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Christoph Leib Busty Wolter

 

Busty Wolter: Die  Erfüllung

Sie sind Akrobaten am Motorrad, die das Risiko suchen, obwohl sie die Gefahr sehen. Für einen Freestyle Motocrosser gehört ein lebensgefährlicher Sturz oder eine Querschnittslähmung zum Berufsrisiko.

Von Andrea Hacke

Unmittelbar vor dem Start: höchste Konzentration auf der Maschine, Gang einlegen, positiv an den Sprung denken, der kommt, denn sonst geht alles schief. Der Moderator auf der Freestyle-Motocross-Show in München kündigt den aktuellen deutschen Meister an: "Hier kommt Bustyyyyyyyyyyy Wolteeeeeeer." Rööööemmmm, rööööööeem, ertönt der Motor, die Zuschauer jubeln, aber davon bekommt Sebastian Wolter, genannt Busty, nichts mehr mit. Gleich wird er mit seiner Motocross-Maschine zehn Meter hoch und 25 Meter weit springen, er braust die 2,60 Meter hohe Rampe hoch, die aussieht wie eine nach oben gedrehte Skisprungschanze, und an deren Ende die Motocrosser Richtung Himmel fliegen. Bevor Busty wieder landet, zeigt er in der Luft einen Salto auf dem Motorrad, einen Handstand oder er legt sich mit dem Bike auf die Seite, als hinge es wie eine Marionette an unsichtbaren Seilen und als wöge es nicht mehr als ein Turnschuh.

Die Zuschauer verfallen in ihre klassischen Geschlechterrollen: Die Frauen werfen in Sorge ihre Hand auf den Brustkasten und halten die Luft an, die Männer werden laut, lachen, rufen: "Boooaaaah" und strecken die Brust raus, als wären sie selbst gesprungen. Allein beim Zugucken, bis zu dem Moment, in dem der Freestyler nach dem Trick die Maschine wieder sicher im Griff hat, fühlt es sich für den Zuschauer im Magen so an, als säße er gerade in einer Achterbahn, auf der Fahrt steil nach unten. Was das Auge sieht, führt im Hirn zu der Meldung: Gleich kracht er nach unten.

Die Jungs müssen bekloppt sein

Busty Wolter, ein 29-jähriger Berliner mit langen Locken, aufgeweckten Augen und lässigem Gang, amüsiert sich darüber und sagt: "Bei uns sollen die Zuschauer ruhig denken: 'Die Jungs müssen bekloppt sein.' Wir spielen mit dem Thrill. Bei einem Unfall auf der Autobahn guckt ja auch jeder hin, und bei uns geht keiner vorbei, weil wir etwas Besonderes zeigen und jeden Moment etwas passieren kann. Ein Crash ist immer möglich, wenn man nur ganz kurz unkonzentriert ist oder wenn die Maschine nicht so funktioniert, wie sie soll." Um dies zu verhindern, wird die Maschine vor jeder Show genau kontrolliert, da darf keine Zündkerze schlappmachen, da muss der Kolben alle drei Wochen ausgetauscht werden. Trotzdem passiert es, dass der Kolben mal bricht und der Motor stoppt, die Maschine also bremst anstatt voll aufzudrehen, aber auf der Rampe gibt es kein Zurück mehr. Dann hängen die Jungs in der Luft mit der Frage: Bleibe ich auf der Maschine und breche mir eventuell Fuß- und Handgelenke beim Aufprall - oder werfe ich die Maschine weg?

Busty hat sich bei seinem schlimmsten Sturz aus neun Metern Höhe für die zweite Version entschieden. "Beim Aufkommen habe ich mit allem gleich nachgegeben, um mir die Beine nicht in den Boden zu rammen. Ich hatte nur ein zertrümmertes Sprunggelenk und bin noch am selben Tag operiert worden. Man kann sich das in etwa so vorstellen: Man steigt aufs Zehn-Meter-Brett, springt aber leider zur falschen Seite runter."

Das Video zum spektakulären Sturz: Hier klicken!

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Busty Wolter

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