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Dschungelcamp: Unser  Star  für  den  Dschungel

Das Rausvoten beginnt, wer wird Dschungelkönig? Wir haben uns festgelegt, wir wollen Ailton! Allein wegen des einen Treffers gegen FC Bayern.

Von Martin Schneider

Seit einer Woche läuft das Dschungelcamp. Eine Woche, in der sich mehr als sechs Millionen Zuschauer jeden Tag Stars angeschaut haben, von denen es heißt, dass es eigentlich keine Stars sind. Es wären E-, F, -G-oder Y-Promis, die da in den australischen Dschungel gekarrt werden. Verzweifelte, nach Aufmerksamkeit suchende gescheiterte Persönlichkeiten, RTL und der Bild-Zeitung zum Fraß vorgeworfen.

Aber wer genau hinschaut, der erkennt da einen, einen echten Star unter all den falschen. Unter Leuten, die angeblich mit Raben sprechen, die bei Castingshows frühzeitig ausgeschieden sind, die einen bekannten Vater haben oder die sich einfach nur ausziehen. In diesem Bodensatz der Unterhaltungsbranche ist Ailton Gonçalves da Silva gelandet.

Isse Ailton

Ailton ist Fußballer. Er war 2004 Torschützenkönig der Bundesliga und mit Werder Bremen Deutscher Meister. Er war damals der Beste von 6,7 Millionen Kickern in Deutschland, als erster ausländischer Spieler wurde "Toni" Deutschlands Fußballer des Jahres. Das sind die harten Fakten, die Leistungen die im Gegensatz zu allen anderen rechtfertigen, warum er bekannt ist. Aber bei ihm ist da noch etwas. Etwas, das ihn liebenswert macht, das erklärt, warum er bei Allstar-Turnieren immer noch gefeiert wird, warum die Fans ihn in Bremen immer noch lieben und wenn man ganz ehrlich ist, ihn auch jeder echte Fußball-Fan in Deutschland mag.

Er war der Kugelblitz, der Stürmer, der auch zu Zeiten seiner Höchstform keinen Körper hatte, der den Athletikanforderungen der Bundesliga entsprach. Er trug immer einen kleinen Kugelbauch vor sich her und war trotzdem auf den ersten Metern schneller als seine Gegenspieler. Eingesetzt von seinem Antagonisten Johan Micoud, einem genialen Franzosen mit ernstem Philosphengesicht, sprintete er an den Abwehrreihen der Nation vorbei. Er hatte die gleiche Bauchform wie Millionen Fußballfans in ihren Sesseln und Kneipen und er war trotzdem besser als die durchtrainierte Kicker-Elite. Er traf und lachte, und traf und lachte und ab und zu tanzte er und gab nach dem Spiel Interviews in der dritten Person und mit einem breiten Grinsen. "Isse Ailton" , war die Standardendung seiner Interviews.

Sieg über Kahn - Niederlage gegen sich selbst

Unsterblich machte er sich am 8.Mai 2004 im Münchner Olympiastadion. In der 35. Minute schlenzte er den Ball an Oliver Kahn vorbei zum 3:0 in den Winkel. Bremen war damit Meister. Der lustige, fröhliche, dicke Brasilianer überwand den vor Ehrgeiz zerfressenen Torwart-Titan und besiegte den Verein, der vorher getönt hatte, man müsse Bremen "zerstören". In diesem Moment hassten ihn alle Bayern-Fans und der Rest Deutschlands lag ihm zu Füßen.

Danach ging es bergab. Toni ging von Bremen weg, und spielte danach bei 13 Vereinen. Jetzt ist er im Dschungelcamp gelandet und präsentiert sich Zuschauern, die in ihm den dummen Fußballer sehen, der für die Zeit nach seiner Karriere nicht vorgesorgt hat. Dem es ganz recht geschieht, wenn er Maden essen muss. Sie werden ihn in eine Schublade mit Stefan Effenberg und Lothar Matthäus stecken, zwei große Sportler die sich in der Öffentlichkeit selbst demontiert haben.

Wir wollen Toni

Damit haben sie natürlich Recht. Er hat nicht vorgesorgt. Aber hätte er das getan, wäre er nicht Ailton. Das ist das Paradoxon, das ihn in den australischen Dschungel gebracht hat. Was bleibt ist die Hoffnung, dass Toni nicht verlernt, was ihn einzigartig macht: Sein Lachen, seine kindliche Freude, die so vielen Menschen irgendwann verloren geht. Wenn er das schafft, werden ihn weder Maden, noch Känguru-Hoden, noch RTL, noch die Bild-Zeitung demontieren. Er wird Toni bleiben. Und Dirk Bach und Sonja Zietlow nach seinem Sieg grinsend ein "Isse Ailton" entgegnen schleudern.

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Leser-Kommentare (1)
hain (13.01.12 - 12:31)
Überlebenkunst

Wer mit einem statt Messer oder Axt, im Dschungel besser zurecht kommt, werden wir dann im Fernsehen sehen =)

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