Melkus: Türen runter und los
Der Melkus RS 2000 ist ein rassiger Sportwagen. Jedes Stück wird handgefertigt. Seinen Ursprung hat der Bolide in der ehemaligen DDR.
Von Andreas Buchmann
Mit dem Ende der DDR starben auch die meisten Ost-Produkte. Eine Wiederauferstehung feiert jetzt ein Auto, das unter all den Wartburgs und Trabis in der Nische parkte: der Melkus.
Mann und Marke
Die Marke heißt so wie der Erfinder. Der Dresdner Rennfahrer Heinz Melkus wollte Tourenwagenrennen fahren und konnte sich in den 60er-Jahren leider keinen Sportwagen aus dem Westen kommen lassen. Da baute er sich sein Geschoss einfach selbst. Der Melkus RS 1000 war geboren. Bis 1980 entstanden 101 Boliden. Denen sieht der Gasfuß-Fetischist nicht an, dass der "Rennsportwagen" (daher die Abkürzung "RS") auf Wartburg-Basis gefertigt wurde. Charakteristisch war für die Autos die Leichtbauweise. Teilweise wogen die Ost-Renner im Leerzustand weniger als 700 Kilogramm.
An diesem Leergewicht beißt sich selbst der aktuelle Nachfolger den Zahnriemen aus. Der RS 2000 soll im November auf den Markt kommen und immerhin unter 1000 Kilogramm auf die Waage bringen. Der Neuling hat viele Gemeinsamkeiten mit seinem berühmten Vorgänger - zum Beispiel die Flügeltüren. Die haben auf Wunsch herausnehmbares Glas im Dachbereich. So wird der Melkus mit wenigen Handgriffen zum Targa.
Ab in die Gegenwart
Die Formensprache des RS 2000 orientiert sich am DDR-Renner. "Es entstand eine zeitlos schöne und eigenständige Form, die sich deutlich und wohltuend von den aktuellen Trends der Automobilindustrie abhebt", erklärt Lutz Fügener. Der Professor für Transportation Design hat den Wagen gezeichnet - in enger Abstimmung mit den Söhnen und Enkeln von Heinz Melkus, die das Geschäft übernommen und die Begeisterung fürs Rennfahren geerbt haben.
Unter der Motorhaube werkelt ein 270-PS-Aggregat, die Karosserie besteht aus Glas- und Kohlefaserwerkstoffen. Neun Wagen haben sich die Dresdner für dieses Jahr noch vorgenommen, 2010 sollen es schon 25 sein. Der Preis für den RS 2000 orientiert sich leider nicht an den guten alten Ost-Preisen: Die beliefen sich auf etwa 30 000 Ost-Mark. Wer einen neuen Melkus besitzen will, muss rund 100 000 Euro auf den Tisch legen.
Impressionen vom neuen und alten Melkus gibt es in unserer Bildergalerie.
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