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MAX Online Bisons in Sickenhausen

 

Mächtiger Hirte!: Auge  in  Auge  mit  Bayerns  Bisons

Im oberbayerischen Sickenhausen lebt Deutschlands größte Bisonherde. Max Online durfte mit dem Chef der zotteligen Riesen ins Gehege.

Von Oliver Völkl

Als die Bisonherde auf der Flucht vor ihrem Boss erst einen Hang hinunter läuft und dann durch den Matsch in meine Richtung galoppiert, rutscht mir das Herz für einen Moment in die Hose. Mächtiger Hirte, sind das Kolosse! Die schnaubenden Bullen wiegen bis zu 900 Kilogramm. Die riesigen gehörnten Schädel erledigen den Rest. Als sie mich erblicken, drehen die fleischgewordenen Urgewalten allerdings ab und jagen davon. Kurz darauf stapft Josef Wiesheu unbeeindruckt den Hang hinunter. "Konntest du Fotos machen?", fragt der 64-jährige Landwirt und steigt in seinen allradbetriebenen VW-Transporter ein.

Bisons aus Kanada importiert

Seit 1995 züchtet Wiesheu etwa 30 Kilometer nördlich von München Bisons. Damals hat er mit großem Aufwand und viel Mut 60 Tiere von Montreal über Paris nach Sickenhausen transportiert. In seiner Brust schlagen zwei Herzen: ein kanadisches und ein bayerisches. Seine Liebe zu Kanada und der Natur haben ihn zum Chef von Deutschlands größter Bisonherde gemacht. Von seinen 160 Tieren kennt er jedes einzelne. Früher gab‘s auf dem Wiesheu-Hof in dem kleinen Dorf Milchkühe, heute kanadische Bisons. Die halten den studierten Betriebswirt jung - und ernähren zudem die Familie.

Zum einen verkauft er seine Zuchtbullen europaweit, zum anderen landen die Tiere auf der heimischen Schlachtbank. Deswegen unterteilt Wiesheu seine Lieblinge auch auf zwei verschiedene Herden. Bisonfleisch sieht aus wie Rindfleisch, ist aber fettärmer und besonders reich an Eiweiß, Eisen und Zink - und erfreut sich dank seines Geschmacks einer immer größer werdenden Fangemeinde. Neben Filet- und Lendenstücken, wandern bis zu 60 verschiedene Wurstsorten über den Ladentisch. Beim Münchner Tollwood-Festival gab es schon Bison-Burger, auf der Wiesn 2012 erstmals Bison-Gulasch.

"Champion" besteht auf mehrere Weibchen

Träge stehen die massiven Tiere nun in der Novembersonne auf der eingezäunten Weide und schauen neugierig hoch, sobald sie ein Geräusch wahrnehmen. Ein Anblick wie im Wilden Westen. Wiesheu legt großen Wert auf artgerechte Haltung, die Bisons brauchen viel Platz draußen, können bei schlechtem Wetter in einen offenen Stall trotten. Auf 15 bis 18 Weibchen kommt maximal ein Bulle, sonst gibt es Ärger. Ein stolzer Bison wie "Champion" beansprucht mehrere Frauen für sich. Dieses Alphatier-Privileg würde der Prachtbulle mit aller Macht verteidigen, wenn nicht genügend Weibchen zur Verfügung stünden.

"Die Bullen werden ab einem Alter von 15 Jahren eigensinnig", so Wiesheu. Es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass die Herde ausgebrochen ist. Mit Polizeiunterstützung und seinem Quad hat der Bison-Bauer die Ausbrecher dann wieder eingefangen. "Beim ersten Mal hab ich fast einen Herzinfarkt bekommen", erzählt er. Noch schlimmer sind für Wiesheu allerdings die Abschüsse der Schlachttiere. "Da tut das Herz weh, aber es muss sein."

Wenn irgendwie möglich, überlässt er das seinem Metzger. Ein Schuss aus dem Jagdgewehr zwischen Ohr und Horn und das Bison stirbt laut Wiesheu ohne Stress und Schmerzen. Den Zuchtbisons bleibt der frühe Tod erspart, sie werden in der Regel rund 40 Jahre alt.

Weiterführender Link: Infos zur Bisonzucht und zur Hofmetzgerei Wiesheu in Sickenhausen
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