Dan Osman: Er sprang tiefer als alle
"Osmans Sprünge wühlten die Szene auf. Zwei Lager bildeten sich. Sportler und Journalisten hielten ihn für dumm und verurteilen seinen Todesmut. Andere waren von seinen Sprüngen fasziniert. "
Er kletterte auf Brücken oder auf riesige Felsen im Yosemite National Park in Kalifornien, um sich dann wieder Hunderte von Metern in die Tiefe zu stürzen. Er sprang tiefer als alle Bungee-Springer. Seine Stürze bremste er nur mit einem einfachen Kletterseil. Nylonseile, die Kletterer verwenden, sind nicht darauf ausgerichtet, solche Stürze aufzufangen. Vor Osman hat niemand freiwillig probiert, ob sie es aushalten. Vor einem 200-Meter-Sprung von einer Brücke prophezeite ein Freund Osman, dass er sich alle Knochen brechen werde, nur durch die Gewalt des Moments, in dem das Seil fasst. Osman verletzte sich nicht - und wollte seinen nächsten Sprung noch höher ansetzen.
Osmans Sprünge wühlten die Szene auf. Zwei Lager bildeten sich. Sportler und Journalisten hielten ihn für dumm und verurteilen seinen Todesmut. Andere waren von seinen Sprüngen fasziniert. Schon bald hatte er Nachahmer. Bobby Tarver, ein 25-jähriger Bungee-Springer und guter Freund, starb, als er einen seiner Sprünge imitierte. Osman, der während des Sprungs nicht anwesend war, versuchte zunächst, seinen Freund aufzuhalten. Schließlich erklärte er ihm einen Plan und zeichnete genau auf, worauf er bei jedem Schritt achten sollte. Tarver war ungeduldig. "Ich konnte es ihm ansehen", sagte Osman später. "Er schaute auf das Papier, aber er hat nicht zugehört."
Vor dem Sprung von der Brücke an einem Canyon in Utah vergaß Tarver, das Seil mit einigen kurzen Sprüngen zu dehnen. Als er schließlich sprang, dehnte das Seil sich zu weit, und er knallte kopfüber gegen die Felswand des Canyons. Drei Stunden später war er tot. Osman ging zurück zum Ort der Tragödie und sprang genau nach dem Plan von der Brücke, den er Tarver aufgezeichnet hatte.
Seine Stunts machten ihn bekannt. Bald rannte Osman für Werbekampagnen von Brücken und Klippen, er wurde von Fernsehsendern gefilmt, und war Mitglied des North Face Expedition Climbing Team, einer Gruppe der besten Bergsteiger in Amerika. Er sprang immer tiefer. Erst 200, dann 220, dann 250, schließlich 275 Meter. Er vertraute den Knoten und Schlingen, die das Seil hielten, an dem sein Leben hing. "Ich kann es nicht glauben", brüllt Osman nach einem Sprung in eine Kamera. "Schlimm genug, dass wir so was hochklettern müssen! Was ist nur mit den Menschen heutzutage los? Wir werfen uns 300 Meter hohe Felsen herunter. Um zu beweisen, dass wir es können."
Den letzten Beweis wollte Osman im Oktober 1998 erbringen und mit einem 335 Meter langen Sprung den eigenen Rekord brechen. Dann sollte Schluss sein. Er sagte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis alle Risiken ihn einholen würden. "Ich habe eine knallharte Bande von Schutzengeln, die viele Überstunden gemacht haben und dringend bezahlten Urlaub machen müssen." Er machte seiner Freundin Nikki einen Heiratsantrag, versprach seiner zwölfjährigen Tochter Emma, dass sie jetzt mehr Zeit mit ihm haben würde und spannte ein Seil zwischen die Steinkolosse Leaning Tower und Fifi Buttress im Yosemite National Park. Genau zwischen den Felsen befestigte er an diesem Seil ein weiteres, das seinen Sprung auffangen sollte. Die größte Sorge: dass er bei seinem Sprung eine der riesigen Kiefern im Tal treffen könnte.
Leser-Kommentare (4)
wie kann man nur
reicht es nicht zu wissen das er es nicht überlebt hat??? ein bissl mehr respekt wäre wahrlich angebaracht!!!der mann war der verrückteste von uns allen!!! im übrigen hat er das seil nach dem ersten sprung 3 wochen hägen lassen weil er zu abbau der konstruktion zu fertig war.der 2.versuch war reiner leichtsinn.zitat"wenn ich den berg mit hilfsmitteln besteige hat der berg keinen respekt vor mir"
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