Graffiti: Mauer-Werke
Von der Straße die Welt erobert: Mit "Né dans la rue - Graffiti" schafft es die ursprüngliche Wandkunst ins renommierte Museum Fondation Cartier.
Von Kerstin Kotlar
Buchstaben durchziehen das Stadtbild, die aneinander gereihten Lettern überziehen Mauern, Fenster sowie Gebäude und teilen die Metropole in horizontale Zeilen, die der Architektur folgen: São Paulo. Die größte Stadt Südamerikas beherbergt eine rege illegale Szene des so genannten Pixação. Gewissermaßen ein aktueller Ableger der klassischen Graffitis. Die Pixadores versehen alle Bauwerke von oben bis unten mit ihren Tags. Meist einfarbig, in Runen oder Fraktur und am liebsten in großer Höhe.
Der Künstler Vitché beginnt in den Achtzigern in den Straßen São Paulos zu schreiben. Damit ist der Brasilianer inhaltlich ganz nah am Ursprung der Mauer-Kunst aus New York. Dort ging die Underground-Art Ende der Sechziger von "writers" aus. Mit ihren Namen oder Pseudonymen hinterließen sie ihre Spuren - Tags - in den Häuserfluchten.
Vitché ist einer der 13 Künstler, die im Rahmen der Ausstellung "Né dans la rue - Graffiti" (Geboren in der Straße - Graffiti) in der Fondation Cartier zu sehen sind. Seine Inspiration zieht der Südamerikaner aus der aztekischen und indianischen Kultur sowie aus dem Zirkusumfeld. Insgesamt zeichnet die Schau der Mauern von New York, São Paulo und anderen Städten die Entwicklung von den Ursprüngen zur Globalisierung der Underground-Kunst nach.
Zeichen lernen laufen
Graffiti, geboren in den Straßen, im Untergrund, in der Illegalität, strebt immer nach Befreiung. So auch nach lokaler Unabhängigkeit. Dafür ist die Metro das Transportmittel aus gewohnten Stadtteilen heraus. Laufen lernen die ursprünglichen Mauer-Werke außerdem in Form der Videokunst.
Schon Ende Siebziger fesselten die lebhaften Kreationen die Aufmerksamkeit der Medien und der plastischen Künstler. Einige New Yorker Galerien beginnen die namhafte Kunst auszustellen. Als heute bekannteste gingen daraus Keith Haring und Jean-Michel Basquiat hervor.
In "Né dans la rue - Graffiti" treffen die New Yorker Altsprayer P.H.A.S.E. 2, Seen und Part 1 neben Vitché auf Schrift-Ersteller aus der ganzen Welt: Boris Tellegen/ Delta (Amsterdam), Evan Roth (in Hong Kong lebender Amerikaner), Basco Vazko (Santiago de Chile), JonOne (Paris), Gérard Zlotykamien (Paris), Olivier Kosta-Théfaine (Paris), Barry McGee (San Francisco), Nug (Stockholm) und Cripta (São Paulo). So sind die Werke nun schön in der Legalität zu bewundern.
Eine Auswahl der Ausstellungsbilder sehen Sie in unserer Bildergalerie.
"Né dans la rue - Graffiti"/ "Born in the streets - Graffiti":
Fondation Cartier
261, boulevard Raspail
75014 Paris
Die Ausstellung ist bis 29. November zu sehen. Begleitend ist ein ausführlicher Bildband mit und Interviews mit Coco 144, P.H.A.S.E. 2, Mare 139, Seen, Lady Pink, Ket One und JayOne erschienen.
Né dans la rue - Graffiti
Richard Goldstein/Fondation Cartier pour l'art contemporain
Verlag: Actes Sud, Arles
Erscheinungsdatum: Juli 2009
Preis: 38,50 Euro
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN
-
Nippel-Alarm
Carla Bruni, die Frau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, brachte wieder
...mehr
-
Verona nackt
"Wer glaubst du eigentlich, wer du bist?" Das ist der Satz, den Verona Pooth, ehemalige
...mehr
-
Prall & blond
Zum 50. gibt's im April-Playboy die blonde Estefania Wieland und Deutschland heißestes
...mehr
-
Rückblick: Bruni nackt in Lack
Carla Bruni, die Frau von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, ignoriert die politische
...mehr








