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Jochen Schweizer GmbH / www.jochen-schweizer.de Jochen Schweizer

 

Extrem-Sport-Guru: Heilige  Momente  für  moderne  Männer

Von Schubladenkategorien für Männer hält Jochen Schweizer nicht viel. Softie oder Alpha-Typ? Egal. "Mr. Erlebnis" will jedem Kunden Freude bereiten. Zum Beispiel an der Quelle seines Erfolges - der Bungee-Anlage in Oberschleißheim.

Von Oliver Völkl

Angstschnur. Der Begriff schwirrt mir auf dem Weg nach oben durch den Kopf. Viel Zeit nachzudenken bleibt in der kleinen Bungee-Gondel nicht. Der Blick schweift kurz über das herrliche Panorama, dann schaue ich 50 Meter nach unten aufs Wasser der Regattastrecke im Norden Münchens. Ich bin an dem Punkt angekommen, den Jochen Schweizer als Angstlust bezeichnet. Ich kippe nach vorne, das Wasser rast heran. Platsch.

Freude und Frieden machen sich in mir breit. Obwohl der Oberkörper klitschnass ist, wird es warm ums Herz, während ich nach einigen Rebounds bewusst atmend kopfüber am Seil hänge. Jochen Schweizer hat seine Vision erfüllt: Sein kreiertes Erlebnis hat mich begeistert.

Schweizer erklärt seine Philosophie

"Letztlich geht es darum, Menschen eine Freude zu bereiten", erklärt er im geräumigen Büro seines Firmenhauptsitzes im Münchner Osten die Geschäftsphilosophie der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe. Sein Plan geht auf. Was der Abenteurer und ehemalige Stuntman 1985 als "Kajak Sports Productions" gegründet hat, und zunächst über den Import von Bungee-Sprüngen nach Deutschland ausbaute, ist längst ein vielschichtiges Imperium geworden. Dabei ging es keineswegs immer nur nach oben. Der Tiefpunkt für den Unternehmer war sicher der Tod eines Bungee-Springers im Juli 2003 auf einer Schweizer-Anlage in Dortmund, als das Seil riss.

2010 erschien Schweizers Biographie "Warum Menschen fliegen können müssen", wo er Höhepunkte und Rückschläge seiner schillernden Laufbahn Revue passieren lässt. Mittlerweile leitet der 55-jährige Tausendsassa rund 300 Mitarbeiter, 30 Shops, verkauft via Erlebnis-Portal (www.jochen-schweizer.de) und Geschenkeboxen 400 000 Erlebnisse im Jahr und erwirtschaftet so einen Umsatz von 50 Millionen Euro. Schweizer ist so erfolgreich, dass sein Name im deutschsprachigen Raum zum Synonym für Erlebnis geworden ist.

Josef, das Wasser und der heilige Moment

"Willst du ins Wasser eintauchen, Josef?", fragt der Bungee-Teamchef in Oberschleißheim einen jungen Mann, der sein persönliches Abenteuer beim Sprung in die Tiefe sucht. Der nickt. Sein Gesicht wirkt etwas angespannt. Aus den Boxen an der olympischen Regattastrecke von 1972 dröhnt Deichkind. Ab und an rudern Boote vorbei. Die Insassen klatschen Beifall, wenn einer der 80 bis 100 Springer an diesem Tag auf der Suche nach dem unvergesslichen Erlebnis seinen inneren Schweinehund überwunden hat.

Schweizer, der selbst tausende Sprüngen gemacht hat, empfiehlt seinen Kunden, den Augenblick nach dem Absprung einfach zu genießen, nach der Anspannung loszulassen. "Ohne Anspannung, keine Entspannung", betont er. Der eloquente Selfmademan, Dalai-Lama-Verehrer und passionierte Yogi spricht dabei von einem "heiligen Moment in der Nicht-Welt", der sich einstellt, wenn der Mensch, der nicht fürs Fliegen geschaffen wurde, sein eigentliches Element Erde für kurze Zeit gegen die Lüfte eintauscht.

Erlebnisse für deutsche Hedonisten

Schweizer wehrt sich dagegen, dass seine Kunden als Möchtegern-Abenteurer bezeichnet werden. "Das gefällt mir gar nicht. Wir haben den Luxus in einer Zeit zu leben, in der bei einem Großteil der Bevölkerung die Basiselemente der Bedürfnispyramide befriedigt sind", sagt er. "Die Überschüsse an Zeit, Energie und Geld nutzen diese Menschen, um ihren Hedonismus auszuleben. Sie sehnen sich nach authentischen Erlebnissen." Und genau diese Wünsche bedient Schweizer - mit über 1000 unterschiedlichen Angeboten vom Action-Abenteuer über Outdoor-Angebote bis hin zu Wohlfühlerlebnissen.

Die Debatte über den neuen Mann tangiert Schweizer dabei nur am Rand. "Bin ich ein moderner Mann?", fragt er in den Raum, um sich sogleich eine Antwort zu geben: "Wenn das bedeutet, mit sich selbst im Reinen zu sein, ja." Aber ob einer nun mehr zum Softie oder zum Alpha-Typen tendiert, ist für Schweizer nebensächlich. Dieses Schubladendenken hält er für kleinkariert. "Entscheidend ist, was der Mensch empfindet", argumentiert der Erlebnis-Guru. "Abenteuer entstehen subjektiv im Kopf. Der moderne Mann lebt seine Individualität und seinen Hedonismus aus, der eine beim Candle Light Dinner mit der Liebsten, der andere im Kampfjet."

Unter den meistverkauften Erlebnissen 2011 findet sich dann auch eine Mischung aus Adrenalinkick (an erster Stelle: Tandem-Fallschirmsprung) und Genuss-Erlebnis (an zweiter Stelle: Dinner in the Dark). Schweizer legt mutigen Männern folgende drei Neuzeit-Abenteuer ans Herz: Kampfjetfliegen, Hundeschlittenfahren und den klassischen Männertraum, einmal im knallroten Ferrari herumdüsen.

Bungee-Sprung versus Erotik-Shooting

70 Prozent der Erlebnisse kaufen übrigens Frauen ihren Männern (Partner, Familie, Freunde). "Die kluge Frau beschenkt das Kind im Mann", ist im Hause Schweizer längst zum geflügelten Satz geworden. Männer dagegen handelten zweckmäßiger. "Die kaufen Erotik-Shootings für ihre Frauen oder eine romantische Übernachtung im Baumhaus." Schweizer unterteilt seine Zielgruppe in Erlebnis-Verschenker (überwiegend Frauen) und Selbsterleber (überwiegend Männer).

Josef hat seinen Bungee-Sprung ins olympische Wasser selbst gekauft. Das Erlebnis war ihm knapp 100 Euro wert. Während er noch adrenalingeschwängert vor sich hinstrahlt, bereitet die Oberschleißheimer Bungee-Crew schon die nächsten Sprungwilligen ganz profan auf deren heiligen Momente vor: Gewicht messen, Eintauch-Frage stellen, Fußmanschetten und Vierpunktegurt anlegen. Und zu guter Letzt kommt noch eine rote Zweitsicherung ins Spiel - die Angstschnur.

In der Bildergalerie sehen Sie atemberaubende Bilder von Schweizers Karriere.

Begleiten Sie unseren Autor beim Bungee-Jump im Videoclip.

Weiterführender Link: Zum Erlebnis-Portal von Jochen Schweizer
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