wie Kitesurfer sind, treffen sie sich auch im Internet auf unzähligen Websiten und Foren. Dort werden News, Tipps und die besten Hotspots zum Kitesurfen ausgetauscht. In Europa zählen dazu unter anderem Tarifa, Fuerteventura/Sotavento (Spanien), St. Peter Ording (Deutschland), Amager/Sydvest Pynten (Dänemark). Populäre Strände weltweit sind zum Beispiel Cumbuco (Brasilien), St. Maarten/Orient Bay (Niederländische Antillen) oder Boracay/Bulabog Beach (Philippinnen). Selbst auf Google Earth macht sich die Kite-Community stark: Kleine "KB" (Kite-Beach) Symbole zeigen, wo sich das Auffalten des Drachens lohnt.
Wie rasant es beim Kite-Surfen zugeht, sehen Sie in unserer Bildergalerie.
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