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Crazy Horse: Ver-rückt

"Crazy Horse" neu erfinden. Die alten Stühle wurden verkauft. Am 15. Oktober öffnete das Pariser Varieté mit der offiziellen Premiere "Forever Crazy" seinen Vorhang wieder.

Von Kerstin Kotlar

Aria Crescendo, Venus Oceane und Vanity Starlight lassen die hochhackigen Schuhe fallen, nehmen die Haarklammern aus ihren Frisuren und streifen sich ein T-Shirt über. Es war eine bombastische Premiere im "Crazy Horse". Die Tänzerinnen schwangen sich bei "Forever Crazy" lasziv unter bunten Lichtspielereien. Vor der kleinen Bühne des legendären Kabaretts in Paris genossen Hunderte von Zuschauern die offizielle Wiedereröffnung.

Auf den roten Plüschsesseln saßen schon Madonna, Sting und Thierry Mugler. Sie alle genossen die grazilen Bewegungen der Mädchen. Das "Crazy Horse" in der Avenue George V, unweit der Prachtstraße Champs-Elysées ist legendär.

Alles neu hieß es diesen Sommer. Die Sessel wurden verkauft, das Kabarett zugesperrt. Dann wurden bis Mitte September die neuen Stühle gerückt. Dazu kamen frische Tänzerinnen, aufgepeppte Choreografien und noch heißere Outfits.

Berühmte Besucher

Wer in der Pariser Nachtszene etwas auf sich hält, verbringt gerne eine anregende Soirée im "Crazy Horse". Einer der Stammgäste ist Modezar Jean Paul Gaultier. Er war natürlich auch mit von der Partie, als Dita von Teese als Gaststripperin ihre Show "Das Bad" präsentierte. Eine Wanne aus dem 19. Jahrhundert und blubbernde Seifenblasen bildeten die Garnitur für ihr sinnliches Spektakel. Sie bot Entblätterung vom Feinsten. Im Publikum ließen sich auch Modedesignerin Sonia Rykiel und Schauspieler Daniel Auteuil blicken.

Sie waren nicht die Einzigen. Schließlich gibt es das "Crazy Horse" seit einem halben Jahrhundert. Mehr als drei Millionen Zuschauer haben die erotischen Tänzerinnen in Paris schon bewundert.



1951 gründete Alain Bernardin das "Crazy Horse" im Untergeschoss eines bürgerlichen Hauses in der Avenue Georges V. Den Maler und Antiquar inspirierte vor allem eines: die Schönheit der Frauen. Außerdem faszinierte ihn die Saloon-Kultur der Western. So bot er anfangs klassischen Striptease nach amerikanischem Vorbild.

Die Kunst nackt angezogen zu sein

Seinen ganz eigenen Stil definierte Bernardin in den 60ern. Nouvelle Vague und Pop Art lieferten ihm viel Inspiration. Die Tänzerinnen als Bilder, als "tableaux vivants". Lichtspiele und Laserprojektionen malten auf den tanzenden Mädchen. Die Kunst des Nackten, "L'art du Nu" wurde sein Markenzeichen.

Nach seinem Tod 1994 übernahmen die Kinder die Leitung des großartigen erotischen Spektakels. Seit 2005 ist das Pariser Kabarett in den Händen der Belgier Philippe Lhomme und Yannick Kalantarian. Dennoch ist der Geist des "Crazy Horse" unter der Direktorin Andrée Deissenberg erhalten geblieben. Immer noch wird die Nacktheit der Tänzerinnen als Kunst inszeniert: "L'art du Nu." Besonders ausgefeilte Lichtspiele lassen die grazilen Körper bei den außergewöhnlichen Choreografien verführerisch erstrahlen.

Zu seinem 50. Geburtstag, 2001, galoppierte das "Crazy Horse" in das Land, aus dem sein indianischer Namensgeber kam. "La Femme" eröffnete im MGM Grand in Las Vegas. Die erotischen Shows feiern bis heute Spitzenerfolge.

Ende 2005 kam der Sprung nach Singapur. Das erste "Crazy Horse" in Asien eröffnete als weltweit größte Filiale. Doch schon gut ein Jahr später zogen sich die Tänzerinnen wieder an und ließen die Stilettos fallen. Der große Schuldenberg bedeutete den finanziellen Ruin für die Dependance in Asien.

Doch das Original bleibt unvergleichlich. In Paris geht die Party nach der Neueröffnung mit rauschenden Festen weiter. Und Jean Paul Gaultier ist nach wie vor verrückt nach dem "Crazy Horse".

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