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Dopingskandal: Die  Dopingfalle

Immer neue Enthüllungen rund um Dopingmissbrauch schrecken die Sportszene auf. Experte Professor Werner Franke sagt: In Wirklichkeit hat kaum jemand ein Interesse daran, den Sumpf trockenzulegen.

Von David Mayer

Er ist Deutschlands hartnäckigster Dopingbekämpfer. Seit Jahren setzt sich der Heidelberger Molekularbiologe Professor Werner Wilhelm Franke für einen sauberen Sport ein. Gemeinsam mit seiner Frau, der ehemaligen Diskuswerferin und Kugelstoßerin Brigitte Berendonk, entlarvt er unermüdlich die wahren Dopingtäter, die kriminellen Ärzte und Funktionäre hinter den Sportlern. Zuletzt flog der 67-jährige Krebsforscher nach Madrid, um die Ermittlungsakten des "Fuentes-Skandals" einzusehen.

MAX: Im vergangenen Herbst beschrieb der Sportrechtsprofessor Ullrich Haas das Ausmaß des Dopings im Spitzensport mit den Worten: "Nehmen Sie das Schrecklichste an, es entspricht der Wahrheit." Ist die Lage wirklich derart prekär?

Franke: In bestimmten Sportarten ist das Ausmaß epidemisch, das ist auch belegt.

MAX: In welchen konkret?

Franke: Zunächst in allen Kraftsportdisziplinen. Dort nehmen die Sportler klassischerweise Anabolika ein. Allen voran die Bodybuilder, diese Szene ist total versaut. Für seine jüngst erschienene Promotion in der Gerichtsmedizin hat Luitpold Kistler Leichen von Bodybuildern untersucht. Auf die Frage, wie hoch der Anteil der Anabolikakonsumenten unter leistungsorientierten Bodybuildern ist, antwortete er: 100 Prozent. Es ist eine einzige Groteske, wenn bestimmte deutsche Fernsehsender den ganzen Mist auch noch zeigen. Da muss ich doch lachen. Das ist seit Jahrzehnten eine einzige kriminelle Szene, die aber von der Öffentlichkeit ignoriert wird, weil es dort große Interessen gibt.

MAX: Welche Interessen meinen Sie?

Franke: Was Bodybuilding angeht vor allem die Wellness-Branche und die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln - das ist ja ein riesiger Markt. Zu Teilen auch die Filmindustrie. Andere betroffene Sportarten sind kraftabhängige Disziplinen wie Gewichtheben, Ringen oder Leichtathletikübungen wie Kugelstoßen, Diskuswerfen, aber auch der Kurzsprint.

MAX: Wie ist es um die Ausdauersportarten bestellt?

Franke: Anders als in Kraftsportarten dopen die Sportler hier weniger mit anabolen Steroiden als zum Beispiel mit dem Hormon Epo. In beiden Bereichen sind übrigens Wachstumshormone sehr populär. Aber egal in welcher Disziplin: Der schlimmste Bereich ist der Frauensport.

MAX: Auch der Radsport drohte letzten Sommer im Dopingsumpf zu versinken. Ist zum Beispiel die Tour de France überhaupt ohne Doping zu gewinnen?

Franke: Ich glaube, dass seit Jahrzehnten keiner ohne gewonnen hat.

MAX: Immerhin: Das T-Mobile-Team hat nach Jan Ullrichs Ausschluss ein striktes Anti-Doping-Programm angekündigt.

Franke: Sprüche, Sprüche, Sprüche. In den letzten Jahren sind einige T-Mobile-Fahrer überhaupt nicht kontrolliert worden.

MAX: Glauben Sie, dass auch jetzt noch bei T-Mobile gedopt wird?

Franke: Ich sage nicht: beim T-Mobile-Team. Ich gehe allgemein davon aus, dass noch knacke-fetzen-voll gedopt wird, und zwar mit den Absicherungen, die jetzt durch den Fuentes-Skandal bekannt geworden sind.

MAX: Welche Absicherungen?

Franke:Das Dopingsystem ist perfekt. Deshalb zahlen die Athleten auch so viel dafür. Dafür kommt dann der Arzt direkt ins Hotelzimmer und versorgt den Sportler mit entsprechenden Mitteln. Manchmal werden die Fahrer sogar per Privatflugzeug zum Dopen ausgeflogen. Sie selbst haben aber so gut wie nichts mehr bei sich und können nicht mehr erwischt werden. Zudem werden die Mittel so verabreicht, dass auch die Dopinprobe negativ ist. Der Wert bleibt immer exakt unter dem Grenzwert.

MAX: Welche Strategie empfehlen Sie?

Franke: Sie müssen die Hauptversorger überführen und hart bestrafen.
MAX: Warum tut sich nichts?

Franke: Es soll ja in Wirklichkeit gar nichts geschehen. Dopingforschung kann man das auch nicht gerade nennen. Da werden ja nur Kontrollen durchgeführt und das auch nur nebenher und meist nur auf Verlangen der Sportverbände.

MAX: Sehen Sie noch Möglichkeiten, dass der Sport dem Doping-Sumpf entkommt?

Franke: Ich sehe keinen, der da wirklich rauskommen will.

Das komplette Interview mit mehr Infos zum kriminellen Umgang mit Dopingmitteln in Ausgabe 06/2007 der MAX.

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Leser-Kommentare (1)
Dopemann (30.05.07 - 18:29)
ach echt...

...die sind alle voller unerlaubter Substanzen, so eine Überraschung...

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