Erotikmesse: Sexspiele
Vibrator mit drei Stufen, Gummi-Dildo zum Umschnallen für die Dame oder das Intim-Piercing an Stellen, wo es wirklich weh tut: Die Erotikmesse in München zeigte unbegrenzte Möglichkeiten der Lust - und MAX war mittendrin.
Von Christoph Baumeister
Mick hält eine silbern glänzende Luftdruckpistole wie einen Revolver in seiner linken Hand. Mit seinem Zeigefinger zieht er langsam den Abzug am unteren Ende des Kolbens. Ein dumpfer Schlag und aus der kleinen Öffnung am vorderen Ende des phallusförmigen Arbeitsgerätes schießt ein kleinerer Kolben mitten durch die Haut von Nina. Ein schmerzverzerrtes Gesicht, dann ein Lächeln. "Hat gar nicht wehgetan", sagt sie. Ein paar Handgriffe später hat sie ihren neuen Schmuck, da wo er meistens nur in der Sauna zu sehen ist - genau im Schritt.
Mick ist zufrieden mit seiner Arbeit. "Das mache ich zirka zehn bis fünfzehn Mal am Tag. Ein gut laufendes Geschäft, wie er routiniert ergänzt. Er macht Piercings, an jede Stelle des Körpers. "Der Kunde ist König, wenn er sich die Eichel durchstechen will, bitte". Mick ist einer von zwanzig Ausstellern auf der Erotikmesse in München und nicht der Einzige, der was vom Geschäft mit der Lust versteht.
Knüppel und Gummi
Da ist zum Beispiel Ted. Er macht in "Knüppeln", wie er sagt. Gemeint sind Vibratoren, Massageringe und übergroße männliche Glieder. Daneben bietet er Gleitmittel, aufblasbare Gespielinnen und weitere mehr oder weniger anregende Spielsachen fürs Schlafzimmer. Alles ist aufgereiht auf drei Tapeziertischen, Dildo an Dildo fein säuberlich in Reih und Glied.
Sein Nachbar mag es spartanischer. Er kauert grimmig auf einem Campingstuhl zwischen zwei Regalen und einer kleinen Auslage voll mit pornografischen Hardcore-DVDs aus "eigener Produktion", wie er betont. Er mache das schon seit über 20 Jahren und sei sehr erfolgreich. Wie er an seine Darsteller rankommt, will der korpulente Mann mit der blonden Topfdeckelfrisur trotz mehrfacher Nachfrage nicht verraten. Sein besonderer Stolz sei ja nicht der Filmdreh, sondern ein eigens von ihm entwickelter Drehstuhl. Eine Art Schaukelstuhl, der von der Decke hängt und in der Mitte ein Loch hat. Er sorge für den perfekten Sex, sagt er verschmitzt, während auf einem Monitor vor ihm zwei sichtlich bemühte Akteure versuchen, die äußerst komplizierte Beischlafmethode mit dem Drehstuhl lustvoll aussehen zu lassen.
Striptease und Bonbons
Am anderen Ende der Halle zwischen zwei Unterwäschehändlern mit Strapsen und Dessous hat Paul seinen Stand. In der Auslage liegen wild durcheinander Porno-DVDs und alte erotische VHS-Kassetten, wie sie schon zu Papas Zeiten zu haben waren. Ein paar echte Highlights der Erotikindustrie aus den 70er-Jahren sind auch dabei. Die Wand ist geschmückt mit allerlei Domina-Handwerkszeug aus Lack, Leder und Gummi. Auch hier ist alles Handarbeit, versteht sich. Ansonsten zeigt sich Paul eher kamerascheu und vertieft sich lieber wieder im ÖKM, einem Fachmagazin für Fetischfreunde.
Wesentlich freizügiger agieren die Ladys auf der sogenannten Show-Bühne. Vor ein paar Gästen strippen sie routiniert zu billiger Rumpelmusik. Wem das zu wenig ist, der muss zu den 25 Euro Eintritt für die Messe noch mal 10 Euro extra berappen. Zur Belohnung zeigt Moni einmal pro Stunde im "Orgasmuscenter", was Frau mit dem Lustwerkzeug alles anfangen kann. Ein ermüdender Job, wie die 22-jährige Blondine mit abgeklärter Stimme verrät. Aber man lerne die Männer kennen, wie sie wirklich sind.
Was bleibt, ist eine billig geschminkte Porno-Darstellerin mit durchsichtigem Oberteil, aufgeblasenen Lippen und dem klangvollen Namen Jenna Jane. Sie verteilt zwischen Erosshow und Autogrammstunde am Ausgang bunte Bonbons, um den Heimweg ein wenig zu versüßen.
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