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Uwe Weber Hot Rod in Bottrop

 

Oldtimer-Rennen: Hot  Rod  in  Bottrop

Auf einem Flugfeld im Ruhrgebiet treffen sich einmal im Jahr ein paar Hundert Autoverrückte, deren umgebaute US-Oldtimer jedem TÜV-Prüfer das Deo versagen lassen. Dabei geht es doch nur um Speed, Show und Bier.

Von Stefan Krücken

Dass Alex Piornack überlegte, als Diplomingenieur im Stahlwerk anzufangen, mit der Perspektive auf ein Reihenhäuschen am Stadtrand, wo japanische Kleinwagen unter Carports parken, ist ein paar Jahre her. Damals war er noch nicht am Hals tätowiert. "Live strong" liest man nun direkt unter seinem Gesicht. Daneben halten betende Hände eine Zündkerze fest. "Ich spürte: Meine Welt ist anders", sagt Piornack, der studierte Ingenieur der Hüttentechnik. "Um genau zu sein: Meine Welt ist hier."

Rock'n'Roll, Abgase und Grillwurst

Hier ist heute der kleine Flugplatz Schwarze Heide in der Nähe von Bottrop, einem Teil des Ruhrgebiets, der erstaunlich grün ist und vor allem aus Weizenfeldern und Pferdeweiden besteht. Gelegentlich knattert eine Cessna über den skurrilsten Parkplatz der Republik. Etwa 120 Fahrer sind an diesem Wochenende mit amerikanischen Oldtimern aus vielen Ländern Europas angereist, dazu Mechaniker aus Kalifornien oder Motorhaubenkünstler aus Japan. Über dem Nachmittag hängt ein Aroma von Abgasen und Grillwurst, aus Lautsprechern ist Rock'n'Roll zu hören, und wer die Augen schließt, mag denken, dass Bottrop heute irgendwo in South Carolina liegt.

Freakshow der Extraklasse

Den Begriff Oldtimer-Treffen sollte man durchstreichen, denn er erklärt nicht annähernd, was hier geschieht: Wer nicht mindestens an Armen und Oberkörper tätowiert ist, fühlt sich auf den Feldern neben Bottrop seltsam nackt. Zum Dresscode gehören Bluejeans (hochgekrempelt), Unterhemden (weiß), Petticoats (rot) und Lippenstift (sehr rot). Die meisten Autos sehen so aus, dass einem TÜV-Prüfer das Deo versagt: Hot-Rod-Fans sägen gern Dächer ab, verkleinern die Scheiben und schweißen die Dächer wieder drauf. Die Originale, auf die es ankommen soll, sitzen hinter dem Lenkrad.

Pimp my Oldtimer

Piornack, Ende 30 und aus Ratingen bei Düsseldorf, hat solche Einlagen nicht nötig. Er betoniert sein Haar mit allerhand Brillantine nach hinten, trägt Sonnenbrille und ein T-Shirt mit dem Schriftzug "Hot Rod Hooligan." Vor ihm parkt sein Ford, Baujahr 1935, in den einige Extras eingebaut wurden, an die 1935 ganz bestimmt niemand dachte. Es ist ein Rat Rod, was die kompromissloseste Variante des Umbaus meint. In Piornacks Auto öffnet man mit einem Schlagring die Tür und legt mit einem umgedrehten Revolver die Gänge ein. Im Motorraum grinsen Totenköpfe aus Chrom. Ungefähr 280 PS hat das tief liegende Mobil - ganz genau weiß das niemand. Jedenfalls hat der Wagen nach Angaben seines Besitzers "mächtig Bums von unten" und ist geeignet, selbst Porsche-Fahrern Angst einzujagen. Die Vorstellung, dass man mit diesem Ford zum Schichtbeginn auf den Parkplatz von Thyssen rollt, um neben Fiestas zu parken, ist ziemlich amüsant.

In einer Stahlhütte trat Piornack nie an. Er arbeitet heute in einer Motorradwerkstatt und betreibt nebenher einen Handel mit Hod-Rod-Accessoires. An dem finsteren Ford kommt kein Besucher vorbei, ohne sein Handy zu zücken und ein Foto zu knipsen. "Gibt das keinen Ärger mit der Polizei?", will jemand von Piornack wissen. "Keine Ahnung. Mich hat noch nie einer angehalten", gibt der zur Antwort, ohne die Miene zu verziehen.


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Leser-Kommentare (1)
Jenny Stierl (22.09.08 - 13:43)
Wann gibts das nächste Rennen?

Hallo! -Wollte wissen wann das nächste Rennen startet? liebe Grüße Jenny

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