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Bikram Yoga: Heißes  Workout

Dieser Fitnesstrend bringt jeden ins Schwitzen: Beim Bikram-Yoga wird eineinhalb Stunden lang in einem 38 Grad heißen Raum trainiert. Ein heißkalter Selbstversuch.

Von Laura Hertreiter

38 Grad, 90 Minuten, 26 Übungen: Bikram-Yoga soll das Geheimrezept für heiße Körper und coole Köpfe sein. Stars wie die Pop-Ikone Madonna oder Schauspielerin Susan Sarandon schwören angeblich auf das Training bei tropischen Temperaturen.

Warm up

Mein Selbstversuch führt mich an einem verregneten Winterabend in das erste Bikram-Studio Münchens. Es ist klein, sehr gemütlich und wunderbar warm. Herrlich heiß, korrigiere ich mich, als ich Matte und Handtuch im verspiegelten Yogasaal ausrolle. Eine ganze Riege glühender Heizkörper und auf Hochtouren brummender Heizstrahler erhitzt den Raum auf urlaubsmäßige 38 Grad.

Unter den 15 anderen Teilnehmern, die in ihren knappen Sportklamotten alle sehr fit und gelenkig aussehen, sind für eine Yoga-Klasse erstaunlich viele Männer. "Das liegt wohl daran, dass es speziell bei Bikram mehr ums Auspowern als um Meditation und Spiritualität geht", verrät die quirlige junge Trainerin Katharina Dieterich. Genau das kritisiert der Berufsverband der Yogalehrer: Mit der Einheit von Körper, Geist und Seele habe die hippe Form der rund 4000 Jahre alten Yoga-Tradition nur wenig zu tun. Der Schwerpunkt liege auf dem Fitness-Effekt, es handle sich eher um "indische Leichtathletik". Benannt ist die Methode nach dem 1946 in Indien geborenen Begründer Bikram Choudhury. Der 66-Jährige lebt heute in den USA und verdient damit ein Millionenvermögen. Katharina und ihre Kolleginnen im Münchner Studio wurden vom Meister persönlich in Los Angeles ausgebildet.

Heiße Phase

Beim Bikram-Yoga werden die immer gleichen 26 Posen durchlaufen, die den Kopf freimachen, Körper und Blut mit frischem Sauerstoff versorgen, den Stoffwechsel ankurbeln und die Zellen vitalisieren sollen. "Jede Position wird zwischen 30 Sekunden und einer Minute gehalten und in einer zweiten Runde wiederholt", erklärt Katharina uns Neulingen. Dann wird gedehnt, gebeugt und geschwitzt. Es dauert genau bis zur zweiten Übung, bis das Shirt an meiner Haut klebt und die einst gekühlte Wasserflasche neben der Matte beschlägt. Trotzdem toll! "Die Hitze macht den Körper von Anfang an flexibler", hat Katharina prophezeit. Obwohl Bikram-Kritiker sagen, nur aktive Muskelarbeit könne die Muskulatur auch erwärmen, muss ich Katharina zustimmen: Tatsächlich klappen bei knapp 40 Grad selbst fieseste Verrenkungen auf Anhieb erstaunlich leicht.

Eiskalt erwischt

Ich liebe das heiße Yoga! Zumindest in der ersten halben Stunde. Bis mich Übung Nummer acht eiskalt erwischt: Kopfüber beginnt die Yogaklasse plötzlich vor meinen Augen zu wirbeln, mein Herz zu rasen. Peinlich. Weiterdehnen. Hände an die Knöchel, Beine spreizen, Kopf Richtung Boden, Rücken strecken. Ist es gerade noch heißer geworden? "Gleichmäßig atmen", sagt Katharina. Zu spät. Ich sehe Sternchen und sacke zerknirscht auf den Boden. "Beim ersten Mal ist Schwindel ganz normal", sagt die Trainerin. Man solle dann einfach eine kurze Pause einlegen. "Nach ein paar Einheiten vergeht das, dann stabilisiert sich der Kreislauf." Ich warte also mit wackeligen Knien und roten Wangen auf meiner Matte bis das Kopfkarussell stoppt. Dass echte Bikram-Profis auch bei 60 Grad trainieren, mag ich mir in dem Moment gar nicht vorstellen.

Cool down

Ab Übung zehn bin ich wieder im Rennen, verdränge sehnsüchtige Gedanken an frische Luft und kämpfe mich verbissen durch den zweiten Teil. Und der ist wirklich nichts für Schattenparker und Sauna-unten-Sitzer - obwohl Bikram laut Anbietern für jeden gesunden Menschen geeignet ist.

Erst eine Weile nach meiner Trainingspremiere, einer Dusche und anderthalb Litern Wasser verstehe ich den Bikram-Hype: Nach 90 Minuten knallhartem Sauna-Sport fühlt man sich den Rest des Tages... erfrischt.

Mehr vom Bikram Yoga sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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